Berge und Krisen – beide kennen ihre Regeln

Sich gut für Krisen zu rüsten ist vergleichbar mit einer Bergtour, von der man heil zurückkehren möchte. Paul Preuß, ein erfahrerer Alpinist, hat hierzu sechs Regeln verfasst, die wir auf den Krisenkontext übersetzen:

  1. „Bergtouren, die man unternimmt, soll man nicht gewachsen, sondern überlegen sein.“
  2. „Das Maß der Schwierigkeiten, die ein Kletterer im Abstieg mit Sicherheit zu überwinden im Stande ist und sich auch mit ruhigem Gewissen zutraut, muss die oberste Grenze dessen darstellen, was er im Aufstieg begeht.“
  3. „Die Berechtigung für den Gebrauch von künstlichen Hilfsmitteln entsteht daher nur im Falle einer unmittelbar drohenden Gefahr.“
  4. „Der Mauerhaken ist eine Notreserve und nicht die Grundlage einer Arbeitsmethode.“
  5. „Das Seil darf ein erleichterndes, niemals aber das alleinseligmachende Mittel sein, das die Besteigung der Berge ermöglicht.“
  6. „Zu den höchsten Prinzipien gehört das Prinzip der Sicherheit. Doch nicht die krampfhafte, durch künstliche Hilfsmittel erreichte Korrektur eigener Unsicherheit, sondern jene primäre Sicherheit, die bei jedem Kletterer in der richtigen Einschätzung seines Könnens zu seinem Wollen beruhen soll.“

    – Auf Krisen sollte man nicht mit psychischen Abwehrmechanismen reagieren, sondern mit einem tauglichen Handlungsmodell, das man präventiv vorbereitet hat.
    – Jeder Mensch hat eine sog. Dekompensationsgrenze, aber der es nicht mehr möglich ist, eine schwere Belastungssituation hinreichend konstruktiv zu gestalten. Wer diese Grenze nicht akzeptiert, gefährdet sich. Wer sie akzeptiert, der akzeptiert auch fremde Hilfe.
    – Künstliche Hilfsmittel sind in diesem Kontext zum Beispiel Beruhigungsmittel oder andere medizinische Stabilisierungsinterventionen. Müssen sie zum Einsatz kommen, dann ist dies ein Zeichen der Dekompensationsgrenze.
    – Sich in Krisen anderen Menschen anzuvertrauen, darf nicht damit gleichgesetzt werden, die Verantwortung für die Überwindung der Situation abzugeben.
    – Ein hilfsbereites Umfeld darf nicht dazu verleiten, sich auf es in allen Lebenslagen verlassen zu können. Die Verantwortung zum Handeln in einer Krise obliegt stets dem Betroffenen.
    – Und wieder ist es die Prävention, die empfohlen wird und die auch möglich ist. Wir empfehlen einen Blick auf unser Konzept Life2Me.