Krisenmuster 3: Inszenieren und kräftig übertünchen.

Die Krise als Theaterspiel – mit Grandezza, Dramatik oder einem enormen rhetorischen Aufwand verleiht dieser ‚Krisenakrobat’ seiner Belastungssituation nach außen fast eine gewisse spielerisch-trotzige Leichtigkeit. Gewähren ihm vertraute Personen keinen Beifall für seine Bemühungen der Krisenlösung, sondern sprechen ihn auf ein höheres Maß an Eigenverantwortlichkeit an, versteht er sich darauf, die Schuld für die eingetretene Situation bei anderen zu suchen und zu finden. Eine reflexive sachliche Auseinandersetzung mit den eigenen Anteilen wird zurückgestellt – zu wuchtig wäre wohl der Schmerz. Lieber greift der Krisenluftikus zu Ablenkungen aller Art, bis seine Ausblendungsmethoden nicht mehr greifen und er ‚bei aller Freundschaft’ aufgefordert wird, endlich Position zu beziehen und einen Beitrag zur konstruktiven Veränderung der Situation zu leisten. Im Krisencoaching gilt es, die Realitätsresistenz, Naivität und Trotzigkeit durch eine ermutigende, ernstnehmende Unterstützung mit bildhafter Gesprächsführung zu steuern. Dem Klienten ist zu helfen, ‚passende’ Worte für seine Situation sowie eine souveräne Haltung im Umgang mit Mensch und Thema zu finden. In enger Taktung der Coachingsitzungen soll der Klient spüren, dass seine Kompetenzentfaltung im Vordergrund steht, er dabei nicht karikiert oder belächelt wird und der Coach ihn in seiner Ergebnisverantwortung stärkt. Anzuerkennen ist, dass die Haltung ‚Unter den Menschen gibt es viel mehr Kopien als Originale‘ [Picasso] den Klienten davor bewahrt, fremdbestimmenden ‚Einflüsterungen’ von Dritten zu folgen. Sie sollte als Ressource für die Momente im Coaching ‚geparkt’ werden, in denen es zum Beispiel um Wahrnehmungsvielfalt und Handlungsflexibilität in wichtigen Entscheidungen geht.