Archiv für den Monat: Juli 2014

Das Kohärenzgefühl

„… die Art, wie man seine Welt sieht … die eigene Realitätskonstruktion … ist ein entscheidender Faktor für Coping [Bewältigungsweisen insbesondere bei Krisen] und Gesundheit.“ [Antonovsky]

Aaron Antonovsky: Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit. 1997
Bild Antonovsky

Das Kohärenzgefühl

„… ist eine globale Orientierung, die ausdrückt, in welchem Ausmaß man ein durchdringendes, dynamisches Gefühl des Vertrauens hat,

_ dass die Stimuli, die sich im Verlauf des Lebens aus der inneren und äußeren Umgebung ergeben, strukturiert, vorhersehbar und erklärbar sind;

_ dass einem die Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Anforderungen, die diese Stimuli stellen, zu begegnen;

_ dass diese Anforderungen Herausforderungen sind, die Anstrengung und Engagement lohnen.“

Das Gefühl von Sinnhaftigkeit beschreibt das Ausmaß, in dem man das Leben als emotional sinnvoll empfindet: Dass wenigstens einige der vom Leben gestellten Probleme und Anforderungen es wert sind, dass man Energie in sie investiert, dass man sich für sie einsetzt und sich ihnen verpflichtet; dass sie eher willkommene Herausforderungen sind als Lasten, die man gerne los wäre.

Antonovsky sieht diese motivationale Komponente als den wichtigsten Aspekt des Kohärenzgefühls
an, denn ohne das Erleben von Sinnhaftigkeit neigt der Mensch dazu, das Leben vor allem als Last zu empfinden und jede weitere sich stellende Aufgabe als Qual.

„Diejenigen, die nach unserer Einteilung ein starkes Kohärenzgefühl hatten, sprachen immer von Lebensbereichen, die ihnen wichtig waren, die ihnen sehr am Herzen lagen, die in ihren Augen ‚Sinn machten‘ – und zwar in der emotionalen, nicht nur der kognitiven Bedeutung des Terminus … kurz
nachdem ich mein Buch geschrieben hatte, wurde ich auf Frankls Werk aufmerksam, und es beeinflusste zweifellos die Wahl der Bezeichnung dieser Komponente.“

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Das Konzept von Antonovsky, das er ‚Salutogenese‘ nannte, wurde weit zuvor durch Aussagen Frankls in der Darstellung seiner Sinntheorie bereits deutlich gemacht:

„…was der Mensch wirklich will, ist letzten Endes nicht das Glücklichsein ‚an sich‘, sondern ein Grund zum Glücklichsein. Sobald nämlich ein Grund zum Glücklichsein gegeben ist, stellt sich das Glück von selber ein.“

 

 

Bewusstheit und Memetik – ein Praxistransfer aus dem sinnzentrierten Coaching

Karin H: „Meine Situation ist eskaliert, als es in unserem Unternehmen jüngst vier Betriebsversammlungen gab, die sich im Nachhinein als kaskadisch inszenierte Veranstaltungen entpuppten. Eine erste Gruppe von Mitarbeitern wurde über anstehende Veränderungen informiert und für ihre bisherigen Leistungen anerkannt und mit pompösem Tamtam motiviert. In der zweiten Gruppe wurden die Mitarbeiter mit der Botschaft konfrontiert, von ihnen würde wohl künftig noch mehr Leistung erwartet werden, in der dritten Gruppe wurden die anstehenden Veränderungen mit einem Unterton geschildert, der nahelegte, sich als Mitarbeiter den Verbleib in unserem Unternehmen genau zu überlegen. Die vierte und letzte Gruppe wurde schließlich darüber in Kenntnis gesetzt, dass man aufgrund der Situation zeitnah Gespräche zum Ausscheiden aus dem Unternehmen zu führen gedenke.

Da jeder Mitarbeiter durch die Einladungen wusste, wer in welcher Versammlung war, und es erst durch dieses Vorgehen für Mitarbeiter offenkundig wurde, welche Vorgesetzten – und manchmal auch der eigene – auf die Abschussliste gesetzt wurden und umgekehrt, war nach dieser Vorstandsaktion natürlich Katastrophenstimmung angesagt. Meine persönliche Verzweiflung ist nun, dass ich dieses Vorgehen als zutiefst respektlos und ungehörig empfinde, zumal ich und einige meiner Mitarbeiter in die dritte Gruppe sortiert wurden.

Ich bin seit 22 Jahren im Unternehmen beschäftigt, führe seit vier Jahren gut 20 Mitarbeiter, habe in den vergangenen Jahren stets die vereinbarten Ziele erfüllt oder übererfüllt und kann auf eine statt-liche Reihe erfolgreicher Projekte zurückblicken. Mein Verhältnis zu meinem unmittelbaren Vorgesetzten ist gut, jedoch hat sich die – zum Teil mit ehemaligen Offizieren der Bundeswehr – neu besetzte Vorstandsebene aus meiner Sicht von Anbeginn ihrer Zusammenarbeit nur das Ziel gesetzt, einen harten Cut zu machen und Personal freizusetzen. …
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Bewusstheit und Memetik – 2

Mit seinem Modell der Meme beschreibt Clare Graves menschliche Denkweisen, deren Unter-schiedlichkeit sich trotz individuell-biografischer Lebensumstände und -geschichten nicht zufällig formt. Vielmehr führen für Graves spürbare Veränderungen, zum Beispiel Krisen, sukzessive zu einer Anpassung der Denkweisen und Werthaltungen. In seiner ‚Emergent Cyclic Levels of Existence Theory’ [eclet] stellt Graves die These auf, dass Menschen im Zusammenspiel externer Umfeldbedingungen und internem neuronalen System durch Stimuli und ‚Einsicht’ neue autopoietische bio-psycho-soziale Aktionssysteme entwickeln, um mit ihnen eine entstandene Krise zu verstehen und zu ihrer Bewältigung erforderliche Entwicklungsschritte einleiten zu können. Die Aktionssysteme ihrerseits stehen unmittelbar in Bezug zur individuellen und kulturellen Entwicklung des einzelnen Menschen.

Graves Modell der Ebenen der menschlichen Existenz griffen Don Beck und Christopher Cowan [Autoren des Buches: Spiral Dynamics] auf und koppelten es mit dem Konzept der Meme des britischen Biologen Richard Dawkins, das seinerseits durch den Psychologen Mihaly Csikszentmihalyi erweitert wurde. Für ihn wird ein Mem dann geboren, „wenn das menschliche Nervensystem auf eine Erfahrung reagiert”.

Ein ‚Dawkinsches’ Mem hat zum Zweck, mittels Kommunikation ein ‚Backrezept’ zur Reproduktion eines Gedankens von einer Generation an die nächste weiterzureichen. So wie sich aber Rezepturen über die Zeit verändern, so passen Menschen zum Beispiel ihre Verhaltensmuster oder Überzeugungen an die Gegebenheiten der Gegenwart an und entwickeln so – analog der Entwicklung der Gene und der mit ihnen verbundenen biochemischen DNA – ihr Meme-System, ihre psychologische DNA.

Nach Beck und Cowan verfügen Meme über fünf zentrale Eigenschaften:
1. Sie bringen die Bewusstheit zum Ausdruck, mit der menschliches Verhalten bestimmt wird.
2. Sie beeinflussen alle Lebensentscheidungen.
3. Sie können situativ verbessernd oder verschlechternd wirken, mithin passend oder unpassend
für spezifische Kontexte sein.
4. Sie beschreiben menschliche Denkweisen.
5. Sie können sich unter veränderten Lebensbedingungen verstärken oder abschwächen.

Das individuelle Meme-Set kann verstanden werden als ein sich im Leben dynamisch entfaltendes Bündel an Denkformen, mit dem ein Mensch in einer aktuellen Situation ‚so oder so’ über den ihm vorliegenden Kontext denken kann und hierauf sein bewusstes Verhalten begründet.

Rücke ich das Gedankengut von Graves, das im Modell der ‚Spiral Dynamics’ von Beck und Cowan heute breites Interesse findet, stärker in den Krisenbezug, dann stelle ich in unserer Therapie- und Coaching-Praxis bislang drei wesentliche Zugangswege zum ‚Bewusstheits-Diskurs’ mit Klienten fest:

1. Der Klient hat die Einsicht, dass er in Nutzung eines bestimmten Mems bislang versucht hat, seiner Krise Herr zu werden, und erkennt, dass ein anderes, ihm auch präsentes Mem womöglich angemessenere Denkweisen im Umgang mit der Situation ermöglichen würde.

2. Wie 1., das Mem, das dem Klienten dienlich wäre, steht ihm jedoch noch nicht zur Verfügung und ruft dazu auf, in einem Lernprozess entwickelt zu werden.

3. Der Klient ist ambivalent in der Nutzung ihm vergleichbar gut verfügbarer Meme und entwickelt so durch eine mentale Blockade im Krisenbewältigungsprozess eine Selbstunsicherheit. Überdies ist
zu beachten, dass die Koexistenz mehrerer ausgeprägter Meme im Krisenkontext nicht gleichgesetzt werden kann mit einem ‚besseren’ Weg der Bewältigung. Vielmehr gilt es, für die Lösung der Krise das ‚passendste’ Meme-Set, die angemessene Bewusstheit, zu entwickeln.

Bewusstheit und Memetik – 1

Als das Buch ‚Spiral Dynamics’ – mit dem ihm zugrunde liegenden Konzept der evolutionären Werteentwicklung von Clare W. Graves – erschien, konnte wohl noch niemand absehen, wie schnell dieses Modell Einzug halten würde in Management- und Politikberatung, in Therapie und Coaching.

Bild SpiralDyn Bild SpiralGraves

‚Spiral Dynamics‘ bietet einen Einblick in die Entwicklung zunehmender Komplexität, die mit ihr verbundenen Probleme und in die menschlichen Bewältigungsdenkweisen.

Eine zentrale Annahme des Modells besteht darin, dass Wertesysteme durch die Psyche gebildet werden, um Anforderungen der Umwelt angemessen gerecht zu werden, ergo bei sich ändernden Bedingungen das Wertesystem ebenfalls einen Entwicklungsprozess durchläuft.

Ein Wertesystem gilt dann als angemessen, wenn es ein stimmiges Verhalten bei Problemen bewirkt. Komplexere Denkweisen werden weniger komplexen übergeordnet, wobei die weniger komplexen nicht verschwinden, sondern in die komplexeren integriert werden und damit weiterhin zur Verfügung stehen, sollte eine Situation die weniger komplexen benötigen.

Der Einsatz komplexerer Denkweisen für weniger komplexe Problemstellungen erweist sich bei dieser Betrachtung als Vergeudung, der Einsatz weniger komplexer Denkweisen in komplexen Problemen als Naivität oder Unreife.

Jedes Wertesystem wird durch angemessene und potenziell unangemessene Denk- und Verhaltensweisen repräsentiert, wobei sich die unangemessenen vor allem dadurch ‚auszeichnen’, dass sie die Denkstrukturen von Menschen mit anderen Wertesystemen abwerten.

Das ‚Graves Value System’ – im Krisenkontext betrachtet – führt zu einem Bild von einem Menschen mit einer biografisch individuell begründeten Denkweise, der mit dem Krisenereignis auf ein ‚Thema’ [theme] trifft, bei der das von ihm eingesetzte Verarbeitungs-‚Schema’ [scheme] jedoch unpassend zur Lösung dieser Situation ist. Hätte der Mensch eine andere Bewusstheit, ein anderes Meme-Bündel verfügbar [theme + scheme = meme], so geriet er nicht in eine Krise, sondern hätte ‚nur’ ein mehr oder minder kompliziertes Problem.

 

Wenn es an Wissen über die eigene Bewusstheit mangelt

Wenn ein Mensch sich äußert wie: ‚Ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas geschehen kann’; ‚Ich habe mir nie vorstellen können, dass …’; ‚Das alles kommt mir so fremd vor’ …, so können wir in diesen Aussagen eine innerpsychische Ursache dafür entdecken, dass ein fraglos den ganzen Menschen forderndes Ereignis in der Lage war, sich derart zu einem Krisenfall zu entwickeln, aus dem der Klient nun meint, nicht mehr entrinnen zu können.

Eine Ursache, die wir als Missverhältnis bezeichnen zwischen den von der betroffenen Person  lebensgeschichtlich entwickelten Schemata im Denken und Fühlen und dem Kernthema der Krise [Trennung, Verlust, Veränderung, Konflikt, Verfehlung, …], für die sich die Schemata als kontraproduktiv oder zumindest nicht passend für einen Lösungsweg herausstellen. Kurz, einem Missverhältnis in Form einer für die Situation unzureichend entwickelten Bewusstheit.

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Ist die Krise in der Krise?

Die verschiedenen Perspektiven der Krisentheoretiker eint, dass sie den Menschen potenziell stets von Lebenserschütterungen konfrontiert sehen, denen er mit seinen bislang erlernten Bewältigungsstrategien eher erfolglos begegnet. Die ‚Wege zur Krise’ sind dabei von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Je nachdem, ob und wie stark die Person ein ‚Gap’ zwischen der subjektiven Bedeutung des Problems und den persönlichen Bewältigungsressourcen ausmacht, reicht die Interpretation der Situation von
– ‚Ach, das wird schon’, über
– ‚‚Ich sehe die Lage als Möglichkeit zur Reifung meiner Persönlichkeit an’ bis hin zu
– ‚Wenn ich das nicht in den Griff bekomme, dann scheitere ich’ oder
– ‚Das macht mich fertig’.

Diese Bandbreite wirft Fragen auf wie:

  • Wann beginnt eine Situation zu einer Krise zu werden?
  • Ist jedwede formulierte Lebensschwierigkeit bereits ein potenzielles Thema für eine Intervention durch Dritte?
  • Wie vermag ein Mensch seine erforderlichen Ressourcen zu erkennen, um aus dieser Kenntnis wohlüberlegt eine Unterstützung in Anspruch zu nehmen?
  • Führen voreilige Schlüsse, einer erschütternden Situation nicht gewachsen zu sein, à la longue nicht zu einer ‚Psychiatrisierung’ von Vorgängen, die Menschen zwar gerne vermeiden oder zumindest nicht erneut erleben wollen, deren inhärente Aufgabenstellung jedoch zu den tiefsten Aspekten des Menschseins zählt?
  • Welches Menschenbild ist angemessen, um einen Menschen in einer von ihm als Krise interpretierten Situation weder zu über- noch zu unterfordern?
  • Wie geht man damit um, wenn ein Mensch eine Unterstützung sucht, die den vorhandenen Potenzialen und der eigenen Verantwortlichkeit des Klienten zuwiderläuft?

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Bewusstheit – die Basiszutat für Krisenprävention

Die gesamte Klaviatur des Denkens und Handelns auch auf Situationen hin anzuwenden, deren Eintreffen sich zwar kein Mensch wünscht, die sich jedoch nicht vollends auszuschließen lassen, zeigt die Fähigkeit zur Krisenprävention an.

Das Graves-Value-System ist ein zur Entwicklung von Krisenpräventionskompetenz hilfreiches Modell. Es erklärt die derzeitige Bewusstheit eines Menschen und hilft damit zu beschreiben, in welcher Bewusstheit ein Mensch eine Krise wahrnehmen würde und sie zu überwinden versuchte, würde sie aktuell eintreten. Die Crux bei diesem Gedanken ist nur: Würde diese Bewusstheit passend zur Bewältigung der Situation sein, dann hätte die Person gar keine Krise, sondern ‚lediglich‘ ein Problem. Mit anderen Worten, in einer Krise ist ein Bewusstheitszustand erforderlich, der vom Betroffenen üblicherweise nicht eingenommen wird. Um so wichtiger ist es, andere Bewusstheitszustände im Rahmen der individuellen Krisenprävention kennenzulernen.

Doch zuerst zum Modell. Professor Clare W. Graves fuhr ein klappriges Auto, das so alt war, dass er, amerikanischer Entwicklungspsychologe, von vielen in seinem Umfeld als schrullig und old fashioned angesehen wurde. Aber es dürfte sicher anders sein, denn: Graves begann vor fast 50 Jahren damit, die Entstehung menschlicher ‚Existenzebenen’ zu erforschen. Sein Zugang dazu war die Frage, was einen psychisch gesunden Menschen ‚ausmacht’. Welch ein Forschungsanspruch!

Er erkannte, dass Menschen sich nicht nur – wie von Maslow angenommen – über die Befriedigung von Bedürfnissen definieren, sondern dass jeder Stufe existenzieller Entwicklung ein in sich geschlossenes Wertesystem zugrunde liegt.

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Die Beeinflussung des Gehirngeistes

Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain begann seine berufliche Laufbahn als Redakteur einer kleinen Provinzzeitung.

Eines Morgens sagte er zu seiner Wirtin: „Wir werden in diesem Jahr eine schlechte Ernte
haben.“

Sie widersprach: „Ich wohne seit Jahren in der Gegend und kenne mich aus. Ich sage Ihnen:
Die Ernte wird gut.“

Twain ging die Redaktion und schrieb einen Artikel, in dem er die Prognose stellte, es werde
eine schlechte Ernte geben.

Am nächsten Tag wollte Twain wieder in die Redaktion gehen. Seine Wirtin hielt ihn auf: „Sie
hatten Recht, Mister Twain. Es wird eine schlechte Ernte geben. Heute steht es in der Zeitung.“

Sinn-Wegweiser

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will,
sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will. [Rousseau]

Nicht jeder kann tun, was er will. Es gibt Grenzen. Geschriebene, ungeschriebene, vom Gewissen gesetzte. Jeder Mensch lebt in solchen Bedingungen. Und jeder Mensch schafft Bedingungen.

Für Sie sind diese von mir verfassten Texte gerade eine ‚Bedingung‘. Und dadurch, dass Sie gerade
lesen, schaffen Sie sich und Ihrem Umfeld Ihrerseits ‚Bedingungen‘.
Selten reflektiert und dennoch Fakt: Wir leben in Bedingungen und sind doch immer frei, uns zu ihnen zu stellen. Das ist einer der Leitsätze von Viktor Frankl..

Der Mensch muss nicht tun, was er nicht will. Sie müssen diese Texte nicht lesen, wenn Sie nicht wollen. Ist das nicht herrlich frei? Sie können wählen zu lesen, sie können wählen nicht zu lesen, Sie
können wählen anderes zu lesen – nur Sie können eines nicht, nämlich Beides.
Sie können nur einem der Wegweiser folgen. Oder Sie können stehen bleiben. Versuchen Sie beides, werden Sie scheitern. So erklärt sich der Satz von Frankl: Der Mensch hat seinem Leben zu antworten. Zu jeder Zeit. Der Mensch hat zu verantworten. Es ist nur ihm zueigen, dass er verantworten kann. Auch das macht ihn erst zu einem Wesen, das Sinnvolles von Sinnlosem unterscheiden kann.

Der Sinn, der sich in Handlungen formt, begründet den individuellen Ethos. Der Sinn ist unser
wesentlicher Wegweiser. Wozu ist es gut, dass ein Mensch einem Wegweiser folgt, und wann ist es für ihn gut, innezuhalten? Wie muss ein Wegweiser gestaltet sein, so dass ein Mitarbeitender in einem Unternehmen ihm folgt? Was muss ein Wegweiser tun, um zu scheitern? Auf welchen
– wie es der Philosoph Peter Strasser nennt – ethischen Horizont weist der Weg? Was brauchen Führungskräfte, um Wegweiser zu sein?

  • Wegweiser müssen erkennen, welche anderen Wegweiser ihnen ihren eigenen Weg gewiesen haben. Und sie sollten sich bewusst sein, dass dies Bedingungen waren, zu denen sie sich jetzt und immer wieder „so oder so“ stellen können.
  • Wegweiser müssen erkennen, dass sie auf ein Ziel weisen. Und sie sollten sicher sein, dass sie selbst um das Ziel wissen.
  • Wegweiser müssen erkennen, dass sie zu Veränderungen führen. Sie stellen für andere Menschen Bedingungen dar. Um ihnen entsprechend zu handeln, müssen die Veränderungen
    sinnvoll sein.
  • Wegweiser müssen erkennen, dass es einen guten Grund braucht, dass ihnen gefolgt wird. Dazu dient zuerst die Klarheit darüber, den guten Grund zu wissen, warum man selbst
    Wegweiser wurde.
  • Wegweiser können nicht nicht Wege weisen. Sie verlieren nie diese Verantwortung. Wegweiser
    sollten daher genau beachten, welche Folgen es hat, wenn man ihnen folgt. Ein Wegweiser muss gerade stehen, und er muss für sich „gerade stehen“.

Blaise Pascal meinte einst, „wenn der geworfene Stein Bewusstsein hätte, so würde er sagen, ich fliege, weil ich will.“ Folgt dieser Stein jedoch einem solchen Wegweiser, so wird er sagen, „ich fliege, weil ich genau so will.“