Freiheit und Verantwortung.

„Wir wollen eine Gesellschaft, die mehr Freiheit bietet und mehr Mitverantwortung fordert.“  In der Regierungserklärung von Willi Brandt aus dem Jahr 1969 werden die Eckpfeiler der Sinntheorie Frankls hörbar: Freiheit und Verantwortung. Und auch Joachim Gauck wünscht sich, „dass sich unsere Gesellschaft tolerant, wertbewusst und vor allen Dingen in Liebe zur Freiheit entwickelt und nicht vergisst, dass die Freiheit der Erwachsenen Verantwortung heißt.“ Fast als hätte ihm Frankl die Worte in den Mund gelegt, konstatiert er weiter „dieses merkwürdige Unvermögen, aktiv zu werden, wenn aus der Sehnsucht nach Freiheit die Gestaltung von Freiheit wird, wenn wir Freiheit von etwas schon erleben durften, aber Freiheit zu etwas noch nicht können.“

Frankl darf wohl als der forderndste unter den Psychiatern und Psychotherapeuten angesehen werden, wenn er den Menschen nicht ‚ausbüxen‘ lässt aus seiner Verantwortung – bei aller ihm gegebenen Freiheit. Für ihn ist klar, dass jeder Mensch die Verantwortung für sein Leben hat und ein Patient die Mitverantwortung für die Verbesserung seiner Lage. „Wer verlangt denn heute schon etwas von sich, gar eine Leistung? Und fühlt sich heute nicht jeder überfordert? Jammert heute nicht jeder über den Stress?“ gibt er bereits vor einigen Jahrzehnten zu bedenken.Und Gauck ergänzt diese Meinung mit seinem Plädoyer: „Zu üben ist die Bereitschaft, Ja zu sagen zu den vorfindlichen Möglichkeiten der Gestaltung und Mitgestaltung. Wenn wir uns derart zu der in uns wohnenden Fähigkeit und der uns umgebenden Wirklichkeit verhalten, dürfen wir dies als Verantwortung bezeichnen. Unsere Fähigkeit zur Verantwortung gehört zum Grundbestand des Humanum. Wir verlieren uns selbst, wenn wir diesem Prinzip nicht zu folgen vermögen.“