Krisenmuster 5: Opfern und alles geben.

Zeigt eine Person dieses ‚Krisenprofil’, dann erlebt man einen Menschen, der sich einerseits sehr über das Ungemach in der Welt ärgern kann, dann andererseits aber auch bereit ist, eben dieser ‚Welt’ alles zu geben, damit eine Belastungssituation nur bald endet und wieder friedliches Fahrwasser erreicht wird. Dass ebendiese Haltung, es allen recht machen zu wollen – möglicherweise sogar sich schuldig zu fühlen oder etwas zu bekennen, wo eigenes Fehlverhalten gar nicht vorliegt –, einen wesentlichen Anteil am Krisengeschehen haben kann, ist für den ‚Krisenharmoniker’ kaum zu glauben. Kritisieren vertraute Personen diese Haltung und raten zu ‚gesunder Distanz’, dann fühlt sich die Person meist verunsichert, zu Selbstzweifeln neigend und ungeliebt. Ihrem Muster folgend, versucht sie, die eigene Traurigkeit durch eine überstarke Zuwendung auch zu den Akteuren im Krisensystem zu verdecken. Dieses durchsichtige Manöver führt zügig in eine Teufelsspirale, an dessen Ende eine zutiefst deprimierte und sich selbst verletzende Person steht. Ein Krisencoaching wird hier an der Selbstwertresistenz, n eigener Demütigung und latenter Selbstaufgabe ansetzen und durch einen ermöglichungsorientierten, individuelle Grenzen fördernden Prozess Veränderungen bewirken. Der Klient wird über Handlungsszenarien bekräftigt, sich neue Wirkungsfelder zu erschließen und in ihnen mit dosiertem Gefühlsinvest zu agieren. Die Erfahrungen werden im Vollzug durch zeitlich eng liegende Gesprächseinheiten reflektiert, ohne dabei den Klienten in eine Prüfungsatmosphäre mit Kontrollcharakter zu führen. Anzuerkennen ist, dass die Haltung ‚Wo viel Gefühl ist, ist auch viel Leid’ [da Vinci] den Klienten davor bewahrt, hartherzig oder die Bedürfnisse anderer Menschen missachtend seine Situation entlasten zu wollen. Sie sollte als Ressource für die Momente im Coaching ‚geparkt’ werden, in denen der Klient zum Beispiel ein ‚positives Gefühl’ bei erarbeiteten Zieloptionen haben muss, um in die Handlung zu kommen.