Krisenmuster 1: Nichts tun und endlos hoffen

Wenn ich mit Menschen im Coaching an ihren Krisen arbeite, dann oft in einem Stadium, in denen sie bereits versucht haben, mit gewohnten Verhaltensweisen ihrer Lage wieder Herr zu werden, dieses Verhalten jedoch nicht die erwünschte befreiende WIrkung gehabt hat. Das bisherige Verhalten zu würdigen als eines, das in anderen Situationen womöglich recht passend war, sich nun aber als wirkungslos erweist, erleichtert die Bereitschaft zu einer Art ‚Musterbrechung’. Mit dem damit verbundenen Lernprozess soll der Mensch  dazu angeregt werden, ein ihm geläufiges und vertrautes Verhaltensmuster zum Zwecke der Krisenbewältigung partiell aufzugeben. Das ist leichter gesagt als getan und nur dann selbstmotiviert möglich, wenn der Mensch einen höheren Sinn in diesem Veränderungsprozess erkennen kann. Ist dieser Sinn von ihm noch nicht gefunden, so besteht das Risiko, dass er mit ‚widersinnigen‘ [da für diese Situation nicht geeigneten] Methoden [weiterhin] versucht, der Umbruchsituation zu begegnen.

Sechs dieser Krisenmuster habe ich aus der jahrzehntelangen Arbeit mit Krisenbetroffenen destilliert und daraus als Modell den ‚Sechskant-Krisenschlüssel’ entworfen. Sind eine oder mehrere der ‚Kanten’ zu stark entwickelt [da in anderen Lebenssituationen dauerhaft und wahrscheinlich auch erfolgreich in Anwendung], zeigt sich der Mensch ‚kantig’ und kann seine schwierige Situation nicht mehr angemessen und geschmeidig ‚lösen’. 

6Kantschlüssel

Krisenmuster 1: Nichts tun und endlos hoffen

Diese ‚Krisenpersönlichkeit’ zeigt eine phlegmatische Abwartehaltung. In der Hoffnung, die Belastungssituation würde sich womöglich von ‚Geisterhand’ auflösen, verpasst der ‚Krisenaussitzer’ wichtige Zeitpunkte, um aktiv und selbstverantwortlich zu handeln. Ihr vertraute Personen haben vergeblich versucht, sie zu deutlichen Entscheidungen und Aktionen zu bewegen – das Ergebnis sind tendenziell halbherzige Schritte, ein ‚Sich-Verzetteln’ in wenig wirkungsvollen Maßnahmen und eine Reduzierung der Kommunikation auch mit wohlgesinnten, konstruktiven Gesprächspartnern. Im Krisencoaching gilt es, die Beratungsresistenz, Inaktion und Vorsicht durch eine profunde und direktive Unterstützung mit konkreten Arbeits- und Zeitplänen und einem eng getakteten Monitoring der vereinbarten Aktivitäten zu steuern, ohne dabei den Klienten zu überfordern oder ihn in eine Abhängigkeit vom Coach zu lenken. Anzuerkennen ist, dass die Haltung ‚In der Ruhe liegt die Kraft’ den Klienten vor vorschnellen Taten bewahrt. Sie sollte als Ressource für die Momente im Coaching ‚geparkt’ werden, in denen es zum Beispiel um finale existenzielle Entscheidungen geht.