„Haben Sie ein Rezept gegen Krisen?“

Wenn man zwei Jahrzehnte Menschen in Krisensituationen begleitet, wundert es nicht, dass irgendwann diese Frage gestellt wird. Sie klingt in meinen Ohren zwar etwas wie: ‚Haben Sie ein Wundermittel gegen das Altern‘, im Kern aber bringt die Frage etwas zum Ausdruck, was meinem Bild vom Menschen voll entspricht. Für mich ist der Mensch das nach Sinn strebende Wesen, das ein Recht darauf hat, ein gelingendes Leben zu führen. Diese Haltung ist gleichsam mein ‚Rezept‘ – und dieses Rezept ist jederzeit einlösbar.

Viktor Frankl bringt mit einem Perspektivenwechsel das ‚gelingende Leben‘ mit einer Frage zum Ausdruck. Sie lautet:

Auf welche Frage Deines Lebens bist Du die Antwort?

Diese Frage kann in alle Zeithorizonte gelegt werden. Auf welche Frage warst Du bereits die Antwort? Auf welche Frage bist Du gerade jetzt die Antwort? Auf welche Frage wirst Du mit Deinem ganzen Leben die Antwort gewesen sein? …

Wer sich mit dieser Frage auseinandersetzt [sie stellt quasi die zentrale Erkenntnis dar, die in Logotherapie, sinnzentriertem Coaching oder Krisenprävention ihre besondere Bedeutung erhält], kommt nicht umhin, sich mit der eigenen Entwicklungsgeschichte, dem Prozess der persönlichen Werteentwicklung und dem, womit man selbst im Einklang steht, zu befassen. Dieser ‚eine Klang‘, dieser brillante Ton, den jeder Mensch in sich hat und der ‚per-sonare‘ [durchtönen] will, wird durch Umbrüche, Konflikte, Erschütterungen allzu leicht ‚unerhört‘. Mein Rezept der Krisenprävention ist es daher, diesen Ton zu kennen, seine Klarheit zu fühlen und ihn ‚trotz allem‘ als unzerstörbare innere Instanz zu wissen.