Krise: Arbeitslosigkeit [Teil 2]

Sicher, es gibt Situationen, in denen das eigene Wissen und Können nicht mehr ausreicht, den Anforderungen eines Arbeitsplatzes zu genügen. Folgt diesem Zustand eine Arbeitsplatzlosigkeit, dann wird der Mensch – will er einen neuen Arbeitsplatz einnehmen – einen Prozess in Gang setzen müssen, der womöglich im Sinne individueller Krisenprävention bereits weit früher hätte begonnen werden sollen/können: einen Lernprozess.

Die Einwände, warum ein solches Lernen nicht stattfand, sind bunt und facettenreich. Sind alle ausgesprochen, so bleibt die schlussendliche Erkenntnis jedoch meist gleich: Ich bin frei und verantwortlich dafür, spätestens jetzt einen Lernprozess in Gang zu setzen, der Aussicht darauf hat, mir ein gelingendes weiteres Arbeitsleben zu ermöglichen. Dass Menschen bei diesen Überlegungen oftmals einer Unterstützung bedürfen, macht die grundsätzlich erforderliche Einstellungsänderung nicht überflüssig: Die Einstellung, lernen zu wollen! Ist dieser Wille nicht gegeben, hilft auch die Erkenntnis nicht, lernen zu müssen.

Lernen wollen – das klingt doch so leicht und ist doch so schwer. Erst musste der Schock des Arbeitsplatzverlustes verarbeitet werden, dann wird offenkundig, dass der Optimismus ‚ich werde schon etwas Neues finden‘ gegen einen Realismus ‚meine Erfahrungen und mein Können reichen nicht aus‘ weichen muss. Damit nicht genug, erschöpfen sich viele Tage im Warten auf Reaktionen auf Bewerbungen, im ‚Sich-Ablenken‘ mit Tätigkeiten im privaten Umfeld, letztlich im Gefühl, sukzessive an ‚Marktwert‘ zu verlieren. Man verliert nicht nur Aufgaben, sondern auch Vernetzungen, Kommunikationsflüsse, mentale Fitness, persönliche Ansprache. Das Themenspektrum reduziert sich, auf Reaktionen im Freundes- und Bekanntenkreis braucht man nicht lange zu warten. Seelisch treten Gefühle von Schuld, Verunsicherung, Verletzbarkeit, Hilflosigkeit, Resignation und Verzweiflung auf, die Stimmung trübt sich ein, Krankheiten klopfen an die Tür. Und dann auch noch ‚Lernen wollen‘? Noch eine Unsicherheit ertragen? Was soll ich lernen, wie soll ich lernen, wozu soll ich lernen?

Wie wäre es also, präventiv ins ‚gewollte Lernen‘ zu investieren? Dazu dient eine deutlich marktwirtschaftliche Betrachtung. Jeder Mensch hat ein immaterielles Vermögen – bestehend aus verschiedenen Wissensarten, Expertise, Geschick, Kompetenzen … Dieses Vermögen setzt der Mensch täglich ein – sein individuelles ‚Geschäftsmodell‘ wird täglich erlebbar, von Vorgesetzten, Kollegen, Mitarbeitern, Netzwerkpartnern … 

Dazu nun eine vielleicht unangenehme aber zweckdienliche Übung; Zerstören Sie Ihr Geschäftsmodell. Fragen Sie sich, was geschehen könnte, so dass es an Substanz, an Wert, an Bedeutung für Ihren ‚Markt‘ [Ihr Unternehmen, Ihre Kunden, Ihre Geschäftspartner, …] radikal und schnell verliert. Wenn Ihnen Ihre Ideen dazu ausgehen, dann stellen Sie diese Frage einem Menschen Ihres Vertrauens, der Sie und Ihr ‚Vermögen‘ kreativ und mutig in Frage stellt. Hören Sie nur zu. Erwidern Sie nicht, kommentieren SIe nicht, rechtfertigen Sie nicht, bewerten Sie nicht. Hören SIe nur zu und bedanken sich für diese Blickwinkel. Und dann schauen Sie in den kommenden Tagen und Wochen in Ihrem Umfeld, wessen ‚Geschäftsmodell‘ nicht mehr tragfähig ist, wer kritisiert wird, wer dabei ist, Anschluss zu verlieren. Schauen Sie besonnen auf diese Person, von der Sie dachten ’so etwas könnte diesem Menschen doch nie passieren‘. Und dann nehmen Sie die Rolle eines ‚guten Geistes‘ ein und überlegen Sie, was Sie dieser Person empfohlen hätten, frühzeitig zu lernen, damit sie gut gerüstet ist für die Veränderungen, die ihr heute als Auslöser ihrer Belastungssituation widerfahren. Mit dieser ‚Vorbereitung‘ schauen Sie nun auf Ihr eigenes ‚Geschäftsmodell‘ und die von Ihrem Gesprächspartner entworfenen ‚Problemfelder‘ und Anregungen zum Lernen.