Archiv für den Monat: September 2014

Durchschnittlich erlebt jeder Mensch …

  • an jedem Tag eine kleine negative Erfahrung oder er erleidet eine sehr kleine Enttäuschung: Essen versalzen, Bier nicht gekühlt, Postbote zu spät, Regen während des Spaziergangs …
  • alle 10 Tage eine kleine Enttäuschung: Sportwettkampf verloren, Flugzeug verpasst, leichte Erkältung, Vorgesetzter fordert Mehrarbeit, …
  • alle 100 Tage ein mittelstarkes negatives Ereignis: Hauseinbruch, Blechschaden, Ehestreit, Prüfung nicht geschafft, Grippe, teures Geschenk zu Bruch gegangen …
  • alle 1.000 Tage eine große Enttäuschung, negative Erfahrung: Tod, Scheidung, schwere Krankheit, Kündigung, Verlust eines großen Auftrags, …

Gewissen – die unkaputtbare Kompassnadel des Lebens

Werte werden oft auch als Kompass des täglichen Lebens genannt. Und wenn der Mensch Werte verwirklichen, dann findet er damit den Sinn im jeweiligen Moment. Nun besteht das Wertesystem eines Menschen in der Regel aus einem Bündel von Werten, viele davon sind dem Menschen wichtig, eine Auswahl auch wesentlich. Wie auch immer, die Frage stellt sich an sich zu jedem Zeitpunkt: Was ist es, was dem Menschen rät, das gerade jetzt Sinnvollste zu tun?

Frankl nannte das Gewissen das Sinn-Organ, und in unserem Bild können wir es als die Nadel im Kompass verstehen, die den Menschen bestenfalls genau auf das ausrichtet, was jetzt die Antwort ist, die ein Mensch auf eine Frage seines Lebens geben sollte. Fühlt sich die Nadel von zu vielen Werten angezogen, weil der Mensch sein Wertesystem nicht kennt, dann kann das Gewissen ihm auch die falsche Richtung weisen. Gewissensbildung ist damit nicht ohne das Wissen um den eigenen ‚Selbstwert‘ zu haben. Ist der Mensch jedoch im Einklang mit sich, handelt er wertebezogen und kann auch in lebensbrisanten Situationen gewissenhafte Entscheidungen fällen.

Weiterlesen

Vom Leid zum Glück

Eine Schulklasse von Elf- bis Zwölfjährigen stürmt in die Pause. „Was spielen wir jetzt?“, fragen die einen. „Stille Post!“, antworten die anderen. Anja beginnt. Neben ihr sitzt Paul, ein dunkelhäutiger Bub mit Migrationshintergrund. Anja sieht ihn lange an, dreht sich kichernd zu ihrer Nachbarin und flüstert ihr die Worte „Paul wäscht sich nie“ ins Ohr. Dieser Satz wandert von einem zum anderen. Die Jugendlichen lachen hinter vorgehaltener Hand und sehen dabei verstohlen zu Paul, der sich dabei sichtlich unwohl fühlt. Sam, der letzte in der Reihe, soll nun den bei ihm gelandeten Satz aussprechen. Er blickt ruhig in die Runde und sagt mit fester Stimme: „Anja steht auf Paul.“ Alle lachen, fröhlich und befreit, auch Anja – und am meisten strahlt Paul. Sam hat eine Leidkette durchbrochen und in Glück und Freude verwandelt. Das kann nur der Mensch.

[KFW, Frankfurt, Credofilm 2006]

Sinn und Mentoring

„Sinnorientiert handelnde Mentoren unterstützen dabei, Menschen fähig zu machen, Sinnfragen des Lebens zu beantworten. Sie ermutigen zur Selbsttätigkeit, damit ihre Gesprächspartner ihre stets gegebene Freiheit und Verantwortlichkeit erkennen und ihrerseits beginnen, mit Hingabe sich für jemanden oder für etwas einzusetzen, das ihres Einsatzes bedarf – und dies trotz womöglich gegebener eigener Erschwernisse, Hindernisse und Krisen. Wenn es Mentoren gelingt, ihre Gesprächspartner in diesem Sinne zu helfen, erfahren beide auf ihre je persönliche Weise, dass Sinn die Kraftquelle ist, nach der jeder Mensch sucht und die einzig in der Lage ist, die Belastungen des Einzelnen zu überwinden und damit die Spannung eines erfreuenden, gelingenden Lebens zu erhalten.“

„Als Gott den Menschen erschuf,
war er bereits müde;
das erklärt manches.”

Mark Twain

Das Glück – Impulse von Professor Wilhelm Schmid

Viele Menschen sind plötzlich so verrückt nach Glück, dass zu befürchten ist, sie könnten sich unglücklich machen, nur weil sie glauben, ohne Glück nicht mehr leben zu können. Professor Wilhelm Schmid geht in seinem Vortrag darauf ein, dass die philosophische Lebenskunst einen Menschen davor bewahren kann, das gesamte Leben mit einem einzigen Wohlfühlglück zu verwechseln.

„Die große Herausforderung
des Lebens liegt darin,
die Grenzen in dir
selbst zu überwinden
und so weit zu gehen,
wie du dir niemals
hättest träumen lassen.“

Paul Gauguin

Ab wann ist Angst krankhaft?

Wenn Sie eine oder mehrere Fragen mit ‚ja‘ beantworten, sollten
Sie einen Arzt oder Psychotherapeuten konsultieren:

  • Ich denke mindestens 50 Prozent des Tages über meine Ängste nach.
  • Ich schaffe es nicht mehr, die Angst mit eigener Kraft zu überwinden.
  • Wegen meiner Ängste habe ich mein Leben völlig umgestellt, sodass ich viele Dinge nicht tun kann, die ich gerne machen würde.
  • Meine ständigen Ängste führen dazu, dass ich depressiv oder niedergeschlagen bin.
  • Wegen meiner Ängste habe ich bereits Selbstmordgedanken gehabt.
  • Wegen meiner Ängste trinke ich häufig zu viel Alkohol oder nehme Beruhigungstabletten ein.
  • Wegen meiner Ängste habe ich Probleme in meiner Ehe/Partnerschaft.
  • Wegen meiner Ängste habe ich ernsthafte Schwierigkeiten im Beruf.

Was ist der Ausgleich eines Werteverlustes?

Ein Verlust von Werten, einhergehend mit Angst und Abwehrreaktionen, wird ausgeglichen durch ein starkes ‚Selbstwertgefühl‘. Um dieses zu entwickeln, muss man wissen, welche ‚Werte‘ man ’selbst‘ in seinem Leben entwickelt hat. Das ist Arbeit, aber höchstpersönliche und damit erfreuend.

Es wird deutlich: Der Angriff auf einen Wert einer Person ist kein Angriff gegen das ganze ‚Selbst‘. Jeder Mensch ist immer mehr als die Werte, die er hat. Will sagen: Ein Mensch kann neue Werte entwickeln, wenn die Verwirklichung anderer nicht mehr oder eingeschränkt möglich ist. Mit diesem neuen Set an Werten vermag der Mensch neuen Sinn zu finden. Ein genauer Blick in die Biografie eines Menschen zeigt oft auf, dass der Mensch einen solchen Prozess schön öfter in seinem Leben vollzogen hat, vielleicht unbewusst und nicht in Krisensituationen, aber immerhin.

Das besondere am Selbstwertgefühl ist, dass es sich um ein Gefühl eines sehr tiefen Verständnisses handelt, das jeder Mensch über sich entwickeln kann, wenn er will und – so er dazu Unterstützung benötigt – wenn er dafür sich auch die richtige Begleitung von außen heranzieht.

Es ist schon etwas Besonderes, so wie viele Phänomene, die mit dem Begriff ‚Selbst-‚ beginnen. Selbstachtung, Selbstsicherheit, Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein, Selbsterkenntnis … immer meinen diese Begriffe anderes, als das, was auf der ‚Ich-‚Ebene des Menschen abläuft.

Sich zum Beispiel seiner Fähigkeiten und Stärken, seiner Sorgen und Schwächen selbst bewusst zu werden, setzt voraus, vorbehaltlos in sein Leben zu schauen und zu erarbeiten, was die eigene Person zum Unikat macht. Selbsterkenntnis ist dann der Prozess, mit dem aus diesen Reflexionen Schlüsse gezogen werden. Selbstsicherheit erwächst, wenn diese Schlussfolgerungen sich in der täglichen Lebenspraxis als stimmig erweisen. Wird der Person dann deutlich, dass sie selbst es ist, die in Freiheit und Verantwortung entscheidet und handelt, entsteht mit jedem weiteren selbstsicheren Schritt das Gefühl des Selbstwertes. Ist dieses Gefühl rüttelfest, wird ein Mensch auch auf seine Zukunft hin sich selbst vertrauen. Ein Mensch mit Selbstvertrauen spürt, dass das eigene Leben ihm vertraut. Dass es ihm Aufgaben zumutet – zum Beispiel Krisen – die deshalb nicht zerstören, weil dem Verlust auf der einen Seite ein unzerstörbarer Selbstwert gegenüber steht.