Archiv für den Monat: Juni 2017

Krise macht Urlaub

Unsere KrisenPraxis macht Urlaub, und anschließend gehen wir in den ersten Teil der Vorbereitung unseres nächsten Buchprojektes.

Wir melden uns wieder am 1.10.2017 und wünschen Ihnen bis dahin eine krisenbefreite Zeit.

Die wirklich harten Sätze

Gerade noch geschafft: Valentinstag, Geburtstag, Namenstag, Hochzeitstag … es gibt viele Anlässe, in die Blumenläden, Confiserien und Parfümerien zu stürmen, um seine oder ihre tiefe Liebe unter Beweis zu stellen. Aber was hilft das alles, wenn man einen der verhängnisvollen Sätze sagt, die so ziemlich jede Beziehung in Gefahr bringen?

Satz 1: Wenn Du mich lieben würdest, dann würdest Du …
Wirkung: Die Basis der Beziehung wird fundamental in Frage gestellt.
Methode: suggestive Form der ‚Erpressung‘
Schlaue Erwiderung: Wenn Du mich wirklich lieben würdest, würdest Du das nicht von mir verlangen.
Wenn man also einen Wunsch an den Partner hat, dann besser beispielsweise so:
‚Es ist schwierig für mich verstehen, was dich davon abhält, xy zu tun.‘

Satz 2: Warum ist es zwischen uns nicht mehr so wie früher?
Wirkung: Es wird eine Wahrnehmung zur Wahrheit und faktischen Behauptung.
Methode: rhetorisch in einer Art ‚innerer Kündigung und Entfremdung‘
Schlaue Erwiderung: Auch bei uns bleibt nichts, wie es war.
Wenn man also etwas vermisst, dann besser: ‚Ich wünsche mir, dass wir wie früher xy.‘

Satz 3: Du benimmst Dich wie Deine Mutter / Dein Vater …
Wirkung: Einerseits wird die Loyalität zwischen Partner und dessen Eltern in die eigene Beziehung projiziert, zum anderen wird ein in sich bereits unpassender Vergleich gezogen und der Partner fühlt sich getestet und geprüft
Methode: investigativ, verletzend
Schlaue Erwiderung: Hmm, mal sehen, an wen Du mich erinnern könntest.
Wenn man sich nicht gut dabei fühlt, wenn der Partner so ist, wie er gerade ist, dann ist die Ich-Kommunikation über die eigene Wahrnehmung immer der beste Weg, z.B. Mich stört, dass Du in unserem Gespräch so laut wirst. Da mag ich das Gespräch lieber beenden.‘

Und wenn schon einmal ein harter Satz gesagt worden ist, dann sollte man bedenken, dass ein negatives Ereignis auf persönlicher Ebene erst durch fünf Positive wieder ‚ausgeglichen‘ werden kann. Es sind also nicht nur Elefanten, die ein gutes Gedächtnis haben.

„Ich weiß auch nicht,
wo bei uns der Wurm hängt“

Fabricio Hayer

Zur Person Viktor Frankl

Viktor E. Frankl wuchs mit seinem Bruder Walter und seiner Schwester Stella als Sohn eines Staatsbeamten im Wien auf. Sein Vater war streng aber in höchstem Maße gerecht, während die Mutter für Viktor Frankl „ein seelensguter und herzensfrommer Mensch“ war. Sie stammte aus Prag und der Vater aus Südmähren. Als Schüler interessierte sich Frankl bereits intensiv für Psychologie und Psychoanalyse.

Mit Sigmund Freud begann ein reger Schriftverkehr als Frankl erst 15 Jahre alt war, und die erste Publikation Frankl´s erschien 1924 in der „Internationalen Zeitschrift für Psychoanalyse“ auf persönliche Empfehlung von Freud. Ein Jahr später veröffentlichte er als Medizinstudent in der Alfred Adlers Lehre folgenden „Internationalen Zeitschrift für Individualpsychologie“ die Arbeit: „Psychotherapie und Weltanschauung“. Zwei weitere Jahre später wurde Frankl wegen Unorthodoxie aus dem Verein für Individualpsychologie ausgeschlossen. Zu dieser Zeit hatte er bereits zahlreiche Vorträge über die ihm so bedeutende noetische Dimension gehalten und dabei immer den einzigartigen Sinn im einmaligen Leben thematisiert. Der ihm in diesem Zusammenhang begegnende Otto Pötzl, der als Professor für Psychiatrie an der Universitätsklinik Wien arbeitete, ermöglichte Frankl den operativen Start seiner Psychotherapieschule. Weitere berufliche Stadien an verschiedenen Kliniken folgten, und 1938 publizierte er schließlich eine Arbeit, in der er die Logotherapie und die Existenzanalyse als deren anthropologische Basis darlegte.

Während des Regimes der Nazis war Frankl anfangs darauf beschränkt, als Primarius der Neurologie am jüdischen Rothschildspital Wien zu arbeiten. 1942 wurden er, seine erste Frau, sein Bruder und seine Eltern in verschiedene KZ deportiert, die nur Frankl überlebte. 1945 kam Frankl, der sich von jeher als Wiener fühlte, in die Stadt zurück und begann, sein Buch „Ärztliche Seelsorge“ zu verfassen, dessen erstes Manuskript im KZ verlorenging. Seine Erlebnisse im KZ dokumentierte er in seinem Buch „…trotzdem Ja zum Leben sagen“, das seither viele Millionen mal weltweit verkauft wurde. 1949 habilitierte sich Frankl in Philosophie an der Universität Wien, und von 1946-1970 leitete er die Neurologie der Wiener Poliklinik. Er erhielt zahlreiche Professuren unter anderem an den Universitäten von Harvard und Stanford und fast dreißig Ehrendoktorate an Universitäten in der ganzen Welt. Er war Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften und die Polnische Akademie der Wissenschaften zeichnete ihn u.a. mit dem „Internationalen Goldenen Stern“ für Verdienste um die Menschheit aus.

Frankl schrieb 32 Bücher, von denen das Werk „Man´s search for meaning“ von der amerikanischen Library of Congress als eines der zehn einflussreichsten Bücher ausgezeichnet wurde. Am 21. Oktober 1996 hielt Frankl, 91-jährig, die letzte Universitätsvorlesung am AKH Wien. Im gleichen Jahr feierte er mit seiner zweiten Frau Elly die goldene Hochzeit. Frankl starb am 2. September 1997. Viktor Frankl´s Werk kann in Wien im Frankl-Zentrum in der Mariannengasse 1 studiert werden.

Bei der Eroberung des Weltraums sind zwei Probleme zu lösen: die Schwerkraft und der Papierkrieg. Mit der Schwerkraft wären wir fertig geworden.

Wernher von Braun

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