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Wie sind die Etappen einer Schematherapie?

Hinter allen Schemata stehen unerfüllte Bedürfnisse in der Kindheit, sei es das Verlangen nach Sicherheit, Fürsorge, Grenzziehung u.a.. Die Gründe, warum die Bedürfnisse des Kindes nicht befriedigt wurden, können nicht pauschal damit erklärt werden, dass ihm willentlich Schaden zugefügt wurde. Oft kann sich der heute Erwachsene durchaus erklären, warum es ‚damals so war, wie es war‘. Dennoch hat der einst vollzogene Prozess, mit der Situation als Kind fertig zu werden, nach und nach zu einem Muster, einem Schema geführt. Da dieses Schema für ein gelingendes Leben heute unvorteilhaft ist, es sogar stark behindern kann, empfiehlt sich seine Schwächung. Das heißt: Der Mangel an der Befriedigung früherer kindlicher Bedürfnisse lässt sich zwar nicht mehr ‚gutmachen‘, aber so gestalten, dass Menschen heute besser mit ihren Lebenserfahrungen umgehen und sich aktiv aus ihren – auch weiterhin aktiven – Schemata loslösen können.

Ein schematherapeutischer Prozess beginnt daher mit einer Einschätzung des Therapeuten, ob die Arbeitsform für die Person geeignet ist und mit einer umfassenden Aufklärung des Patienten über die Etappen der therapeutischen Begleitung. Es folgt die Identifikation heutiger dysfunktionaler Lebensmuster und – mit Hilfe entsprechender diagnostischer Verfahren – die Klärung der individuellen psychischen Reaktionen bei der Aktivierung eines kontraproduktiven Schemas. Der Therapeut entwirft anhand dieser Daten sein Fallkonzept, also die Grundlage seiner weiteren therapeutischen Arbeitsplanung. Dieses Konzept wird dem Patienten transparent gemacht und erklärt. Durch die nächsten Sitzungen versteht der Patient immer besser, wie es zur Entstehung des oder der Schemata kam und reflektiert die bisher vollzogenen Bewältigungsstile und deren Bewältigungsreaktionen bei sich und im persönlichen Umfeld. Konkrete, auf die Persönlichkeitsstruktur gefasste Handlungs- und Verhaltensempfehlungen werden gegeben und deren Umsetzung in den Sitzungen besprochen.

Schemata und Lebensfallen

In der Schematherapie arbeiten wir an den Verhaltens- und Handlungsmustern, die sich – individuell auf unterschiedliche Weise – als ‚Lebensfallen‘ zeigen und als Belastung wahrgenommen werden. Natürlich gibt es auch positive Schemata – nur: diese sind nicht der Anlassfür eine Therapie, jedoch sehr wohl auch ein Thema in der Therapie.

Dr. Jeffrey Young & Coll. haben in ihren wissenschaftlichen Forschungen 18 negative Schemata ausdifferenziert:

Das Grundbedürfnis nach Bindung berührt diese Schemata:

  • Instabilität/Verlassenheit: Hier ist der Mensch davon überzeugt, dass wichtige Beziehungen nicht halten werden. Damit ist die Angst verknüpft, verlassen oder enttäuscht zu werden. Die Betroffenen suchen sich zumeist Partner, die dann tatsächlich unzuverlässig sind und damit das Schema aktivieren.
  • Emotionale Entbehrung und Vernachlässigung: Hier berichten Menschen, dass sie über weite Strecken ihres [Kindes-]Lebens niemanden hatten, der sich für ihre wahren Gedanken, Empfindungen und Bedürfnisse interessiert oder in sie eingefühlt hat.
  • Misstrauen / Missbrauch: Bei diesem Schema ist der Mensch sehr vorsichtig, da er befürchtet, von anderen absichtlich verletzt oder missbraucht zu werden. Erscheint eine andere Person freundlich, so vermutet der Mensch dahinter ein bestimmtes Kalkül.
  • Unzulänglichkeit / Scham: Wenn ein Mensch das Gefühl hat, die Liebe, Aufmerksamkeit oder den Respekt von anderen nicht zu verdienen, auch wenn diese sich wirklich sehr bemühen, dann greift dieses Schema.
  • Soziale Isolation: Hier hat ein Mensch das Gefühl, in keine Gruppe zu gehören und keine gelingende Verbindung zu anderen aufbauen zu können.

Das Grundbedürfnis nach Autonomie und Kontrolle berührt diese Schemata:

  • Abhängigkeit / Inkompetenz: Wenn ein Mensch glaubt, hilflos und nicht imstande zu sein, ohne Hilfe anderer Entscheidungen treffen oder Handlungen durchführen zu können, dann kann dies auf dieses Schema hindeuten.
  • Verstrickung: Hier zeigt ein Mensch das Muster, sich selbst kaum zu kennen und sich laufend mit anderen Personen und deren Lebensweisen zu ‚verstricken‘, sich an sie zu ‚klammern‘ – letztlich um sich über diesen Weg selbst zu definieren.
  • Anfälligkeit für Schädigungen oder Krankheit: Hier fürchten sich Menschen auf unrealistische Weise vor Krankheiten, Katastrophen oder Krisen.
  • Versagen / Erfolgslosigkeit: Wer glaubt, dass er niemals Erfolg haben wird oder weniger Talent oder Intelligenz besitzt als die meisten anderen Menschen, der aktiviert womöglich dieses Schema.

Das Grundbedürfnis nach Begrenzung berührt diese Schemata:

  • Grandiosität / Besonders sein: Hier finden sich Menschen, die heftig reagieren, wenn sie in ihrer Autonomie eingeschränkt oder gebremst werden. Sie finden, dass Regeln und Vereinbarungen, die in der Gesellschaft gelten, von ihnen nicht zu befolgen sind.
  • Ungenügende Selbstkontrolle / – Selbstdisziplin: Menschen, denen es an Selbstdisziplin derart mangelt, dass sie Hindernisse oder Schwierigkeiten in täglichen Themen mit ‚aufgeben‘ beantworten und von Dritten oft als faul angesehen werden, haben möglicherweise dieses Schema aktiv.

Das Grundbedürfnis nach Selbstwert berührt diese Schemata:

  • Unterwerfung / Unterordnung: Hier sehen wir Menschen, die in Beziehungen stets anderen die ‚Leitung‘ überlassen – sie wollen unbedingt gefallen, um nicht zurückgewiesen zu werden.
  • Aufopferung: Dieses Schema beschreibt Menschen, die sich schuldig fühlen, wenn sie den Bedürfnissen anderer nicht mehr Bedeutung beimessen als ihren eigenen. Meist kümmern diese Menschen sich extrem um ihnen nahestehende Personen.
  • Streben nach Anerkennung: Menschen, die immer darauf bedacht sind, einen guten Eindruck zu machen, höchsten Wert auf äußere Erscheinung und sozialen Status legen, aktivieren womöglich dieses Schema.

Das Grundbedürfnis nach Lust oder Unlustvermeidung berührt diese Schemata:

  • Unerbittliche Standards und Ansprüche: In allem der oder die Beste sein zu müssen, sich stets aufgefordert zu fühlen, Sachen zu erledigen und Ziele zu erreichen – auch auf Kosten der Beziehungen.
  • Negativität / Pessimismus: Wenn Menschen zuerst Schlechtes, Enttäuschendes, Verfehltes sehen und sich fürchten, gravierende Fehler zu machen, dann ist dieses Schema aktiv.
  • Emotionale Gehemmtheit: Angst vor dem ‚Gefühle zeigen‘, vor dem Spontanen – dafür das Gespräch über Unwichtiges – dies zeichnet dieses Schema aus.
  • Bestrafungsneigung: Wenn der Mensch meint, dass selbst winzige Fehler zu sanktionieren sind, dabei sehr hohe Ansprüche hat und deshalb Schwächen nicht hinnehmen kann, dann zeigt sich dieses Schema.

Schematherapie – die Weiterentwicklung der Verhaltenstherapie

Die Schematherapie – sie integriert auf intelligente Weise Aspekte der kognitiven Verhaltenstherapie, der Tiefenpsychologie und der Gestalttherapie – befasst sich im Speziellen mit Handlungsmustern, die für ein angemessenes, erwachsenes und erfreuendes Leben unzuträglich sind. Viele Menschen folgen solchen Mustern, die sie in früher Kindheit angelegt haben. Heute beeinflussen diese ‚Schemata‘ als ‚Lebensfallen‘ die täglichen Entscheidungen, die empfundenen Gefühle, die Gestaltung von Beziehungen und das Bild, das ein Mensch von sich selbst hat.

Jeffrey Young (*1950) ist Begründer der Schematherapie, einer Weiterentwicklung der Kognitiven Verhaltenstherapie, die bei Persönlichkeitsstörungen und chronischen Depressionen zum Einsatz kommt. Er lehrt an der Fakultät der Psychiatrischen Abteilung der Columbia University. Er ist Gründer und Leiter des Cognitive Therapy Center in New York und Connecticut und des Schema Therapy Institute in New York City. Das Konzept wurde in Deutschland maßgeblich von Dr. Eckhard Roediger eingeführt.

Die Literatur ist u.a. erhältlich auf www.deutschesfachbuch.de

Dr. phil. Ralph Schlieper-Damrich

Schematherapie als geeignete ‚Partnerin‘ der Logotherapie

‚Soviel Selbstreflexion wie nötig, so wenig wie möglich.‘ Dieser Grundsatz ist einer der zentralen Arbeitshaltung in der Logotherapie. Auf der Suche nach Sinn für ein gelingendes [Weiter-]Leben stoßen unsere Klienten manchmal auf Lasten in ihrer Vergangenheit, deren Bedeutung sie für ihre aktuelle Krisensituation als so erheblich einschätzen, dass es sich verbietet, diese Themen dauerhaft auszublenden.

Als wirkungsvolle ‚Partnerin‘ der Logotherapie setze ich in solchen Phasen der Zusammenarbeit die Erkenntnisse der ‚Schematherapie‘ ein. Weiterlesen