Kann man die Trotzmacht des Geistes messen? Teil 2

Auch das Konzept zur Resilienz, das ausgehend von der Forschungsgruppe um Emmy Werner, heute breite Aufmerksamkeit genießt, fokussiert auf die psychische Widerstandsfähigkeit gegenüber biologischen, psychologischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken.

Die Definitionen von Resilienz werden in der Literatur facettenreich diskutiert, die meisten eint der Aspekt, dass resiliente Menschen über die Fähigkeit verfügen, sich trotz gravierender Belastungen oder widriger Lebensumstände psychisch gesund zu entwickeln. Resilient ist man – nach dieser Auffassung – nicht von Geburt, sondern man entwickelt sie durch Anpassungs‐ und Gestaltungsprozesse zwischen Mensch und Umwelt.

Wie im Konzept der Salutogenese wird auch im Resilienzmodell die Relevanz des Kindesalters hervorgehoben. Erziehung, Bildung, soziale Bindung stellen wichtige Schutzfaktoren dar, im weiteren Verlauf der Entwicklung auch die Erfahrungen, die ein Mensch bei der Bewältigung kritischer Ereignisse und negativen Stresses gemacht hat. Resilienz wird als dynamischer, variabler Faktor im Leben angesehen. Die Ressourcen des Einzelnen beachtend, wird angenommen, dass der Mensch der aktive Gestalter seines Lebens ist und lernen kann, wesentliche Resilienzfaktoren wie Problemlösungskompetenz, Selbstachtsamkeit, Selbstwirksamkeit und ‐steuerung, Sozial‐
kompetenz und Umgang mit Stresssituationen zu stärken.

Auch das Resilienz‐Konzept schaut auf die psychische Dimension des Menschen und ergänzt stärker als im Salutogenese‐Modell den individuellen soziosystemischen Rahmen. Fragebögen zur Resilienz erfassen mehrheitlich aktuelle Gegebenheiten und Zustände und die Daten werden ebenfalls aus subjektiver Sicht des Befragten erhoben.