Balance zwischen Nähe und Distanz

„Wenn Du einen Menschen, der im Schlamm und Morast zu versinken droht, helfen willst und ihn heben möchtest und das ist Dir ein echtes Anliegen, so kannst Du nicht oben bleiben und ihm Deine Hand ausstrecken. Du musst zu ihm hinuntersteigen, ganz zu ihm gehen in den Schlamm und den Morast und dort beginnen. Dort muss Du ihm die Hand geben, eine starke Hand und Dich mit ihm zusammen hinaus in das Licht ziehen.“

Dieser Satz von Martin Buber macht deutlich, dass therapeutische Begleitung zwar einerseits professionelle Distanz erfordert – eine Verstrickung des Therapeuten in die krisenbewirkende Lebenswelt des Klienten ist nicht hilfreich. Andererseits darf die gegebene aktuelle Unversehrtheit des Therapeuten den Klienten nicht zusätzlich zu seinem ohnehin empfundenen Leid als Last erscheinen. Diese Gratwanderung ist stets situativ neu zu entscheiden.