20. Todestag von Viktor E. Frankl

Heute vor zwanzig Jahren starb der Arztphilosoph, Psychologe und Begründer der sinnzentrierten Psychotherapie Viktor E. Frankl im Alter von 92 Jahren in Wien. Der am 26. März 1905 in Wien geborene Frankl entwickelte seine Sinnlehre entlang seiner vehementen Ablehnung eines in der Psychologie bis heute zu beobachtenden Reduktionismus, der den Menschen auf seine Triebe, Minderwertigkeiten, seine genetische Ausstattung oder seine Prägung durch die Umwelt reduziert oder ihn gar als von seinem Gehirn gesteuert erklärt.

Frankl gilt heute mit seiner Sinnlehre als herausragender Vordenker eines Menschenbildes, das mehr denn je Bedeutung erfährt in Zeiten der individuellen und kollektiven Orientierungslosigkeit aufgrund zunehmender Komplexität und Unplanbarkeit des Lebens.

Für die Professionswelt gab dazu Professor Fredmund Malik ein deutliches Statement ab: „Es ist das Beste, was je zur Frage von Motivation gesagt wurde. Ja, ich halte Frankls Sinn-Theorie für die richtige Motivationslehre schlechthin.“ Wir können dem nur ergänzend beipflichten, dass Frankls Gedankengut die richtige Präventionslehre im Kontext individueller Krisen ist.

1930 zum Doktor der Medizin promoviert, arbeitete Frankl als Arzt am Psychiatrischen Krankenhaus am Steinhof. 1942 wurden er und seine Eltern in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt. Er verlor seine Eltern, seinen Bruder und seine erste Frau Tilly. 1945 wurde er aus dem Lager Kaufering-Türkheim durch die alliierten Truppen befreit. Nach dem Krieg kehrte Frankl nach Wien zurück und rekonstruierte sein Buch ‚Ärztliche Seelsorge‘, das er bereits vor seiner Deportation geschrieben hatte. Seine Eindrücke und Erfahrungen in den Konzentrationslagern verarbeitete er in dem Buch ‚…trotzdem Ja zum Leben sagen‘. 1946 wurde Frankl an die Wiener Neurologische Poliklinik berufen und war dort Vorstand bis 1971.

Die Frage nach dem Sinn steht im Mittelpunkt der von Viktor Frankl begründeten Logotherapie, der sinnzentrierten Psychotherapie. In deren Kern steht die Erkenntnis, dass menschliches Verhalten nicht allein auf der Ebene der Psyche mit ihren Hauptkategorien Denken und Fühlen und dahinter liegenden unbewussten Trieben erklärt werden könne, sondern vielmehr die ‚geistige Person‘ mit ihrer Liebe und Hingabe, ihrem Streben nach Werteverwirklichung, ihrem Gewissen und ihrem [nicht zwingend religiösen] Glauben miteinbezogen werden müsse.

Frankls Forschung und Praxis zeigte, dass Menschen primär sinnorientiert sind. Das Streben der Psyche nach Lust, Macht, Bindung oder Autonomie in ihren individuell unterschiedlichen Ausdrucksweisen ist dem Menschen zwar allemal auch zueigen. Wird das Leben diesen Strebungen jedoch förmlich unterworfen, dann gilt dies als starkes Anzeichen einer Sinnleere. Die psychischen Strebungen werden dann letztlich als Kompensation genutzt, oftmals so lange, bis auch sie ihre vermeintlich positive Wirkung einbüßen. Tritt eine solche Lage eines ‚existenziellen Vakuums‘ ein – man kann dies auch Sinnkrise nennen – ist die logotherapeutische Arbeit die Therapiemethode der Wahl. Im Kontext der Krisenprävention ist die logotherapeutische Beratung die Gesprächsform, die einen Menschen für den Umgang mit Lebensbrüchen robust vorbereitet und derart kräftigt, dass derart kritische Ereignisse lebensdienlicher verarbeitet werden können.