Enneagramm – Charakterstilkunde – 2

Neun unterschiedliche Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster werden mit dem Enneagramm umfassend beschrieben und stellen Ansatzpunkte persönlicher Reflexion und Selbsterfahrung dar. Es kann helfen, unbewusste und fixierte Muster an sich selbst und anderen Menschen leichter zu erkennen. Dabei erweitert es den Interpretationsrahmen gegenüber anderen Verfahren, zum Beispiel Typologien, deutlich, indem es aufzeigt, welche Charakterstile auf andere tendenziell als Stressoren oder Unterstützer einwirken.

Auch das Enneagramm wird getragen vom Gedanken, dass Menschen zwar verschieden sind, es zugleich aber immer Menschen gibt, die sich in ihrer psychischen Dimension in auffallender Weise ähneln.

Eine Enneagramm-Auswertung ersetzt nicht die persönliche Entwicklung. Sie erklärt vielmehr den Charakter, den man hat – nicht die Person, die man ist. Der Mensch ist – in unserem Verständnis – geistige Person, hat einen psychischen Charakter und wird zur Per­sönlichkeit. Persönlichkeit wird ein Mensch also dadurch, dass die geistige Person, die er ist, sich mit dem Charakter, den er hat, schrittweise auseinandersetzt. Das Enneagramm unterstützt diese Auseinandersetzung.

Jeder Stil sieht die Welt anders als der andere, also jeweils aus einer anderen Perspektive. Wären uns diese ,neun Gesichter der Seele‘ vertraut, beachteten und achteten wir sie und zögen daraus konkrete Schlüsse, fiele uns der Umgang mit uns selbst und anderen erheblich leichter.