Phasen 1 und 2 im Krisenverlaufsmodell

Die acht Einzelphasen strukturiert Schuchardt in den drei Hauptstadien ‚Eingang’, ‚Durchgang’ und ‚Ziel’. Das Eingangsstadium steht dabei im Zeichen der ‚Ungewissheit’, die die Facetten ‚Unwissenheit’ [,Was soll das schon sein?’], ‚Unsicherheit’ [‚Soll das doch etwas sein?’] und
‚Unannehmbarkeit’ [‚Das soll doch wohl ein Irrtum sein?’] umfasst.

In der ‚Unwissenheit’ wird noch nicht mit dem Schlimmsten gerechnet. Verstärken sich jedoch die schwachen Signale und belastenden Faktoren, dann entsteht mit der ‚Unsicherheit’ das Empfinden dafür, dass sich eine erhebliche Veränderung in der aktuellen Lebenssituation ankündigt. Nicht selten wird der eigene Versuch, das Belastungsthema klein zu reden oder zu leugnen, durch Bemerkungen anderer Menschen aus der persönlichen Umgebung aufgehoben. Die Anstrengungen, sich gegen die entstehende Belastung zur Wehr zu setzen, führt in die ‚Unannehmbarkeit’.
Sie kennzeichnet die Unfähigkeit zur Akzeptanz des Verlustes von Handlungsmöglichkeiten oder bestimmter Lebensqualitäten. Eine Regression in die Phase der ‚Unwissenheit’ ist nach diesem
Modell daran erkennbar, dass der Betroffene nach Dritten sucht, die ihn in seiner abwiegelnden Haltung unterstützen, oder wenn Personen, die einen Klärungsversuch unternehmen, als nicht kompetent abgewertet werden.

Mit der zweiten Spiralphase, der ‚Gewissheit’, ist die verstandesmäßige Klarheit darüber verbunden, dass die Krise nun wirklich eine Verlusterfahrung mit sich bringen wird. In ihren Gefühlen nimmt die Person jedoch noch eine verneinende Haltung zu der entstandenen Situation ein. Diese beiden ersten Phasen werden von Schuchardt ‚Eingangs-Stadium’ oder ‚kognitiv-reaktiv, fremdgesteuerte Dimension’ genannt, womit deutlich wird, dass der Betroffene durch äußere Einwirkungen wie zum Beispiel durch Kündigung, Trennung des Partners, ärztliche Information in Bezug auf Erkrankungen usw. berührt und in seinen weiteren Denkprozessen gelenkt wird.