Archiv für den Monat: Juni 2014

Logos

„Logos“ ist die geheime Artikulationsstruktur,
welche die Wirklichkeit im Ganzen trägt und
zusammenhält. Es gelte, den Logos zu 
erkennen und als Orientierungs- und
Lebenshilfe durch einen walten zu lassen.

Heraklit

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Übersetzt:
‚geheime Artikulationsstruktur‘ = ‚Die Frage, die das Leben einem Menschen gerade stellt“

Wirklichkeit im Ganzen = ‚Das Menschenbild, das jeder [ganze] Mensch frei und verantwortlich dafür ist, diesen Fragen zu antworten‘

‚Logos‘ = ‚Sinn‘

‚durch einen walten lassen‘ = ‚Vertrauen darauf, dass jeder Mensch Sinn finden kann, weil es diesen per se immer gibt [auch, wenn ihn ein Mensch verloren glaubt] und weil Menschen ‚geistbegabte‘ Wesen sind.‘

Plädoyer für die Illoyalität

Kennen Sie auch Menschen, die sich von Ihnen abwandten, nur weil Ihre Verhaltensweisen nicht deren Loyalitätserwartungen entsprachen? Wenn Loyalität einen Beitrag zum Systemerhalt leisten soll, dann könnte man auf den Gedanken kommen, dass llloyalität quasi den Bruch desselben beabsichtigt. Oft aber ist genau das Gegenteil der Fall und ebenso oft wird genau dies nicht verstanden.

In jedem System, ob unter Freunden, in der Familie, in Vereinen und Unternehmen, in der Gesellschaft und der Welt braucht es seelische Bindekräfte. Diese Kräfte können sich zeigen in Form von Versprechen der Liebe, der Treue, der Kundennähe, des Glaubens, der Hoffnung und anderen mehr. Wenn diese Bindungskräfte ‚erster Ordnung‘ nachlassen, dann rücken die der ‚zweiten Ordnung‘ nach, unter ihnen die Loyalität. Sie ist eine Art salvatorische Klausel, die eingehalten wird, selbst dann, wenn der Hauptvertrag seine Potenz verloren hat. Dann bleibt man wegen der Kinder zusammen, oder man tritt nicht aus der Kirche aus, obzwar ihre Funktion als Institution längst ihren Stellenwert im Leben des Menschen verloren hat. Oder man steht loyal zum Vorgesetzten, wenngleich die Bereitschaft, für ihn durchs Feuer zu gehen, aufgrund durch ihn ‚erlittener Brandverletzungen‘ nicht mehr gegeben ist.

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Ausrichtung auf höchste persönliche Werte

Mitten in ihrer Abschlussprüfung für die zehnte Klasse [Mindestalter 16 Jahre] hat eine nepalesische Schülerin einen Jungen zur Welt gebracht. Eine echte Auszeit gönnte sich die junge Mutter deswegen nicht: Nur eine Stunde nach der Geburt habe Rekha Garti ihre Klausur im westnepalesischen Distrikt Rukum fortgesetzt, berichtete der Fernsehsender Avenues. Die Prüfer zeigten angesichts der ungewöhnlichen Umstände jedoch Entgegenkommen. Sie verlängerten die Abgabezeit der Schülerin um sechzig Minuten.

Quelle: n-tv.de

DIE GESCHICHTE VON DEN UNGLEICHEN ZWILLINGEN

Es waren einmal Zwillinge, die glichen sich äußerlich wie ein Ei dem anderen Ansonsten aber waren sie aber vollkommen verschieden. –
Wenn es dem einen zu heiß war, war es dem anderen zu kalt. Wenn der eine sagte: „Die Musik ist zu laut“, wollte der andere die Musik noch lauter. Und der auffälligste Unterschied zwischen den beiden war, dass der eine von ihnen zu jeder Stunde optimistisch und zuversichtlich war, während der andere sich immer schlecht gelaunt und pessimistisch gab.

Als sie nun eines Tages Geburtstag hatten, wagte der Vater der Zwillinge ein Experiment: Er wartete am Vorabend des Geburtstages so lange, bis seine Söhne eingeschlafen waren und machte sich dann heimlich ans Werk.

Er füllte das Zimmer des Pessimisten bis an die Decke voll mit den schönsten Geschenken: Spielzeug, Sportgeräte, technische Geräte und vieles mehr. Dem Optimisten aber legte er nur einen stinkenden Haufen Pferdeäpfel ins Zimmer sonst nichts. Nun war er gespannt, was geschehen würde.

Am nächsten Morgen schaute der Vater zuerst ins Zimmer des Pessimisten. Er fand ihn laut klagend am Boden sitzen, inmitten der ganzen wundervollen Geschenke. „Warum weinst du denn?“, fragte der Vater.

„Erstens, weil meine Freunde neidisch sein werden, zweitens, weil ich die ganzen Gebrauchsanleitungen lesen muss, bevor ich mit den Geschenken etwas anfangen kann, drittens, weil ich für die meisten dieser Spielsachen ständig neue Batterien brauchen werde, und viertens, weil im Lauf der Zeit bestimmt ein paar von den Spielsachen kaputtgehen werden!“

Darauf ging der Vater in das Zimmer des optimistischen Zwillings. Dieser hüpfte vor Freude um die Pferdeäpfel herum. „Warum bist du denn so fröhlich?“ fragte der Vater. „Ganz einfach“, antwortete dieser, „weil irgendwo im Haus ein Pony sein muss!“

Quelle: unbekannter Verfasser

So ist das im Leben:
Wenn sich eine Tür schließt,
öffnet sich eine Andere.

Die Tragik liegt darin,
dass wir nach der geschlossenen Tür blicken,
nicht nach der Offenen.

André Gide

 

Angriff auf die Werte – ein Coachingpraxisbericht – 14 [Ende]

Vorgesetzter: „Aber, warum fühlen Sie sich denn auch so mies?“

Frau Helfi erzählt, wie manche Situation auf sie gewirkt hat, wie sie versucht hat, mit Unklarheit und Ablehnung umzugehen. Der Vorgesetzte zeigt seine Bestürzung – das sei nicht seine Absicht
gewesen, er sei ihr gegenüber wohlgesinnt, habe aber sicher einen Lebensstil, der nicht so viel auf Unterstützung durch andere Menschen Wert legt – vielmehr seien ihm insbesondere Autonomie und
Loyalität wichtig. Beides sei ihm in seiner aktuellen Situation von seinen ‚Aufsehern’ nicht entgegengebracht worden und dass Frau Helfi manches als Ablehnung aufgefasst habe, wäre nun, wo er ihr zugehört habe, gut nachvollziehbar.

Dass Frau Helfi ihn so wahrgenommen hat, tue ihm leid – er habe nicht bemerkt, wie hart und dennoch empfindlich er geworden sei. Für ihn sei es gut zu wissen, sie an seiner Seite zu haben, es wäre ihm zudem angenehm, wenn sie ihm auf der fachlichen Seite den Rücken wie bisher frei hielte – „um meine Psyche muss ich mich aber selber kümmern“.
Für Frau Helfi war dieses Gespräch außerordentlich intensiv, lösend und klärend. Und das alles durch einen Strauß bunter Strohblumen …

Frau Helfi reflektiert:

„Ich bin so froh, dass ich im Coaching mit meinen Werten in Berührung gekommen bin. Ich dachte immer, meine Art wäre allgemein gesehen immer gut, aber ich kann heute sehen, dass ich an sich
ein enges Leben geführt habe. Die Idee mit den Stühlen fand ich sehr hilfreich und auch, dass Sie mir keine Ratschläge gegeben haben – davon hatte ich in der letzten Zeit schon genug. Ich bin
froh, dass das mit meinem Chef nun geklärt ist. Ich hätte gedacht, dass wir dazu viel mehr Zeit gebraucht hätten, aber manchmal liegt das Gute doch so nah. Ich schätze, dass es noch andere Menschen gibt, denen das Zusammensein mit mir zu dicht ist und es mir nur nicht so offensichtlich wurde wie bei meinem Vorgesetzten.
Was mir ganz klar ist: Ohne die Arbeit an den Werten hätte ich gar nicht den Sinn erkannt, warum ich ein Verhalten von mir korrigieren soll. Ich war immer der Ansicht, ein Verhalten zu ändern, wäre ein
Vorgang, um sich anderen anzupassen. Nun weiß ich, ein Verhalten ändere ich, damit es mir besser geht und damit auch anderen. Für diese Erkenntnis sage ich gerne Danke.

Angriff auf die Werte – ein Coachingpraxisbericht – 13

Frau Helfi erzählt, sie sei ja unter anderem auch verantwortlich für den Kauf frischer Blumen für die Vorstandsbüros. Am vergangenen Montag sei der Florist wie üblich erschienen und hätte jedoch nicht die Blumen liefern können, die ihr Vorgesetzter mag und die sie immer für ihn bestellt. In dieser Situation habe sie den Floristen gefragt, ob er wohl auch schöne Trockensträuße hätte. Nach einiger Zeit hatte der Florist aus seinem Geschäft eines dieser Strohblumengebinde  geliefert, und Frau Helfi machte sich daran, diesen Strauß im Büro ihres Vorgesetzten zu ‚drapieren’. „Sie wissen ja, bei solchen Blumen bröselt es schon beim Hinsehen. Für mich war das schon eine Überwindung.“

Und sie berichtet weiter: „Kurze Zeit später traf mein Chef dann auch ein, ging wie nun zumeist üblich mit einem gemurmelten Gruß an mir vorbei in sein Büro, warf die Türe so zu, dass sie mit einem knappen Spalt geöffnet blieb und ich hören konnte, wie er sich zuerst hinsetzte, die Gasfeder seines Bürostuhls die bekannten Zischlaute von sich gab, um nach kurzer Zeit mit dem gleichen Zischen des Stuhls wieder aufzustehen, zur Türe zu kommen, seinen Kopf zu mir herauszustrecken und mich zu fragen: ‚Sagen Sie, haben wir beide etwas zu besprechen?‘“

Frau Helfi weiter: „Mir fiel in diesem Moment fast mein Herz in die Hose, und trotzdem sagte ich, dass das wohl gut sein könne. Und er meinte: ‚Dann kommen Sie bitte herein.‘“

„Zum ersten Mal ließ mich mein Chef vorangehen und bot mir den Stuhl an, der seinem Schreibtisch
gegenüberstand. Kaum saß ich, überraschte er mich völlig mit dem Satz: ‚Sagen Sie, Frau Helfi , woher wissen Sie so gut, wie ich mich fühle?‘ Bei diesem Satz deutete er auf die Trockenblumen. Ich war total erstaunt, konnte dann aber erwidern: ‚Wieso Sie? So wie den Blumen, so geht es doch mir!‘ Darauf meinte der Vorgesetzte: ‚Dann scheinen wir ja jetzt über eine Gemeinsamkeit zu sprechen.‘“

Was dann folgte, war für Frau Helfi wie eine Offenbarung. Ihr Chef berichtete, er habe vor einigen Wochen eine Diagnose von seinem Arzt erhalten, die für ihn eine extreme körperliche wie seelische
Belastung bedeute. Zudem habe er seinen Pflichten gemäß den Aufsichtsrat über die eingetretene Situation informiert, wonach dieser ihn kurzerhand weitgehend seiner operativen Geschäfte
enthoben habe. Vorgesetzter: „Mir wurde es als ‚zu meinem Wohl‘ erklärt, dabei hatte ich schon erwartet, dass ich die Form meines Rückzugs selbst hätte gestalten können.“ Frau Helfi hörte erstmals, wie schwer die Lebenslage ihres Vorgesetzten war und konnte sich nun die Verhaltensmuster der Vergangenheit gut erklären.