Krisenmuster 4: Grübeln und mustergültig sezieren.

Eine Krise muss man doch ‚verstehen’ können: Mit einem genauen Lageplan, einer tiefen Analyse des Geschehens und einem Hin-undher-Abwägen besticht dieser ‚Krisentyp’, ohne dabei überzeugend vermitteln zu können, wie der konkrete nächste Schritt denn ausschauen soll. Das, was war, ist klar – was sein soll, noch diffus. Die Krise wird als Verlustereignis erlebt und darüber muss trefflich immer wieder nachgedacht werden. Meist findet der Krisengrübler alle möglichen ‚Wenn das nicht gewesen wäre, dann wäre …’-Gründe für seine Last. Raten ihm vertraute Personen zu einem ‚Weniger-ist-mehr’ und zu einer gewissen Leichtigkeit im Umgang mit der Situation, dann werden sie mit einem ‚Was versteht ihr denn schon?’ oder einem ‚Das geht nicht, weil …’ in ihre Denkschranken verwiesen. Irrationalem wie das Angebot, den eigenen Gefühlen mehr Raum zu geben, wird oftmals schroff widersprochen, denn nur ein kühler Kopf sei in der Lage, alles zu überblicken und in dieser besonderen Situation keinen Fehler zu machen. Gerät das eigene Denkmuster quälend an sein Ende, müssen Profis her, die ebenso analytisch-genau exzellente Ideen entwerfen. Greifen auch diese nicht, dann findet sich endlich ein Grund, um aufzugeben und an der Welt zu verzweifeln. Im Krisencoaching empfiehlt sich, der Handlungsresistenz, Deutungsüberschärfe und kognitiven Selbstüberforderung durch eine aktivierende, mehrperspektivische Unterstützung mit humorvoller Gesprächsführung entgegenzusteuern. Indem der Klient in seiner Distanzierung von seinen mentalen, festen Denkstrukturen zeitlich engmaschig begleitet wird, erhöht sich die Chance einer Verbesserung der krisenhaften Situation durch neuartige Handlungsweisen. Der Coach vermittelt respektvoll Anerkennung für die bisherigen Anstrengungen und bekräftigt den Mut zum Perspektivenwechsel. Anzuerkennen ist, dass die Haltung ‚Es kann mich niemand daran hindern, über Nacht klüger zu werden.’ [Adenauer] den Klienten immer wieder anregt, nachzufragen und ein umfassendes Verständnis zum Beispiel über die psychischen  orgänge aufzubauen. Sie sollte als Ressource für die Momente im Coaching ‚geparkt’  werden, in denen es zum Beispiel um vernünftige Argumentation und Risikoeinschätzung in relevanten Entscheidungen geht.