Schritt für Schritt in der Krisenintervention

Von Gerald F. Jacobson stammt das Konzept der sechs Schritte der Krisenintervention.
Es gilt in seinem Kern auch heute noch und rät zu diesem Vorgehen:
[Jacobson, G. F. [1980]: Crisis Intervention in the 1980´s. San Francisco: Jossey-Bass]

  • Den Krisenanlass verstehen. Der Krisenbegleiter [-therapeut, -coach …] führt zuerst ein erkundendes Gespräch mit dem Betroffenen und gegebenenfalls wichtigen Bezugspersonen, um die Konzentration auf die aktuelle Situation und ihre Hintergründe zu lenken.
  • Eine gemeinsame „Krisendefinition“ erarbeiten. Was gehört zur Situation und was nicht? Um die nicht von der Massivbelastung betroffenen Lebensbereiche deutlich abzugrenzen, arbeitet der Krisenbegleiter mit dem Betroffenen und gegebenenfalls anderen Bezugspersonen an einer verständlichen Problemdefinition. Sie schafft Orientierung und für die weitere Arbeit die nötige sichere Struktur.
  • Gefühle ausdrücken. Laien versuchen oft, die von einer Krise betroffenen Menschen von ihren Gefühlen fernzuhalten, manchmal aus dem Bestreben, die Person zu schützen, meist jedoch verbunden mit der eigenen Sorge, mit den Äußerungen der Person letztlich selbst nicht fertig werden zu können. Qualifizierte Krisenbegleiter aktivieren die Aussprache über Wut, Trauer, Kränkung, Scham, Angst oder Schuld und ermöglichen so ihre konstruktive Verarbeitung.
  • Bewältigungsstrategien aktivieren. Nach und nach wird der Krisenbegleiter nun dazu anregen und ermuntern, dem Leben eine neue Ordnung  zu geben, Dringliches zur Handlung zu führen, früher erfreuende Verhaltensweisen wieder zu beleben, auf die Gesundheit des Körpers zu achten, Gespräche mit Menschen zu führen, die wirklich nahe stehen.
  • Nach neuen Lösungen suchen. Werden die bestehenden Ressourcen oder die Lebenssysteme des Menschen als wenig hilfreich oder zusätzlich destabilisierend erkannt, dann wird der Krisenbegleiter auf Entscheidungen hinarbeiten, die den Zustand nachhaltig verbessern helfen. Dazu können durchaus weitreichende Veränderungsszenarien im privaten, räumlichen, oder beruflichen  eingebracht und reflektiert werden.
  • Abschließender Rückblick und Bilanz.  Im Rückblick der Zusammenarbeit wird der Krisenbegleiter mit seinem Klienten einige Wochen später auf den erreichten Zustand nach der Krisenbewältigung schauen, einerseits um sinnvolle weitere Justierungen anzusprechen als auch um aus präventiver Perspektive auf künftig mögliche Belastungen ein Licht zu werfen und die Person darin zu bestärken, sich für diese Situationen in angemessener Weise zu rüsten.