Archiv für den Monat: Januar 2017

Der Hammer

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt der Mann, hinüberzugehen und ihn sich auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, so denkt er, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile? Vielleicht hat er die Eile aber auch nur vorgeschützt, und er hat was gegen mich. Aber was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß, weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht´s mir aber wirklich.

Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor dieser ‚Guten Tag‘ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: ‚Behalten Sie doch Ihren blöden Hammer, Sie Affe‘.

[aus P. Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein]

„Das können Sie doch nicht machen, ….

Sie machen Leuten damit doch Angst“, meinte einst eine Psychologin auf meine Vorstellung des ersten groben Konzepts zur individuellen Krisenprävention. Nun hat dieses Konzept immer mehr Form angenommen und kann bald angeschaut und genutzt werden. Life2Me® geht in wenigen Tagen an den Start.

Ich folge dabei gerne Arthur Schopenhauer.
„Jede neue Idee durchläuft drei Entwicklungsstufen: In der ersten wird sie belacht, in der zweiten wird sie bekämpft, in der dritten ist sie selbstverständlich.“

Willkommen bei Life2Me®

Wenn Menschen in Krisen geraten und eine professionelle Beratung in Anspruch nehmen, dann führt dies irgendwann an einen Punkt, in dem zu handeln und sich zu entscheiden ganz allein zu erfolgen hat. Wir haben uns also die Frage gestellt, ob es einen dritten Weg gibt – neben der Selbstaufgabe, Resignation und Verzweiflung auf der einen Seite und einer meist zeit- und kostenintensiven Beratung auf der anderen.

Mit Life2Me® verbinden wir die Vorstellung, dass Ihnen Ihr Leben, das auf Sie jederzeit zukommt, auch dann nicht aus Ihren Händen zu gleiten braucht, wenn die Lage kritisch wird. Wir wollen, dass Sie in Freiheit und Verantwortung für Ihr gelingendes Leben so viel über sich selbst erfahren, dass Sie den Krisen des Lebens den Wind aus den Segeln nehmen. Für uns ist dieses Vorgehen nichts anderes als individuelle Krisenprävention.

Der Philosoph Immanuel Kant bot als Weg aus der Unmündigkeit an, den eigenen Verstand einzusetzen. Einen gesunden Menschenverstand einsetzen zu können, ist in Krisen von entscheidender Bedeutung. Was aber geschieht in aller Regel? Der Mensch verfängt sich in seiner Hilflosigkeit, er sucht nach Orientierung, er weiß nicht mehr, wofür er steht. Was dann mühselig beginnt, ist ein anstrengender Lernprozess, der im besten Fall wieder zu neuer Handlungsfähigkeit führt. Ein enormer Aufwand, den der Mensch unter seiner psychischen Belastung zu erbringen hat, und nicht selten unter dieser Last zusammenbricht.

Wir meinen, dass die Selbstbefreiung von diesen Hindernissen durch präventives Lernen möglich ist. Dass die Erkundung der eigenen Persönlichkeitsmerkmale Freude bereitet und das Wissen darüber, was mit einem selbst wohl vor sich geht, würde ein existenziell belastendes Ereignis eintreten, ungewöhnliche Erleichterung bietet.

Aufklärungs-Lernen – das war die Formel von Immanuel Kant. Und sie es auch heute. Wir verstehen jeden Menschen als ein Wesen, das ein Recht hat auf ein gelingendes Leben. Mit Life2Me® wollen wir darum Menschen unterstützen, den negativen Einfluss von Krisen zu mindern.

Life2Me® bündelt Erfahrungswissen und bietet Ihnen mit einem schrittweisen Vorgehen an, sich immer besser kennenzulernen für eine Zeit, von der jeder Mensch für sich persönlich zwar hofft, dass sie nicht eintrifft, von der er aber auch weiß, dass er gerade dies nicht vollends ausschließen kann.

Life2Me® – im Februar geht es los.
Wir beginnen mit dem Angebot für die Prävention der Lebensphase 52-58 Jahre.

Menschenbild der humanistischen Psychologie

Mit Abraham Maslow wird in der Psychologie ein Grundstein gelegt für ein Menschenbild, das sich sowohl von der Psychoanalyse als auch vom Behaviorismus deutlich unterscheidet. Die humanistische Psychologie versteht sich seither als Gegenentwurf zu den beiden großen Richtungen der ‚Tiefenpsychologie‘ [Grundlage: Psychoanalyse und Individualpsychologie] und der ‚Verhaltenstherapie‘ [Grundlage: Behaviourismus]. Der Reduktionismus wird abgelehnt, eine ‚Rehumanisierung‘ der Psychologie angestrebt, indem der geisteswissenschaftlichen Aspekt wiederbelebt und die ganzheitliche Sicht auf den Menschen betont wird.

Das Anliegen des Humanismus besteht darin, den Menschen davor zu bewahren, dass er sich für untermenschliche Zwecke missbrauchen oder von übermenschlichen Mächten unterwerfen lässt. Jeder Gottglaube wird so als Einschränkung der Humanität und Autonomie angesehen. Grundlage der Humanistischen Psychologie ist eine materialistische Philosophie, die sich ausschließlich mit den immanenten und sichtbaren Bezügen befasst.

Dem Menschen wird ein gewisses Maß an Entscheidungsfreiheit zugestanden, wenngleich der Einfluss der Umwelt als sehr hoch eingeschätzt wird. Dennoch ist der Mensch grundsätzlich dazu fähig, seine ihm innewohnenden Möglichkeiten zu verwirklichen [Selbstverwirklichung].

Wahrend Psychoanalyse und Behaviorismus mehr von einem biologischen Darwinismus ausgehen, ist die Humanistische Psychologie von einem Sozialdarwinismus geprägt. Die Bedürfnishierarchie von Abraham Maslow ist die dabei wohl bekannteste Modellmetapher – ihr höchstes Ziel, die Selbstverwirklichung, ist nur von wenigen privilegierten Menschen erreichbar, während sich der einfache Mann täglich um die Befriedigung basaler Bedürnisse kümmern muss.
Dem Postulat des Philosophen Jean Jacques Rousseau steht die Humanistische Psychologie nahe – sie sieht den Menschen an als von Natur aus gut.

Menschenbild des Behaviourismus

Auch das Menschenbild des Behaviorismus ist wie bei der Psychoanalyse auch vom Konzept eines biologischen Materialismus geprägt. Auch hier hat das Geistige keinen Raum, Begriffe wie Seele, Transzendenz oder Geist werden nicht besprochen. Da das menschliche Seelenleben selbst nicht beobachtbar und messbar ist, sich lediglich Verhalten und innere physiologische Vorgänge messen lassen, wird der Mensch anfänglich reduziert auf seine Reiz-Reaktions-Schemata.

Da es über die Zeit aber wissenschaftlich interessant wurde, danach zu fragen, was sich zwischen Reiz und Reaktion abspielt, führte man mit der Organismus-Variable eine erklärende Instanz ein. Als nicht messbares Konstrukt versteht man sie als Set von Gehirnstrukturen, die zwischen sich vollziehenden physiologischen Abläufen vermittelt. Trotz dieser Instanz interessiert das kognitive und affektive Erleben des Menschen weiterhin aber nicht. Dies wird lediglich als Äußerung des Verbalverhaltens aufgefasst und nur als solches einer Analyse unterzogen.

Auch der Behaviorismus ist daher streng deterministisch gefärbt. Organische Strukturen und Umweltfaktoren bedingen den Menschen. Sein Verhalten wird ausschließlich erklärt durch Prozesse der Konditionierung. Verhalten, dessen Foigen angenehm und lustbetont sind oder durch das unangenehme Foigen verhindert werden kann, wird verstärkt. Bleibt der Erfolg nach einem gezeigten Verhalten aus, so wird es ‚gelöscht‘. Wiederum ist der Regelmechanismus des Verhaltens das hedonistische Lust-Unlust-Prinzip. Willensfreiheit findet sich hier ebenso wenig wie im Konzept der Psychoanalyse. Auch Aussagen über die ‚Natur‘ des Menschen sucht man vergeblich. Gewissen – im sinnzentrierten Menschenbild Frankls von großer Bedeutung – ist im Behaviourismus nicht mehr als bloß ein konditionierter Reflex.

Verhalten des Menschen ist weder gut noch böse, sondern entweder angepasst oder unangepasst. Da der Mensch als Summe von Konditionierungen verstanden wird, ist er prinzipiell im Rahmen seiner konstitutionellen Möglichkeiten ‚machbar‘. Skinner, einer der Begründer dieser Schule, entwarf entlang dieses Gedankens das utopisch anmutende Bild einer Gesellschaft, die durch eine völlige psychologische Kontrolle ‚befriedet‘ ist.

Das Gewissen ist die innere Stimme,
die uns warnt,
weil jemand zuschauen könnte.

Henry Louis Mencken

Menschenbild der Psychoanalyse

Das Menschenbild der Logotherapie, das den Menschen als das Wesen auszeichnet, das nach Sinn strebt, wurde in der KrisenPraxis bereits vielschichtig beleuchtet. Schauen wir heute und in den kommenden Tagen auf andere große Richtungen der Psychotherapie.

Psychoanalyse: Sie begründet ein materialistisches Menschenbild, das den Menschen reduziert auf die biologisch-physiologische Dimension. Das Seelische wird dabei nur als Funktion der
Materie verstanden, die mit physikalisch-chemischen Gesetzen erklärbar sein müsste. Das Geistige des Menschen, angesehen als unabhängig vom Leib existente Wesenheit, findet in diesem Menschenbild keinen Platz. Freud als Urvater der Psychoanalyse sieht durch Anwendung von Vernunft und Wissenschaft den Raum, das Seelenleben vollständig durch biologische Kausalzusammenhänge zu erklären. Er schreibt in ‚Jenseits des Lustprinzips‘: „Die Mängel unserer Beschreibung würden wahrscheinlich verschwinden, wenn wir anstatt der psychologischen Termini schon die physiologischen oder chemischen einsetzen könnten.“

Die Psyche des Menschen wird so zu einem nach energetischen Prinzipien funktionierenden Apparat, bestehend aus ‚Es‘ [die Triebe], ‚Ich‘ und ‚Über-Ich‘ [die moralische Instanz] ‚. Der ‚Schmierstoff‘ dieses Apparates ist ‚libidonöse Energie‘. Einen freien Willen des Menschen kennt die Psychoanalyse nicht, vielmehr stellt das ‚Lust-Unlust-Prinzip‘ den Regelmechanismus der mennschlichen Psyche dar. Der Mensch ist so letztlich darauf angewiesen, Lust zu
suchen und Unlust zu vermeiden. Freud sieht den Menschen mit sich selbst und der Welt im
Kampf, von Ängsten und unbewussten Wünschen geplagt. Mehr als von Umwelteinflussen
wird er von angeborenen Instinkten zu bestimmten Verhaltensweisen getrieben.

Die Natur des Menschen ist geprägt durch sein angeborenes Streben nach Maximierung der Triebbefriedigung und Minimierung der Ängste, wobei er im ständigen Konflikt steht zwischen den egoistischen Ansprüchen des ‚Trieb-Es‘ und den Forderungen des moralisch-elterlichen ‚Über-Ich‘, zwischen Lust- und Realitätsprinzip.

Verantwortungsstatue

“Freedom, however, is not the last word. Freedom is only part of the story and half of the truth. Freedom is but the negative aspect of the whole phenomenon whose positive aspect is responsibleness. In fact, freedom is in danger of degenerating into mere arbitrariness unless it is lived in terms of responsibleness. That is why I recommend that the Statue of Liberty on the East Coast be supplemented by a Statue of Responsibility on the West Coast.”

Viktor E. Frankl

Nun nimmt das gewaltige Projekt konkrete Formen an. Sehen Sie selbst.

Reflexion der Verletzung kindlicher Bedürfnisse

In verschiedenen psychologischen Theorien wurden die Grundbedürfnisse von Menschen zusammengestellt. Klaus Grawe, führender Wissenschaftler in der Psychotherapieforschung, stellt vier Grundbedürfnisse heraus:

  • Bindungsbedürfnis
  • Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle
  • Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz
  • Bedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung

In der therapeutischen Praxis steht meist die konkrete Verletzung kindlicher Bedürfnisse im Fokus, die sich an Grawes Ordnungsrahmen orientieren:

  • Sichere Bindung zu anderen Menschen haben (Sicherheit, Stabilität, nährende Zuwendung und akzeptiert werden)
  • Autonomie, Kompetenz und Identitätsgefühl entwickeln können
  • Freiheit, berechtigte Bedürfnisse und Emotionen auszudrücken
  • Spontaneität und Spiel
  • Realistische Grenzen gesetzt bekommen und selbst die Kontrolle innehaben

Ob es zur Verletzung kindlicher Bedürfnisse gekommen ist, können Menschen zuweilen nicht erinnern. Sie äußern dann eher vage Vermutungen oder spüren subtil, dass irgendetwas nicht ganz in Ordnung war. Manchmal vermag die Reflexion von Fähigkeiten [in Anlehnung an Nussbaum], etwaigen ‚Verletzungen‘ in der Vergangenheit nachspüren zu können. Dahinter steht die These, dass dauerhaft verletzte Bedürfnisse dazu führen, dass der Mensch nur in eingeschränktem Maße Fähigkeiten dieser Art entwickelt:

  • Fähig zu sein, bis zum Ende eines vollständigen menschlichen Lebens leben zu können [dies bedingt z.B. die Fähigkeit, sich von lebensschädigenden Substanzen fernhalten oder Risikoverhalten eindämmen zu können].
  • Fähig zu sein, eine gute Gesundheit zu haben [Ernährung, Unterkunft, Sexualität[ – dies bedingt die Fähigkeit zur Selbstfürsorge, der autonomen Willensäußerung usw.
  • Fähig zu sein, unnötigen Schmerz und Leid zu vermeiden [hierzu gehört auch die Fähigkeit zur Krisenprävention].
  • Fähig zu sein, zu phantasieren, zu denken und zu schlußfolgern.
  • Fähig zu sein, auch emotional Bindungen zu Dingen und Personen zu unterhalten.
  • Fähig zu sein, sich ein Bild von einem guten Leben zu machen [Lebensentwurf].
  • Fähig zu sein, soziale Interaktion in Form von Mitgliedschaft, Freundschaft, Beruf usw. auszuüben.
  • Fähig zu sein, in Anteilnahme für und in Beziehung zu Tieren, Pflanzen und zur Welt der Natur zu leben.
  • Fähig zu sein, zu lachen, zu spielen, zu genießen usw.
  • Fähig zu sein, das eigene Leben zu leben [dies bedingt die Klarheit des eigenen Wertesystems].

Haben Sie alle Fähigkeiten in Ihrer Wahrnehmung hinreichend entwickelt? Wem oder welchen Umständen könnten Sie dafür danken?