Archiv für den Monat: Oktober 2015

„Zuhören, Nachdenken und Aussagen sind unterschiedliche Tätigkeiten. Gleichzeitigkeit senkt ihr Niveau.“

Ruth Cohn

Viktor Frankl Museum – Wien

Ausstellung

In der Mariannengasse 1 wohnte der Neurologe und Psychiater Viktor E. Frankl, Begründer der „Dritten Wiener Schule der Psychotherapie“, bis zu seinem Tod 1997. Dort vervollständigte er seine Thesen vom Menschen als einem geistbegabten Wesen, das allen Widrigkeiten zu trotzen vermag, sobald und solange es Sinn im Leben findet. Diese Schaffensstätte Frankls ist heute ein inspirierendes Museum, in dem die BesucherInnen Schritt für Schritt in die hohe Kunst der Seelenheilkunde eingeführt werden, dabei mehr erfahrend über ihre eigenen Chancen und Potentiale als bloß über den Werdegang eine Genies.

Niveauvolle Bildungsangebote

Das VIKTOR FRANKL MUSEUM ist eine Initiative des VIKTOR FRANKL ZENTRUM WIEN, eine Ausbildungsstätte, in der sowohl Fachleute als auch interessierte Laien und sogar ganze Schulklassen mit dem originären Lehre Frankls vertraut gemacht werden. Kurse, Seminare, Workshops, Vorträge, Buch- und Filmdokumentationen vermitteln Menschenbild und Methoden eines Heilungsansatzes, der wie kaum ein anderer geeignet ist, sich den Problemen unserer krisengeschüttelten Welt konstruktiv und wegweisend zu stellen.

Weltweite Anerkennung

Viktor E. Frankl ist international mit 29 Ehrendoktoraten und zahlreichen anderen Preisen ausgezeichnet worden. Mit der unvergleichlichen Legierung aus exakter Wissenschaftlichkeit und dem Glauben an eine spezifisch humane Dimension, die die unverlierbare Würde jeder einzelnen Person verbürgt, erweist sich Frankls Werk als konsensfähig über die Schranken der Völker hinaus. Seine Lehre wird in allen Erdteilen angewandt und weiterentwickelt. Im weltweit 1. VIKTOR FRANKL MUSEUM bzw. VIKTOR FRANKL ZENTRUM WIEN stehen bestens geschulte, kompetente AnsprechpartnerInnen zur Verfügung, um Anfragen zu beantworten und einschlägige Informationen zu erteilen.

Quelle: http://www.franklzentrum.org/

„Das waren noch gute Zeiten,
da ich noch alles glaubte, was ich hörte.“

Theodor Fontane

Der Topf des Lebens

Als die Philosophie-Vorlesung begann, nahm der Professor wortlos einen sehr großen Blumentopf und füllte ihn mit Golfbällen. Er fragte die Studenten, ob der Topf nun voll sei. Sie bejahten es.

Dann nahm der Professor ein Säckchen Kieselsteine und schüttete diese in den Topf. Er bewegte den Topf sachte und die Steine rollten in die Leerräume zwischen den Golfbällen. Dann fragte er die Studenten wieder, ob der Topf voll sei. Sie stimmten zu.

Der Professor nahm nun als nächstes eine Dose mit Sand und schüttete diesen in den Topf. Natürlich füllte der Sand den kleinsten verbliebenen Freiraum. „Ist der Topf nun voll?“ Die Studenten antworteten einstimmig „Ja“.

Jetzt holte der Professor zwei Dosen Bier hervor und schüttete den ganzen Inhalt in den Topf und füllte somit den letzten Raum zwischen den Sandkörnern aus. Die Studenten lachten.

Nun, sagte der Professor ,ich möchte, dass Sie diesen Topf als Bild Ihres Lebens ansehen. Die Golfbälle sind die wichtigen Dinge: Ihre Familie, Ihre Kinder, Ihre Gesundheit, Ihre Freunde, die leidenschaftlichen Aspekte Ihres Lebens. Angenommen, in Ihrem Leben ginge alles verloren und nur noch diese verblieben: Ihr Leben wäre trotzdem erfüllend. Die Kieselsteine symbolisieren die anderen Dinge im Leben wie Ihre Arbeit, Ihr Haus, Ihr Auto. Und der Sand ist alles andere, die Kleinigkeiten.

Falls Sie den Sand zuerst in den Topf geben, fuhr der Professor fort, gibt es weder Platz für die Kieselsteine noch für die Golfbälle. Dasselbe gilt für Ihr Leben. Wenn Sie all Ihre Zeit und Energie in Kleinigkeiten investieren, werden Sie nie Platz haben für die wichtigen Dinge. Achten Sie deshalb auf die Dinge, die Ihr Glück gefährden. Spielen Sie mit den Kindern. Nehmen Sie sich Zeit für eine medizinische Untersuchung. Führen Sie Ihren Partner zum Essen aus. Es wird immer noch Zeit bleiben, um das Haus zu reinigen oder Pflichten zu erledigen. Achten Sie zuerst auf die Golfbälle, der Rest ist nur Sand.

Einer der Studenten erhob die Hand und wollte wissen, was denn das Bier repräsentieren solle. Der Professor schmunzelte: „Ich bin froh, dass Sie das fragen. Es ist dafür da, Ihnen zu zeigen, dass, egal wie schwierig Ihr Leben auch sein mag, es immer noch Platz hat für ein, zwei Bierchen.“

„Kognitive Konstruktionen können zuweilen
auf unangenehme Weise überzeugend wirken.“ 

David Shapiro

Krisentheorie quo vadis

Wer meint, dass die letzten umbruchartigen Jahrzehnte die Wissenschaft aufgerufen hätte, eine theoretische Weiterentwicklung des Krisenverständnisses vorzunehmen, sieht sich vor einem großen leeren Blatt. In den 90er Jahren war es zuletzt Ciompi, der Aspekte der damals aktuellen Chaostheorie auf das Phänomen ‚Krise‘ legte – nicht zuletzt, weil beide Perspektiven auf nicht-lineare Entwicklungssprünge hinweisen, die Unberechenbarkeit quasi den Kern der Sache auszeichnet.

Damit war es aber auch schon vorbei mit der Krisentheorieforschung. Die meisten Publikationen betreffen seither thematisch differenzierte Krisensituationen, Krisenanlässe, Kriseninterventionen und Krisenberatungen. Unser eigener Forschungsschwerpunkt liegt im Themenfeld der ‚individuellen Krisenprävention‘ [womit wir nicht Vorsorge oder Versicherung meinen], in dem es bislang keinen nennenswerten Vorstoß gab und für das wir ab 2017 mit unserem Angebot Life2Me eine praktische Konkretisierung vorlegen werden.

Krisenberatungsarbeit für unmittelbar betroffene Menschen adressiert vorrangig das Thema ‚Bewältigung‘ [neudeutsch: Coping]. Wenn Menschen Krisen meistern wollen, dann brauchen sie dazu Ressourcen, die sie aber gerade dann nicht haben oder von denen sie nicht wissen, dass sie sie haben. Da dieser Mangel ‚gefühlt‘ wird, entsteht in der Folge ein Defizit an Zuversicht und Wirkkraft. Gestärkt wird ein solcher Mensch insbesondere dadurch, dass über das zu Bewältigende besonnen, klärend, strukturierend und Einsichten öffnend gesprochen wird. Das Ziel der Prozessarbeit besteht darin, von Mal zu Mal einen neuen Zustand zu bewirken, in dem der Mensch eine weitere Verbesserung seiner Situation psychisch oder physisch erwartet. Dazu tragen konkrete Schritte der Komplexitätsreduktion ebenso bei wie die Unterstützung beim Aufbau oder bei der Ansprache des sozialen Netzes. Die Bandbreite der zu vollziehenden Handlungen bemisst sich an den je individuellen Voraussetzungen, der Belastungsstärke und auch der Bereitschaft, sich überhaupt unterstützen zu lassen. Das Vorgehen in der Krisenberatung ist daher äußerst flexibel den Umständen anzupassen. Betroffene sollten wissen: Krisenintervention ist abhängig von der Institution, die sie anbietet – seien es therapeutische, karitative, seelsorgerische oder andere Anbieter. Es ist daher sehr ratsam, sich im Klaren darüber zu werden, wer wie helfen sollte, würde eine nicht mehr selbst unter Kontrolle zu bringende Belastungssituation eintreten. Diese Recherche-Zeit ist gut investiert, wir wissen das, weil wir die andere Seite kennen: Menschen, die sich anvertrauten und zum Teil nur mit viel Glück die passenden Ansprechpartner fanden oder eben auch Menschen, die sich nicht gut aufgehoben fühlten.

Krise und Therapieschulen

‚Wenn einer eine Krise hat,
dann kann er was erleben.‘

Auf der Höhe empfundener Belastung suchen krisenbetroffene Menschen vielleicht erstmals in ihrem Leben die Unterstützung eines Therapeuten. Man kennt womöglich niemanden dieses Berufsstandes persönlich, vielleicht auch niemandem, von dem man weiß, dass er jemanden kennt. So bleibt der Blick in die Gelben Seiten oder ins Web. Aber wonach suchen? Psychotherapie ist nicht gleich Psychotherapie, muss ich auf die Coach oder kann ich eine andere Art der Zusammenarbeit erwarten?

Ein amerikanischer Arzt fragte Viktor Frankl einmal,
ob er imstande sei, ihm in einem Satz den Unterschied zu erklären
zwischen Psychoanalyse und Logotherapie.
Gewiss könne er das, antwortete Viktor Frankl,
doch zunächst solle der Arzt ihm in einem Satz sagen,
was Psychoanalyse ist.

„Nun, in der Psychoanalyse muss sich der Patient
auf die Couch legen und Dinge sagen,
die manchmal unangenehm zu sagen sind.“ 
Worauf Frankl erwiderte:
„Sehen Sie, in der Logotherapie
darf er sitzen bleiben – und muss Dinge anhören,
die manchmal unangenehm zu hören sind.“

Frankl verweist mit diesem Bonmot auf grundsätzliche Unterschiede, die zu wissen sich lohnt, bevor man an einen Therapiebeginn denkt. Psychoanalytische Schulen [Psychoanalyse nach Freud, Individualpsychologie nach Adler, Analytische Psychologie nach Jung] stellen die Verletzbarkeit des Menschen in den Vordergrund. Eine Krise wird aus dieser Perspektive dann zu einer, wenn ein äußeres Ereignis auf einen unbewussten, nicht aufgelösten inneren Konflikt [oftmals mit Elternteilen] oder auf ein Grundproblem [zum Beispiel Minderwertigkeitsempfinden] trifft und die bisher funktionierenden Formen der Belastungsabwehr brüchig werden. Die therapeutische Arbeit startet also beim bewussten Konflikt und richtet sich dann aus auf das der Person unbewusste Grundproblem, um dieses zu bearbeiten.

Die verhaltenstherapeutischen Schulen orientieren sich nicht an diesem vergangenheitsorientierten Konzept, sondern wenden sich der gegenwärtigen Störung als solcher zu. Hier steht im Fokus, die Verhaltensweise in bisher unpassenden Bewältigungsversuchen abzulegen und gegen eine passendere zu verändern. Den damit verbundenen Lernprozess begleiten Verhaltenstherapeuten engmaschig und mit konkreten ‚Hausaufgaben‘.

Für sinnzentriert arbeitende Therapeuten der 3. Wiener Schule für Psychotherapie nach Viktor Frankl [Logotherapie] steht das Thema Krise im Kontext eines Verlustes existenzieller Lebensqualität und -freude. Im Kern steht hier die Frage im Raum, wie der betroffene Mensch den nicht wirklich verloren gegangenen, aber verloren geglaubten Sinn im Leben wiederfindet und ihn durch konkretes Handeln neu ausgestaltet. Aus logotherapeutischer Arbeitshaltung heraus hat jeder Mensch ein Recht auf ein gelingendes, sinnerfülltes Leben. Dem persönlichen Empfinden von Tragik stellt diese Therapie den unzerstörbaren Sinn menschlichen Lebens gegenüber – der Therapeut unterstützt den Menschen dabei, ‚trotz aller Last‘ im Einklang mit seinen Werten ein freies und verantwortetes Leben zu leben.

 

„Man kann niemanden überholen,
wenn man in seine Fußstapfen tritt.“

Francois Truffaut