Phasen 5 und 6 im Krisenverlaufsmodell

Gerät dieses Bemühen in eine Sackgasse, wird mit der fünften Spiralphase, der Depression, die sowohl rationale als auch emotionale Annahme der Realität wahrnehmbar. Der anstehende Verlust wird durch das Loslassen von Hoffnungen, Trauer und Abschiednehmen gebahnt.
In dieser Phase beginnt die belastete Person, die Auswirkungen der Krise auf ihr weiteres Leben voll zu erkennen. Schuchardt nennt die Spiralphasen 3 bis 5 das ‚Durchgangs-Stadium’ oder auch ‚emotional, ungesteuerte Dimension’, da in allen drei Phasen eine starke Emotionalität vorliegt, die betroffene Person sich im Verhalten jedoch noch nicht lösungsorientiert zeigt.

Mit der sechsten Spiralphase ‚Annahme’ beginnt die Person für sich zu klären, welche Freiheitsgrade ihr verbleiben – nun ‚wird das Mögliche daraus gemacht’ und die Krise ins eigene Leben integriert. Eine Bejahung des Zustands wird damit noch nicht vollzogen, vielmehr ‚fügt’
sich die Person in das Geschehen, das unausweichlich ist. „Annahme ist weder zustimmende Zustimmung noch bejahende Bejahung. Kein Mensch kann freudig zustimmen oder bereitwillig bejahen, aber er kann lernen, im Prozess der Verarbeitung der Phasen seiner Krisen, das Unvermeidliche anzunehmen” [Schuchardt]. Dieser Gedanke folgt Viktor Frankl, wenn dieser darauf aufmerksam macht, dass „nicht nur ein tätiges Leben Sinn hat, indem es dem Menschen die Möglichkeit gibt, in schöpferischer Weise Werte zu verwirklichen; und nicht nur ein genießendes Leben hat Sinn, also ein Leben, das dem Menschen Gelegenheit gibt, im Erlebnis der Schönheit,
im Erleben von Kunst oder Natur, sich zu erfüllen; sondern wenn Leben überhaupt einen Sinn hat, dann muß auch Leiden einen Sinn haben.”