Universelle Werte

Shalom Schwartz versteht sich als  Autor einer Theorie universeller menschlicher Werte. Dazu formuliert er die aus seiner Sicht diese elementare Eigenschaften von Werten:

  • Werte sind Überzeugungen
  • Werte betreffen wünschenswerte Ziele, die eine Person oder eine soziale Einheit erreichen möchte. Solche Werte motivieren sie zu entsprechenden Handlungen
  • Werte überdauern bestimmte Situationen und sind damit deutlich abstrakter als zum Beispiel Einstellungen, die sich immer auf Objekte beziehen
  • Werte sind Standards anhand derer Verhaltensweisen, Personen und Ereignisse bewertet werden
  • Werte sind nach Wichtigkeit geordnet, sie bilden Wertprioritäten ab
  • Werte sind Konzeptionen des Wünschenswerten

Wenn Werte auf Ziele gerichtet sind, die zu bestimmten Handlungen motivieren, dann folgert Schwartz, dass anhand der Art und des Inhalts eines motivationalen Zieles Werte voneinander unterschieden werden können  Diejenigen Werte, die ein Ziel verfolgen, können zu einem „Wertetyp“ zusammengefasst werden. Wertetypen sind Reaktionen auf drei universelle Bedürfnisse menschlicher Existenz: Biologische Bedürfnisse, die Notwendigkeit sozialer Interaktion und das Bedürfnis nach Funktionsfähigkeit und Überleben von Gruppen.

Auf Basis dieser Prämissen, die aus unserer Perspektive den Unterschied von wichtigen und wesentlichen Werten sowie die Bedeutung von Werte im Kontext der Sinnfindung vermissen lassen, wurden in groß angelegten Studien zehn Wertetypen heausdestilliert:

  1. Selbstbestimmung, Unabhängiges Denken und Handeln, Freiheit
  2. Kreativität, Unabhängigkeit,eigene Ziele wählen, Neugier, Stimulation
  3. Hedonismus, Freude und sinnliche Befriedigung, Genuss, Vergnügen
  4. Leistung Persönlicher Erfolg, Ambition, Einfluss, Können, Intelligenz, Selbstrespekt
  5. Macht, Sozialer Status, Dominanz über Menschen und Ressourcen, Besitz, Autorität, soziale Anerkennung
  6. Sicherheit und Stabilität der Gesellschaft, der Beziehung und des eigenen Selbst. Reziprozität von Gefallen erweisen, familiäre Sicherheit, Zugehörigkeitsgefühl
  7. Konformität, Unterdrückung von Handlungen und Aktionen, die sozialen Normen widersprechen, Gehorsam, Selbstdisziplin,Höflichkeit
  8. Tradition, Respekt, Verpflichtung gegenüber den kulturellen oder religiösen Bräuchen und Ideen, Bescheidenheit
  9. Erhaltung und Förderung des Wohlergehens von nahestehenden Menschen, Hilfsbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein, Vergebung, Ehrlichkeit, Loyalität, Liebe, treue Freundschaft, Solidarität
  10. Schutz für das Wohlbefinden aller Menschen und der Natur, Gleichheit, Weisheit, Verstehen, Toleranz, soziale Gerechtigkeit, Weltoffenheit, Umwelt schützen, Frieden

Schwartz sieht zwischen den Wertetypen wechselseitige Beziehungen, machchmal unterstützender, manchmal konfligierender Art. Die Wertetypen liegen ihrerseits in einem Werteraum mit den beiden Polen „Offenheit gegenüber Wandel“ und „Bewahrung“.

Wertetypen wie Selbstbestimmung oder Stimulation führen Menschen zu Handlungen, die ihre eigenen Interessen verfolgen. Die entgegengesetzten Wertetypen wie Konformität, Tradition oder Sicherheit führen zu einem Verhalten, den Umgang mit anderen Personen und Institutionen an den Gegebenheiten auszurichten.

Anders als Schwartz haben wir die im Rahmen einer Dudenanalyse zur Entwicklung des frei zugänglichen Tools ‚LebensWerte-Karten‘ die 412 im deutschen Sprachgebrauch gefundenen Wertebegriffe acht Werteclustern zuordnen können:

Stabilität – Veränderung
Leistung – Ruhe
Bindung – Trennung
Freiheit – Macht