Krisenmuster 6: Durchbeißen und eifrig predigen.

Augen zu und durch – schließlich hat dieser Krisentyp keine eigenen Anteile an der Krise. Das glaubt er felsenfest und kommuniziert es auch. Und wenn das so ist, dann muss er natürlich weitermachen, sich bis zur Erschöpfung einbringen, mit dem Kopf durch die dickste Wand gehen. Das ist er sich wert, das findet er gut, dafür gebührt ihm aus seiner Sicht Respekt. Für seine Anstrengungen will er Erfolg und den Besitz an der finalen Lösung. Wer mit ihm in belastender Situation spricht, sollte daher gewappnet sein – denn sein Widerstand und Widerspruch gegen andere Ansichten kann mächtig sein und jeder, der gegen ihn verliert, wirkt wie neuer Treibstoff auf dem Weg zu dem aus seiner Sicht einzig Wahren. Dieser ‚Krisenapostel’ sieht in der ihn belastenden Situation nicht vorrangig sich selbst als Person unter Druck stehend, sondern vielmehr das von ihm bis heute  Geschaffene, Entwickelte, Geleistete. Wie ein Mensch, der nicht wahrhaben kann, dass eine neue Generation die Welt anders interpretiert, und dies unmöglich anerkennend begleiten kann, ‚weil die Traditionen zu erhalten sind’, steht er da und kämpft, wo atmosphärische Intelligenz gefragt wäre. Empfehlen ihm vertraute Personen zu einer neuen Sicht auf die Zeit, dann hören sie ihn nicht selten Aspekte ansprechen wie ‚persönliches Lebenswerk in Gefahr’, ‚erlittene Demütigung’, ‚weiter harte Arbeit leisten müssen’ oder ‚Gewissenlosigkeit anderer’. Im Krisencoaching empfiehlt es sich, der Zukunftsresistenz, Umfeldabwertung und dogmatischen Selbstüberschätzung mit einer auf frühere Lernprozesse rekurrierende biografischen Arbeit zu begegnen und den Klienten zu ermuntern, sein Wertesystem zu reflektieren und es seiner Lebensphase gemäß angemessen weiterzuentwickeln. Wird der Klient bei seiner Reflexions- und Werteentwicklungsarbeit zeitlich engmaschig begleitet, erlebt er die ihm so wichtige wertschätzende Aufmerksamkeit bei gleichzeitig  anspruchsvoller Persönlichkeitsentwicklung. Der Coach spiegelt die durch ihn wahrgenommenen Einstellungsmodulationen des Klienten und festigt so den entstandenen, erweiterten Handlungsspielraum. Anzuerkennen ist, dass die Haltung ‚Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren‘ [Brecht] den Klienten davor bewahrt, aufzustecken oder seine Grundüberzeugungen dem Opportunismus zu opfern. Sie sollte als Ressource für die Momente im Coaching ‚geparkt’ werden, in denen der Klient zum Beispiel das Empfinden von Wertestimmigkeit bei einem erarbeiteten Lösungsschritt haben muss, um eine Handlung zu setzen.