Archiv für den Monat: August 2014

Wofür? oder Warum? – die Sinnfrage

Menschen in Krisen stellen die Frage nach dem Sinn meist mit einem vorangehenden ‚Warum‘. Warum gerade ich, warum passiert das jetzt, warum wird mir dies oder jenes nicht ermöglicht …
Warumfragen stellen Verständnisfragen dar, sie stellt der ‚Gehirngeist‘, um Klärung in Sachverhalte und Vergleichsmöglichkeiten zu erhalten. Warum fragt nach Ur-Sachen. Mit ‚warum‘ fragen wir, wenn wir etwas tiefgründig erfassen wollen. ‚Warum‘ im Kontext eines Menschen, also zum Beispiel ‚warum hast Du Dich entschieden, diese Maschine und nicht die andere zu kaufen‘, fällt wieder auf den Menschen zurück, wenn er zum Beispiel antwortet: „Ich habe die Preise und Leistungen von A und B verglichen und nach diesen Hauptkriterien entschieden.“
Würde er antworten. „Weil diese Maschine für die Anforderungen der Mitarbeiter in der Abteilung X die bessere Alternative ist“, dann hätte er im strengen Sinne nicht auf ein ‚Warum‘ geantwortet, sondern auf ein ‚Wofür‘.

Die meisten Menschen nehmen eine solche Feindifferenzierung ihres Vokabulars nicht vor – und erschweren sich damit zuweilen lebenspraktisch den Zugang zum Sinn. Will sagen: Es gibt eine Art ‚Sinnsprache‘, die es Menschen erleichtert, abzukommen von formalen Gedanken oder Ursache-Wirkung-Zusammenhängen oder Blicken in die Vergangenheit. Das Wort ‚wofür‘ entspricht dabei eher einem Begriff der Sinnsprache, es öffnet neue Räume, es lockert die Verkrustungen, die Warum-Fragen bislang erzeugt haben können. Und – natürlich – werden Sie erleben können, dass Menschen ‚wofür‘ sagen, obwohl sie an sich ‚warum‘ meinen. Ein Satz wie: ‚wofür hast Du mich zur Welt gebracht‘, kann eine Antwort bewirken, die den Fragesteller auf die Welt des Antwortenden reduziert und damit die vielleicht erhoffte, erfreuende Wirkung verfehlt.

Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“.
Wittgenstein

In der Tat: Sinnfindungsprozesse gehen in der Arbeit in unserer Praxis meist einher mit Wortfindungsprozessen und wir achten sehr auf den Umgang mit diesen Fragen und Antworten:
‚Warum sind Sie hier?“ „Weil ich mehr über mich selbst erfahren möchte.“
‚Wofür sind Sie hier?“ „Um zu erkennen, was ich in meiner jetzigen Lebensphase beitragen kann.“

 

Gesellschaft und Narzissmus

Narzisstische Züge hat jeder Mensch. Müssen wir uns nicht selbst lieben, um ein starkes Selbstwertgefühl zu entwickeln? Narzissmus begegnet uns in den Medien, in der Politik oder in Beziehungen. Und gerade in unserer westlichen Kultur, so scheint es, lässt sich die Lust an der Selbstbespiegelung besonders gut ausleben. Aber wo sind die Grenzen? Wann kippt die Eigenliebe und wird zu einer pathologischen Lebensform? Dieser Beitrag hellt das Phänomen auf.

Narzissten und ihre Krisen

Menschen mit narzisstischen Anlagen streben – bei entsprechender Qualifizierung – schneller nach Führungsverantwortung, und sie erhalten sie auch. Eine psychologische Erklärung findet sich darin, dass Narzissten oftmals Demütigungserlebnisse als Kind oder Jugendliche zu verarbeiten hatten. Hieraus entwickelten sie das  ‚Überlebensmuster‘ ‚Macht wollen‘. Hat er Macht, kann ihn niemand mehr ‚aufs Knie legen‘, ‚ihn vor anderen bloßstellen‘, ‚ihn für dumm halten‘ usw. So gesehen haben Narzissten eine anstrengende Zeit erlebt und gemeistert. Wer will ihnen verübeln, dass sie nach Ausgleich trachten?

Ein gesundes Maß an Narzissmus ist für eine Führungsrolle wohl ebenso in Ordnung wie ein gesundes Maß an Angst für einen Fahrlehrer. Repräsentative Aufgaben in der Führung verlangen nach einem starken Stück Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein. Schwierig wird es nur – vor allem für sein Umfeld – wenn der Narzisst  in Grandiosität oder Selbstherrlichkeit verfällt. Dann verfällt er in einen Modus, der andere Menschen davon abhält, es mit ihm aufnehmen zu wollen oder ihm wichtige, wenn auch unangenehme Informationen vorenthält, meist aus Angst, von ihm abgebügelt zu werden. Narzissten dieser Couleur zeigen sich lebensgierig, arrogant und streben nach Aufmerksamkeit. Die Krise naht, wenn eine Krankheit sie ausknockt oder sich zum Beispiel Freunde von ihm abwenden, Neue zu finden ist ohnehin schwierig für sie und wenn sie eines Tages merken, dass ihre Selbstverliebtheit sie hat einsam werden lassen. In zunehmenden Lebensalter und der langsam wachsenden Erkenntnis, dass manches ohne stabiles Sozialsystem nur schwerlich zu gestalten ist, fällt ihr ihr einstiges Verhalten vor die Füße.

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Burnout

Unter dem Burnout-Syndrom verstehen wir einen psychophysischen Erschöpfungszustand mit dem Gefühl verminderter Leistungsfähigkeit und dem Erleben der Entfremdung vom eigenen Selbst. Der Patient äußert das Empfinden, völlig ausgelaugt und schon vor der Arbeit müde zu sein. Zudem zeigt die Person Entfremdungs- und Depersonalisationsgefühle und nicht selten eine zynische Distanziertheit.

Die Phänomene zeigen sich schleichend. Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Ungeduld, Kopfschmerzen, Frustration, Hilf- oder Machtlosigkeit, Rückzug, Suchtstoffe, Verzweiflung, Desillusionierung, Widerwille gegen sich und andere, Apathie, fatalistische Haltung zur eigenen Leistung.

Ursache von Burnout ist oft das Gefühl der Ohnmacht, mit den eigenen Möglichkeiten die eigenen Ansprüchen und die Erwartungen aus dem Umfeld trotz aller Anstrengung nicht mehr erfüllen zu können. Naheliegend sind die Menschen, deren Machbarkeits- oder Allmachtsvorstellung stark entwickelt sind und die in Arbeitsbereichen tätig sind, in denen ihnen wertschätzende Feedbacks, Erfolgserlebnisse und eine gewisse Handlungskontinuität vorenthalten bleiben, besonders kränkbar, wenn sie die Grenzen ihrer Selbststeuerungsfähigkeit erleben.

Hier gehts zum Videobeitrag.

 

Freier Wille und Sinntheorie

Betrachtet man die derzeit auch in der Öffentlichkeit immer populärer dargestellten Strömungen der Hirnforschung, die – in ihrer vielleicht kontroversesten Weise durch Wolf Singer, Direktor am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt a.M. repräsentiert – annehmen, dass jedes menschlich-mentale Phänomen in Form von Wahrnehmungen und Entscheidungen, Gefühlen und Motivationen, aber letztlich auch das gesamte Bewusstsein durch neuronale Prozesse im Gehirn entstehen und daher nur deren Wirkung und nicht etwa deren Ursache sein können, dann folgt hieraus die generelle Ablehnung menschlicher Willens­freiheit.

Singer argumentiert weiter, dass Entscheidungen nur Folge neuronaler Prozesse sein können, die für ihr Zustandekommen den Gesetzmäßigkeiten unterworfen sind, die für neuronale Prozesse gelten – also die Naturgesetze, die beschreiben, wie die Strukturbildung zwischen Neuronen, Axone und Synapsen verläuft. Eine Entscheidung hat somit eine mehr oder minder lange ‚neuronale’ Vorge­schichte. Zudem werden die Inhalte einer Entscheidung, die in unserem Bewusstsein aufscheinen, durch neuronale Prozesse vorbereitet, über die ein Individuum bis zu deren Bewusstwerden keine will­kürlich gesteuerte Kontrolle ausüben kann. Aus diesem Grund muss davon ausgegangen werden, dass individuelles Wollen durch Prozesse bestimmt wird, die sich einer Willkür entziehen.

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Krisenprävention – was ist das?

Krisenprävention heißt, in einem Prozess der Selbstaufklärung nicht vollends auszuschließende Risiken wahrzunehmen, ihre emotionalen und kognitiven Wirkungen zu hinterfragen und konkrete Handlungsweisen vorzubereiten. In einer krisenbefreiten persönlichen Lage ist dies fraglos besser möglich als unter dem Druck einer bereits eingetretenen Krise. Die Zutaten einer Krisenprävention sind:

  • Bereitschaft zum Heranlassen unangenehmer Lebenssituationen
  • Reflexion emotionaler und mentaler Erstreaktionen
  • Abgleich der Erkenntnisse mit individuellen Persönlichkeitsmerkmalen
  • Einbettung dieser Informationen in einen entwicklungspsychologischen Zusammenhang
  • Integration aller Ergebnisse in die vor der Person liegende Lebensphase
  • Erarbeiten von Handlungs-Blaupausen im Sinne eines Erkenntnistransfers für die Zukunft
  • Einsatz: Zeit und Selbstüberwindung
  • Nutzen: Lebensgelassenheit

    Sie wünschen Unterstützung?
    Vorauss. ab 2017. Life2Me®

„Es ist kompletter Unsinn anzunehmen, man könne eine Krise heraufbeschwören, indem man sich mit ihrem möglichen Eintreten befasst. Die Realität zeigt, der in Berichten über individuelle Krisen so oft geschilderte ‚Fall ins Bodenlose‘ ist mit konzeptionell und strukturell klarer Krisenprävention vermeidbar. Krisenprävention braucht kein negatives Denken über das Leben, vielmehr eine konstruktive Zuwendung zu sich selbst.“
Dr.Ralph Schlieper-Damrich – Krisenpräventionsberater