Wenn die Krise naht …

… und ausweichbar scheint, dann ist es allemal hilfreich zu wissen, welche Phasen vor einem liegen. Das Modell von Hurst/Shepard kann darin unterstützen, sich für den Durchlauf durch diese Phasen zu rüsten, durch das Gespräch mit Freunden oder mit der Unterstützung eines auf Krisensituationen spezialisierten Beraters oder Therapeuten.

Ob persönliche Beziehungs-, Job-, Finanzkrise: Der Ablauf dieser Etappen gelten nach den Autoren als prototypisch:

Bild Hurst

1. Die Vorahnung: Der Betroffene sieht das ‚Unheil‘ auf sich zukommen und kalkuliert die möglichen Auswirkungen.

2. Der Realitätsschock: Die Situation ist eingetreten. Der Betroffene braucht Zeit, um alles vollständig zu erfassen und er versucht die ersten Bewältigungsschritte.

3a. Die Erholung: Der Betroffene verspürt eine leichte Erholung oder Erleichterung ein. Auszeit, Tapetenwechsel, Ablenkung o.ä. verheißen eine Beruhigung der Situation.

3b. Die Planung. Der Betroffene beginnt, in die Planung von Veränderungsvorhaben zu gehen. Umschuldung, Bewerbung, Partnerbörse … – die Mittel werden genutzt und ausgereizt.

4a. Die Leugnung: Wenn der Einsatz der gewählten Mittel keinen Erfolg bringt, sich zur Krise nun auch das Versagen der Ressourcen abzeichnet, wird die Situation schöngeredet. Der Betroffene will sein Gesicht nicht verlieren, nicht als Looser dastehen.

4b. Die Wut: Nichts fruchtet. Wer hat es eingebrockt. Die Energie wird für die Suche nach Schuldigen verzehrt. Zuweilen mit Selbstmitleid oder anderen Abwehrmechanismen, die nichts anderes bewirken als dass die Situation immer verfahrener wird.

4c. Das Aufbäumen: Alle Kräfte werden mobilisiert, der Betroffene spricht sich Mut zu und versucht sich in Alternativen, an die er bisher nicht denken ‚wollte‘, vielleicht auch, weil diese Maßnahmen ihn so gar nicht ‚entsprechen‘ [Bewerbung unterhalb des bisherigen Funktionsniveaus, Anpumpen von Freunden, Offenheit für Verkupplungsversuche von Bekannten oder Freunden …]

4d. Die Akzeptanz: Auch das Aufbäumen hat keinen Erfolg gebracht. Die Lage ruft nach Resignation. Der Betroffene wirkt nach Außen wie das sprichwörtliche ‚Häufchen Elend‘.

4e. Die Depression: Das Selbstwertgefühl ist im Eimer. Die Energie ist ausgeschöpft. Wo kommt ein Fünkchen Hoffnung her?

5. Der Hoffnungsfunke: Es reicht ein kleiner Finger [eine vorzeitige Auszahlung von Geldmitteln durch Erbe oder Versicherung bringt etwas Luft, ein/e ‚alte/r Freund/in‘ ruft an und wärmt die Seele, jemand bietet eine Aushilfstätigkeit an …] und die Hoffnung keimt auf. Ob doch noch nicht alles verloren ist?

6. Der Auftrieb: Es kommen erste Signale der Besserung. Der Akku füllt sich wieder, der Betroffene stürzt sich in seine Chancen.

7a. Das Erreichte: Die größten Hürden sind genommen. Die finanzielle Lage ist durch Kosteneinsparungen entspannter oder die Probezeit im neuen Job ist geschafft oder eine neue Beziehung hält auch die Rüttelstrecke der ersten Anpassungsbemühungen aus …. Es kann weitergehen…

7b. Der Rückfall: Auch die letzte Hoffnung ist zerstört. Was sich anfangs als Chance abzeichnete, ist nun in sich zusammengefallen. Das Selbstwertgefühl: was ist das überhaupt?

8. Der Sturz: Jetzt kann nur ein Wunder helfen. Aber warum soll das gerade jetzt geschehen, meint der Betroffene.