Krisenmodell ‚Spirale des Umgang mit Krisen‘

Die ‚Krisenspirale’ von Erika Schuchardt beschreibt in einer bemerkenswerten Differenzierung, die die Autorin nach der Analyse von über 2.000 von ihr recherchierten Lebensgeschichten aus den Jahren 1900 bis ca. 2000 vornimmt, einen Phasenverlauf des individuellen Krisenverarbeitungsprozesses. Schuchardt unterscheidet dabei vorhersehbare
und in jeder Biografie zu findende Lebenslaufkrisen [z.B. Einschulung, Pubertät, Berufseinstieg, Partnerschaft, Ruhestand, Alter] sowie die Existenz nachhaltig bedrohende individuelle oder
kollektive Lebensbruchkrisen [ungewollte Kinderlosigkeit, Gewalt, Arbeitslosigkeit und Mobbing, Unfälle, Trennung oder Verlust wichtiger Bezugspersonen, kriminelle Anschläge, Verletzung der Menschenrechte, Naturkatastrophen …].

Die Verarbeitung einer solchen Lebensbruchkrise beschreibt sie in acht Phasen und wählt dabei zur Visualisierung die Form einer, den individuellen kognitiv-emotional-dynamischen Lernprozess nachzeichnenden Spirale. In einem solchen Spiralprozess sind Entwicklungen zu innerem Wachstum ebenso wie Regressionen möglich. Auf- und Abstiege, blockierende und widersprüchliche Erfahrungen während einzelner Etappen der Krisenbewältigung, eine mögliche Unabgeschlossenheit einer Phase oder auch Überlagerungen von Phasen sowie unterschiedliche Geschwindigkeiten des Phasendurchlaufs werden durch dieses Modell ebenso gewürdigt.