Archiv für den Monat: Juli 2015

Krise oder Nichtkrise – das ist im Wald die Frage

Große Aufruhr im Wald! Es geht das Gerücht um, der Bär habe eine Todesliste. Alle fragen sich, wer denn nun da drauf steht. Als erster nimmt der Hirsch allen Mut zusammen und geht zum Bären und fragt ihn:“Sag mal Bär, steh ich auch auf deiner Liste?“
„Ja,“ sagt der Bär „auch dein Name steht auf der Liste.“

Voller Angst dreht sich der Hirsch um und geht. Und wirklich, nach zwei Tagen wird der Hirsch tot aufgefunden. Die Angst bei den Waldbewohnern steigt immer mehr. Die Gerüchteküche brodelt, wer denn noch auf der Liste steht.

Der Keiler ist der Erste, dem der Geduldsfaden reißt. Er geht zum Bär und fragt ihn, ob er auch auf der Liste steht. „Ja“, antwortet der Bär, „auch du stehst auf der Liste“. Verängstigt verabschiedet sich der Keiler vom Bären. Und auch ihn findet man nach zwei Tagen tot auf.

Nun bricht die Panik bei den Waldbewohnern aus. Nur der Hase traut sich noch, den Bären aufzusuchen. „Bär, steh ich auch auf der Liste?“ Ja, auch du stehst auf der Liste!“ „Kannst du mich da streichen?“ „Ja klar, kein Problem.“

[unbekannt]

Ich tue das Meine, 
du tust das Deine, 
ich lebe nicht auf dieser Welt, 
um deinen Erwartungen zu entsprechen, 
und du bist nicht auf der Welt, 
um die meinen zu erfüllen. 
Du bist du und ich bin ich, 
und wenn wir uns zufällig begegnen, 
so ist das schön, 
Wenn nicht, lässt sich´s nicht ändern. 

Fritz Perls
, Begründer der Gestalttherapie

Das Geistige des Menschen im Vollzug

Wenn wir die genetische Ausstattung des Menschen anschauen und sie mit der der Tiere vergleichen, so müssen wir anerkennen, dass wir sooo weit nicht entfernt sind von Affe, Schwein oder Maus. Schauen wir jedoch auf die noetische [geistige] Ausstattung, dann zeigen sich insbesondere zwei spezifisch humane und zudem unverlierbare Fähigkeiten: Selbstdistanzierung und Selbsttranszendenz. Was meint das?

Im Kern besagen beide Fähigkeiten, dass ein Mensch in der Lage ist, aus einem reinen Zweck’wissen‘ in ein Sinn’gewissen‘ überzugehen. Die Selbstdistanzierung ist für diesen Prozess die notwendige Bedingung. Die Selbsttranszendenz der unbewusste Vollzug.

Ein Beispiel: Ein Student ist in seine Arbeit vertieft, seine nächste Klausur liegt vor ihm und es gibt noch einiges, was zu lernen ist. Er will diese Arbeit mit einer guten Note abschließen, denn sie ermöglicht es ihm, den nächsten Studienabschnitt zu beginnen. Der Student nimmt wahr, was er noch zu lernen hat, er nimmt wahr, wo er noch nicht sattelfest ist. Und er handelt. Er sitzt und liest und schreibt und liest erneut und und und – sein Handeln erfüllt einen Zweck, sie ist zweck-dienlich. Die Psyche des Studenten signalisiert emotional Stress oder Lust, kognitiv kommt er zum Schluss: ‚das habe ich begriffen‘ oder ‚das ist noch unbegreiflich‘. So geht die Arbeit eine Weile weiter.

Plötzlich klopft es energisch an die Tür, draußen steht ein Mitstudent, der sich offensichtlich arg verletzt hat. Blut tropft aus einer klaffenden Wunde. Unverzüglich fährt der Student seinen Kommilitonen zum Arzt, wartet, bis dieser versorgt wurde und bringt ihn wieder wohlbehalten nach Hause. Von dem, was der Student bis eben noch an sich ’selbst‘ wollte, hatte er sich für eine Weile distanziert, dieser Aspekt rückte ’selbst-vergessen‘ in den Hintergrund. Das, was mit dem Klopfen des Kommilitonen an die Tür begann, kann als ‚Sinn-Funke‘ interpretiert werden. Blitzschnell übernimmt das Geistige ‚das Ruder‘, denn es steht nun eine ‚Frage‘ im Raum, für die der Student ‚die Antwort ist‘. Indem er sich dem Sinnvollen hingibt und etwas für jemanden tut, der nicht er selbst ist, ‚transzendiert‘ sich sein Selbst.

Mit der Selbstdistanzierung unternimmt der Student also quasi zuerst einen ‚einen Schritt zurück‘ von seiner zweckdienlichen Absicht und Handlung. Er ‚ex-sistiert‘, tritt aus seinem Psychischen heraus und vollzieht sinnfindend das Geistige — übrigens, ein Vorgang, der sich vermutlich täglich unbewusst in jedem Menschen irgendwo und irgendwann vollzieht. Denn Selbstdistanzierung und Selbsttranszendenz sind zutiefst menschlich. Diese Fähigkeit zu kultivieren, stellt aus unserer Sicht einen bedeutenden Aspekt individueller Krisenprävention dar. An anderer Stelle haben wir dazu berichtet.

Nur Mut

Es steckten einmal zwei Samen nebeneinander im Boden.
Der erste Samen sprach: „Ich will wachsen! Ich will meine Wurzeln tief in die Erde senden
und ich will als kleines Pflänzchen die Erdkruste durchbrechen und dann kräftig wachsen.
Ich will meine Blätter entfalten und mit ihnen die Ankunft des Frühlings feiern. Ich will
die Sonne spüren, mich vom Wind hin- und herwehen lassen und den Morgentau auf mir
spüren. Ich will wachsen!“
Und so wuchs der Samen zu einer kräftigen Pflanze heran.

Der zweite Samen sprach: „Ich fürchte mich. Wenn ich meine Wurzeln in den Boden sende,
weiß ich nicht, was mich dort in der Tiefe erwartet. Ich befürchte, dass es mir wehtut oder
dass mein Stamm Schaden nehmen könnte, wenn ich versuche, die Erdkruste zu durchbrechen.
Ich weiß auch nicht, was dort oben über der Erde auf mich lauert. Es kann so viel
geschehen, wenn ich wachse. Nein, ich bleibe lieber hier in Sicherheit und warte, bis es
sicherer ist.“
Und so blieb der Samen in der Erde und wartete.

Eines Morgen kam eine Henne vorbei. Sie scharrte mit ihren scharfen Krallen nach etwas
Essbarem im Boden. Nach einer Weile fand sie den wartenden Samen im Boden und fraß
ihn auf.

Verfasser unbekannt

 

Als Krisenprävention bezeichnen wir die auf Reflexion des bisherigen Lebens und Einsichtsfähigkeit beruhende mittelfristige Vorausschau in die kommende Lebensphase, um die Wirkung möglicher Folgen nicht vollends auszuschließender und bei ihrem Eintreten äußerst belastender Ereignisse zu mindern. 

Ralph Schlieper-Damrich

Schlauer Spruch

Die größte Revolution unserer Generation besteht in der Entdeckung,
dass menschliche Wesen die äußeren Aspekte ihres Lebens verändern können, indem sie die inneren Einstellungen ihres Geistes verändern.

William James

Ich bin und weiß nicht wer. 
Ich komm‘ und weiß nicht woher. 
Ich geh‘, ich weiß nicht wohin. 
Mich wundert, dass ich so fröhlich bin! 

Wenn ich wüsste, wer ich bin. 
Wenn ich ging und wüsste wohin. 
Wenn ich käm und wüsste woher. 
Ob ich dann wohl traurig wär?

Martinus von Biberach

Sturheit – nicht selten die Basis veritabler Krisen

Ein klassisches Beispiel für die Sturheit eines Glaubenssatzes ist die Geschichte
vom Menschen, der glaubt, er sei eine Leiche. Er isst nicht und geht nicht zur Arbeit.
Er sitzt einfach die ganze Zeit über da und behauptet, er sei eine Leiche.

Der Psychiater versucht, den Mann davon zu überzeugen, dass er nicht wirklich
tot ist. Sie streiten lange über diese Frage. Schließlich sagt der Psychiater:
„Können Leichen bluten?“

Der Mann denkt einen Augenblick lang nach und sagt dann: „Nein. Weil alle
Körperfunktionen zum Stillstand gekommen sind, kann eine Leiche nicht bluten.“

Daraufhin sagt der Psychiater: „Also gut, dann wollen wir jetzt einmal ein Experiment
machen. Ich werde eine Nadel nehmen, Ihnen damit in den Finger stechen und
schauen, ob er blutet.“

Da der Patient ja eine Leiche ist, kann er nicht viel dagegen einwenden. Der
Psychiater sticht ihm also eine Nadel in den Finger, und der Finger des Mannes
fängt zu bluten an. Der Patient schaut sich die Sache völlig verblüfft an und ruft aus:
„Verdammt! Leichen bluten ja doch!“

nach: Dilts, R.: Die Veränderung von Glaubenssystemen. 1993