Archiv für den Autor: Ralph Schlieper-Damrich

Berge und Krisen – beide kennen ihre Regeln

Sich gut für Krisen zu rüsten ist vergleichbar mit einer Bergtour, von der man heil zurückkehren möchte. Paul Preuß, ein erfahrerer Alpinist, hat hierzu sechs Regeln verfasst, die wir auf den Krisenkontext übersetzen:

  1. „Bergtouren, die man unternimmt, soll man nicht gewachsen, sondern überlegen sein.“
  2. „Das Maß der Schwierigkeiten, die ein Kletterer im Abstieg mit Sicherheit zu überwinden im Stande ist und sich auch mit ruhigem Gewissen zutraut, muss die oberste Grenze dessen darstellen, was er im Aufstieg begeht.“
  3. „Die Berechtigung für den Gebrauch von künstlichen Hilfsmitteln entsteht daher nur im Falle einer unmittelbar drohenden Gefahr.“
  4. „Der Mauerhaken ist eine Notreserve und nicht die Grundlage einer Arbeitsmethode.“
  5. „Das Seil darf ein erleichterndes, niemals aber das alleinseligmachende Mittel sein, das die Besteigung der Berge ermöglicht.“
  6. „Zu den höchsten Prinzipien gehört das Prinzip der Sicherheit. Doch nicht die krampfhafte, durch künstliche Hilfsmittel erreichte Korrektur eigener Unsicherheit, sondern jene primäre Sicherheit, die bei jedem Kletterer in der richtigen Einschätzung seines Könnens zu seinem Wollen beruhen soll.“

    – Auf Krisen sollte man nicht mit psychischen Abwehrmechanismen reagieren, sondern mit einem tauglichen Handlungsmodell, das man präventiv vorbereitet hat.
    – Jeder Mensch hat eine sog. Dekompensationsgrenze, aber der es nicht mehr möglich ist, eine schwere Belastungssituation hinreichend konstruktiv zu gestalten. Wer diese Grenze nicht akzeptiert, gefährdet sich. Wer sie akzeptiert, der akzeptiert auch fremde Hilfe.
    – Künstliche Hilfsmittel sind in diesem Kontext zum Beispiel Beruhigungsmittel oder andere medizinische Stabilisierungsinterventionen. Müssen sie zum Einsatz kommen, dann ist dies ein Zeichen der Dekompensationsgrenze.
    – Sich in Krisen anderen Menschen anzuvertrauen, darf nicht damit gleichgesetzt werden, die Verantwortung für die Überwindung der Situation abzugeben.
    – Ein hilfsbereites Umfeld darf nicht dazu verleiten, sich auf es in allen Lebenslagen verlassen zu können. Die Verantwortung zum Handeln in einer Krise obliegt stets dem Betroffenen.
    – Und wieder ist es die Prävention, die empfohlen wird und die auch möglich ist. Wir empfehlen einen Blick auf unser Konzept Life2Me.

Zum Jahresbeginn

Wenn sich Augen öffnen
und den jungen Tag begrüßen

wenn sich Lippen öffnen
und den jungen Tag begrüßen

wenn sich Herzen öffnen
und den jungen Tag begrüßen

wenn offene Arme
dem jungen Tag die Hoffnung geben

wenn offene Worte
dem jungen Tag die Wärme geben

wenn offene Herzen
dem jungen Tag die Liebe geben

Wenn sich wache Augen hoffend in den Armen liegen
wenn sich wache Lippen wärmend in die Worte fallen
wenn sich wache Herzen liebend in die Herzen schließen
wenn der junge Tag so reift, so reift, so reift.

Anonym

Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen,
die dem Leben seinen Wert geben. 

Wilhelm Freiherr von Humboldt

Die KrisenPraxis wünscht allen Leserinnen und Lesern ein krisenbefreites 2018.

 

Wir ziehen um

Die kommenden Monate lang ruht die Krisenpraxis. Aber wir ruhen uns nicht aus, denn wir beginnen nun auch mit der Planung unseres privaten Umzugs nach Augsburg. Und da kommt mächtig Arbeit auf uns zu.

Wir melden uns zwischendurch sicher mit der ein oder anderen Nachricht. Aber offiziell dann erst wieder am 1.5.2018

Wirkfaktoren der Psychotherapie

Klaus Grawe, Psychotherapieforscher, hat fünf zentrale Wirkfaktoren herausgearbeitet, die eine psychotherapeutisch erfolgreiche Behandlung eines Patienten beeinflussen. Es sind:

  • Therapeutische Beziehung: Die Qualität der Beziehung zwischen dem Therapeuten und dem  Klienten trägt signifikant zu einem besseren oder schlechteren Therapieergebnis bei.
  • Ressourcenaktivierung: Die Eigenarten, die die Patienten in die Therapie mitbringen, werden als positive Ressource für das therapeutische Vorgehen genutzt. Das betrifft vorhandene motivationale Bereitschaften, Fähigkeiten und Interessen der Patienten.
  • Problemaktualisierung: Die Probleme, die in der Therapie verändert werden sollen, werden unmittelbar erfahrbar. Das kann z.B. dadurch geschehen, dass Therapeut und Klient reale Situationen aufsuchen, in denen die Probleme auftreten, oder dass sie durch besondere therapeutische Techniken die Probleme erlebnismäßig aktualisieren.
  • Motivationale Klärung: Die Therapie fördert mit geeigneten Maßnahmen, dass der Patient ein klareres Bewusstsein der Determinanten (Ursprünge, Hintergründe, aufrechterhaltende Faktoren) seines problematischen Erlebens und Verhaltens gewinnt.
  • Problembewältigung: Die Behandlung unterstützt den Patienten mit bewährten problemspezifischen Maßnahmen (direkt oder indirekt) darin, positive Bewältigungserfahrungen im Umgang mit seinen Problemen zu machen.

In unserer therapeutischen Arbeit orientieren wir uns an diesen klugen Maßstäben. Sei es im Therapiekonzept der Logotherapie oder im Therapiekonzept der Logotherapie mit integierten Interventionen aus der Schematherapie [Weiterentwicklung der Verhaltenstherapie]

Universelle Werte

Shalom Schwartz versteht sich als  Autor einer Theorie universeller menschlicher Werte. Dazu formuliert er die aus seiner Sicht diese elementare Eigenschaften von Werten:

  • Werte sind Überzeugungen
  • Werte betreffen wünschenswerte Ziele, die eine Person oder eine soziale Einheit erreichen möchte. Solche Werte motivieren sie zu entsprechenden Handlungen
  • Werte überdauern bestimmte Situationen und sind damit deutlich abstrakter als zum Beispiel Einstellungen, die sich immer auf Objekte beziehen
  • Werte sind Standards anhand derer Verhaltensweisen, Personen und Ereignisse bewertet werden
  • Werte sind nach Wichtigkeit geordnet, sie bilden Wertprioritäten ab
  • Werte sind Konzeptionen des Wünschenswerten

Wenn Werte auf Ziele gerichtet sind, die zu bestimmten Handlungen motivieren, dann folgert Schwartz, dass anhand der Art und des Inhalts eines motivationalen Zieles Werte voneinander unterschieden werden können  Diejenigen Werte, die ein Ziel verfolgen, können zu einem „Wertetyp“ zusammengefasst werden. Wertetypen sind Reaktionen auf drei universelle Bedürfnisse menschlicher Existenz: Biologische Bedürfnisse, die Notwendigkeit sozialer Interaktion und das Bedürfnis nach Funktionsfähigkeit und Überleben von Gruppen.

Auf Basis dieser Prämissen, die aus unserer Perspektive den Unterschied von wichtigen und wesentlichen Werten sowie die Bedeutung von Werte im Kontext der Sinnfindung vermissen lassen, wurden in groß angelegten Studien zehn Wertetypen heausdestilliert:

  1. Selbstbestimmung, Unabhängiges Denken und Handeln, Freiheit
  2. Kreativität, Unabhängigkeit,eigene Ziele wählen, Neugier, Stimulation
  3. Hedonismus, Freude und sinnliche Befriedigung, Genuss, Vergnügen
  4. Leistung Persönlicher Erfolg, Ambition, Einfluss, Können, Intelligenz, Selbstrespekt
  5. Macht, Sozialer Status, Dominanz über Menschen und Ressourcen, Besitz, Autorität, soziale Anerkennung
  6. Sicherheit und Stabilität der Gesellschaft, der Beziehung und des eigenen Selbst. Reziprozität von Gefallen erweisen, familiäre Sicherheit, Zugehörigkeitsgefühl
  7. Konformität, Unterdrückung von Handlungen und Aktionen, die sozialen Normen widersprechen, Gehorsam, Selbstdisziplin,Höflichkeit
  8. Tradition, Respekt, Verpflichtung gegenüber den kulturellen oder religiösen Bräuchen und Ideen, Bescheidenheit
  9. Erhaltung und Förderung des Wohlergehens von nahestehenden Menschen, Hilfsbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein, Vergebung, Ehrlichkeit, Loyalität, Liebe, treue Freundschaft, Solidarität
  10. Schutz für das Wohlbefinden aller Menschen und der Natur, Gleichheit, Weisheit, Verstehen, Toleranz, soziale Gerechtigkeit, Weltoffenheit, Umwelt schützen, Frieden

Schwartz sieht zwischen den Wertetypen wechselseitige Beziehungen, machchmal unterstützender, manchmal konfligierender Art. Die Wertetypen liegen ihrerseits in einem Werteraum mit den beiden Polen „Offenheit gegenüber Wandel“ und „Bewahrung“.

Wertetypen wie Selbstbestimmung oder Stimulation führen Menschen zu Handlungen, die ihre eigenen Interessen verfolgen. Die entgegengesetzten Wertetypen wie Konformität, Tradition oder Sicherheit führen zu einem Verhalten, den Umgang mit anderen Personen und Institutionen an den Gegebenheiten auszurichten.

Anders als Schwartz haben wir die im Rahmen einer Dudenanalyse zur Entwicklung des frei zugänglichen Tools ‚LebensWerte-Karten‘ die 412 im deutschen Sprachgebrauch gefundenen Wertebegriffe acht Werteclustern zuordnen können:

Stabilität – Veränderung
Leistung – Ruhe
Bindung – Trennung
Freiheit – Macht

Der Sinn als Mitglied des inneren Teams

communicare „teilen, mitteilen, teilnehmen lassen; gemeinsam machen, vereinigen“

Wir können nicht nicht gegenüber anderen Menschen kommunizieren.
Wir können nicht nicht mit uns selbst kommunizieren.
Kommunikation ist alles und überall. Das macht es nicht immer wirklich leichter.

Im Rahmen unseres Einzelcoachings:

  • können Sie sich Ihre inneren Dialoge (Selbstkommunikation) bewusst machen und dabei zwischen förderlichen und hinderlichen Mustern unterscheiden
  • können Sie sich Ihren Glaubenssätzen nähern und beginnen, sich von einst verinnerlichten Altlasten zu befreien
  • können Sie eine Verbindung herstellen zwischen Ihren Werten, die einen Beitrag dafür leisten, Einstellungen und Haltungen zu prägen, die ihrerseits zu Verhaltensmustern und Kommunikationsstilen führen
  • können Sie lernen, effektiver zu fragen
  • können Sie Ihre non-verbale Kommunikation (Körpersprache) studieren und verbessern
  • können Sie Ihr Kommunikationsbedürfnis und das anderer Menschen erkunden und üben, wie sich Stress durch Kommunikation vermeiden läßt

Soviel zum Werbeblock.


Wenn man sich mit Kommunikation und dem Phänomen des inneren Dialogs befasst, kommt man am Konzept des ‚Inneren Teams‘ von Friedemann Schulz von Thun nicht vorbei: 

„Die Erkenntnis, dass die menschliche Seele eine faszinierende innere Gruppendynamik aufweist und die Entdeckung, dass die dort waltenden Verhältnisse eine erstaunliche Analogie zu denen in realen Gruppen und Teams aufweisen, haben mich dazu gebracht, die Metapher vom „Inneren Team“ zu formulieren und zur Grundlage meines Menschenbilds und meiner kommunikationspsychologischen Beratung zu machen.“

Das Modell betrachtet die „Innenseite“ der Kommunikation, denn ein Miteinander und Gegeneinander findet nicht nur zwischen Menschen, sondern auch innerhalb des Menschen statt. Meist gibt es mehrere innere Stimmen, die sich zu einem bestimmten Thema äußern, die sich miteinander selten einig sind und die alles daran setzen, auf unser Verhalten und unser Handeln Einfluss zu nehmen.

Das Modell des Inneren Teams beinhaltet sechs Lehren:

1) Lehre von der inneren Pluralität des Menschen
(innere Reaktionen auf andere Menschen oder Ereignisse erfolgen meist gemischt, undeutlich, in Form eines „hin-und hergerissen“)

2) Lehre von der inneren Führung
(wenn es ans Entscheiden geht, dann behält das „innere Oberhaupt“ das letzte Wort)

3) Lehre vom inneren Konfliktmanagement
(Gegensätze und Spannungen werden vom inneren Konfliktmanager gemanagt – er besitzt mehr oder weniger die Tugend der Verständigungsbereitschaft, die Fähigkeit, die Perspektive des anderen einzunehmen, den Willen zum Sinn)

4) Lehre vom Aufbau der Persönlichkeit
(das innere Team kennt „Stammspieler“, „Ersatzbank“, „Schiedsrichter“, „Publikum“, und so weiter)

5) Lehre von der Variation innerer Aufstellungen
(ein Mensch variiert je nach Kontext in seinem Kommunikationsverhalten – und wirkt dabei zuweilen unberechenbar)

6) Lehre vom Gehalt einer Situation
(der Mensch setzt spontan Schwerpunkte – innerhalb einer kurzen Situation kann es aufgrund des inneren Teams zu stimmigen oder konfliktären Kommunikationsmustern kommen)

Für die sinnzentrierte Arbeit mit Menschen ist sind hiervon die zweite und sechste ‚Lehre‘ von besonderer Bedeutung. Das innere Oberhaupt ist für uns das Sinn-Organ, das Gewissen. Unter dem ‚Gehalt einer Situationen‘ verstehen wir den bestenfalls gegebenen Situationssinn oder – negativ – den sich in Situationen nicht allzu selten auch zeigende ‚Unsinn‘.
Da wir den Menschen als sinnstrebig verstehen, es für ihn also in der Welt immer auch jederzeit einen Sinn gibt, so lässt sich dieser auch – im Verständnis der fünften Lehre – als innerer Repräsentant aufstellen. Eine solche Sinn-Aufstellung gehört zu den von uns im Werte- und Sinncoaching sowie im Krisenpräventionscoaching eingesetzten Standardinterventionen.

Wer kämpft, kann verlieren.
Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Bertolt Brecht