Viktor Frankl – biografischer Streifzug durch sein Leben

26. März 1905: Viktor Emil Frankl wird als zweites von 3 Kindern in Wien geboren. Die Mutter stammt aus Prag, der Vater – Direktor im Ministerium für soziale Verwaltung – aus Südmähren.

In der Gymnasialzeit beschäftigt sich Frankl mit den Naturphilosophen und besucht Volkshochschul-Kurse über Angewandte Psychologie. Er kommt mit der Psychoanalyse in Kontakt.

Erster Vortrag Frankls 1921 mit dem Thema: „Über den Sinn des Lebens“. Er wird Funktionär der Sozialistischen Arbeiterjugend.

Maturaarbeit 1923 zum Thema: „Zur Psychologie des philosophischen Denkens“ [eine psychoanalytisch orientierte Pathographie über Arthur Schopenhauer]. Erste Publikationen in der Jugendbeilage einer Tageszeitung; intensive Korrespondenz mit Sigmund Freud.

Frankls Aufsatz: „Zur mimischen Bejahung und Verneinung“ wird in der „Internationalen Zeitschrift für Psychoanalyse“ 1924 publiziert. Frankl ist Medizinstudent und Obmann der sozialistischen Mittelschüler Österreichs. Ein Jahr später begegnet er Sigmund Freud persönlich, gerät aber zunehmend in den Einflussbereich Alfred Adlers.

Frankls Aufsatz: „Psychotherapie und Weltanschauung“ wird 1925 in der „Internationalen Zeitschrift für Individualpsychologie“ publiziert. Er bemüht sich um die Aufhellung des Grenzgebietes zwischen Psychotherapie und Philosophie unter besonderer Berücksichtigung der Sinn- und Wertproblematik, was zum lebenslangen Leitmotiv seiner Arbeit wird.

Frankl hält 1926 öffentliche Vorträge auf Kongressen in Düsseldorf, Frankfurt, Berlin; dabei benützt er zum ersten Mal das Wort ‚Logotherapie‘.

Sein Verhältnis zu Alfred Adler spitzt sich 1927 zu, Frankl gerät unter den Einfluss von Rudolf Allers und Oswald Schwarz [Begründer der psychosomatischen Medizin]. Max Schelers Buch „Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik“ begeistert ihn. Bald darauf folgt sein Ausschluss aus dem Adler-Verein, worüber er sehr betroffen ist. Adlers Tochter Alexandra, Rudolf Dreikurs und andere bedeutende Persönlichkeiten bleiben ihm gewogen.

Frankl organisiert ab 1928 in Wien und anderen Städten Jugendberatungsstellen, an die sich Jugendliche in seelischen Nöten kostenlos wenden können. 1930 initiiert er eine Sonderaktion zur Zeit der Zeugnisverteilung, woraufhin in Wien seit vielen Jahren erstmalig kein einziger Schülerselbstmord zu verzeichnen ist. Auch das Ausland wird auf ihn aufmerksam: Wilhelm Reich lädt ihn nach Berlin ein, die Universitäten von Prag und Budapest wünschen Vorträge von ihm. Frankl gibt an der Volkshochschule den ersten Kurs über Psychische Hygiene, der je stattgefunden hat. Noch vor seiner Promotion beginnt er in der Psychotherapeutischen Abteilung der Psychiatrischen Universitätsklinik zu arbeiten, wird nach der Promotion dort Assistent.

1931-1932: Neurologische Ausbildung Frankls. Er praktiziert im „Maria Theresien Schlössl“ in Wien.

Zwischen 1933 und 1937 leitet Frankl den sogenannten „Selbstmörderinnenpavillon“ im Psychiatrischen Krankenhaus in Wien, wo er jährlich ca. 3000 Patientinnen betreut. Er eröffnet 1937 als Facharzt für Neurologie und Psychiatrie eine Praxis.

In seinem Aufsatz ‚Philosophie und Psychotherapie zur Grundlegung einer Existenzanalyse‘ wird 1939 der Ausdruck „Existenzanalyse“ geprägt. Ein Visum zur Ausreise nach Amerika lässt Frankl verfallen, um seine alten Eltern nicht im Stich zu lassen.

Frankl erhält 1940 die Leitung der Neurologischen Station am Rothschild-Spital, wo nur jüdische Patienten betreut werden. Dort sabotiert er unter Lebensgefahr die von den Nazis angeordnete Euthanasie von „Geisteskranken“ mittels falscher Diagnosen in seinen ärztlichen Gutachten. Er beginnt die Erstfassung seiner ‚Ärztliche Seelsorge‘  niederzuschreiben.

1941 heiratet er seine erste Frau, Tilly Grosser. 1942 zwingen die Nazis das Ehepaar Frankl zur Abtreibung des gemeinsamen Kindes. Im September werden Viktor Frankl und Tilly verhaftet und gemeinsam mit seinen Eltern in das Ghetto Theresienstadt [nördlich von Prag] gebracht. Seine Schwester Stella ist zuvor nach Australien entkommen, und Bruder Walter befindet sich mit seiner Frau auf der Flucht in Italien. In Theresienstadt stirbt der Vater nach einem halben Jahr an Erschöpfung.

Frankl und Tilly und knapp danach seine 65-jährige Mutter werden 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Die Mutter wird sofort in der Gaskammer ermordet, Tilly nach Bergen-Belsen gebracht, wo sie mit 24 Jahren stirbt. Viktor Frankl wird in Viehwaggons über Wien nach Kaufering und Türkheim [Nebenlager von Dachau] gebracht. Auch unter den extremen Bedingungen der Konzentrationslager findet Frankl seine Thesen über Schicksal und Freiheit bestätigt

Im letzten Lager erkrankt Frankl 1945 an Fleckfieber und hält sich nachts wach, indem er versucht, sein Buch ‚Ärztliche Seelsorge‘ stenographisch zu rekonstruieren. Am 27. April wird er von US-Truppen befreit und kehrt im August nach Wien zurück. Dort erfährt er innerhalb weniger Tage vom Tod seiner Frau, seiner Mutter und seines Bruders, der gemeinsam mit seiner Frau in Auschwitz umgebracht wurde.

Frankl überwindet seine Verzweiflung, wird 1946 Vorstand der Wiener Neurologischen Poliklinik und behält diese Position 25 Jahre lang. Mit der rekonstruierten Fassung der ‚Ärztlichen Seelsorge‘ habilitiert er sich. Außerdem diktiert er in 9 Tagen das Buch ‚Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager‘ , von dem bis 1997 in der englischen Fassung [Man’s Search for Meaning“] mehr als 9 Millionen Exemplare verkauft worden sind. Im selben Jahr erscheint auch das Buch ‚trotzdem Ja zum Leben sagen. Drei Vorträge‘

Frankl heiratet 1947 Eleonore Schwindt; im Dezember wird seine Tochter Gabriele geboren. Er veröffentlicht sein anschaulichstes Werk, das die meiste Kasuistik enthält: ‚Psychotherapie in der Praxis‘ .

1948 erhält Frankl  sein philosophisches Doktorat mit einer Dissertation über das Thema: ‚Der unbewusste Gott‘,  wird Privatdozent für Neurologie und Psychiatrie an der Wiener Universität und gründet 1950  die „Österreichische Ärztegesellschaft für Psychotherapie“, deren erster Präsident er wird. Er setzt einen neuen Schwerpunkt in der Logotherapie: die Tröstung des leidenden Menschen. Im Rahmen der „Salzburger Hochschulwochen“ stellt Frankl seine „10 Thesen über die Person“ vor.

Sein Buch ‚Logos und Existenz‘ erscheint 1951 und rundet die anthropologische Grundlegung der Logotherapie ab. Frankl wird 1955 Professor an der Wiener Universität und beginnt, an zahlreichen anderen Universitäten als Gastprofessor zu lehren. 1956 erscheint ‚Theorie und Therapie der Neurosen‘.

1961 wird Frankl Gastprofessor an der Harvard Universität in Cambridge / USA. Im Jahre 1970 wird in San Diego/Kalifornien an der „United States International University“ eine Professur für Logotherapie geschaffen und das erste Logotherapie-Institut der Welt gegründet. In Wien wird 1992 das „Viktor-Frankl-Institut“ gegründet, dessen Vorstand sich aus akademischen Freunden und Familienmitgliedern Frankls zusammensetzt.

Veröffentlichung der Autobiographie 1995: ‚Was nicht in meinen Büchern steht‘ und 1997 das letzte Buch Frankls: ‚Man´s search for ultimate meaning‘.

Viktor Frankl stirbt am 2. September 1997