Archiv für den Monat: Mai 2014

Krise – wenn mehr scheint als ist – 2

Eine phänomenologische Haltung einzunehmen, meint, ein ‚geistiges Schauen‘ zu praktizieren. Alles Angeschaute ist berechtigt, Erkenntnis zu liefern. Alles intuitiv Erfasste ist berechtigt, bei der Klärung der Phänomene zu helfen. Wird phänomenologisch gearbeitet, treten persönliche Deutungen, Normen und Interpretationen zurück, einzig die Sache selbst gilt es zu verstehen. Dies klingt einfach, braucht aber doch Vorbereitung und Einstimmung, denn nur allzu leicht beginnt der ‚Verstand‘ zu arbeiten, zu bewerten, zu urteilen. Von Menschen beschriebene Phänomene ’sein zu lassen‘, ihnen die Wirklichkeit zuzugestehen, die sie von ‚ihrem‘ Menschen zugewiesen bekommen, ist ‚Arbeit‘

Was leistet hier ein Therapeut oder Coach:

  • Zuerst richtet sich der Therapeut/Coach mental auf das aus, was nun geschehen wird.
  • Der Klient/Patient berichtet, der Therapeut/Coach löst sich von seinem Ich-Sie-Denken, in seiner mentalen Haltung nimmt er die Denkweise eines ‚wir‘ ein.
  • Der Therapeut/Coach spürt, worum es dem Gegenüber geht, und ist nun erst in der Lage, in einen wechselseitigen Dialog einzutreten.
  • Alle Erwartungen des Therapeuten/Coachs werden zurückgestellt, um Raum zu lassen für das Unerwartete und für die Reflexion dieser Überraschungen
  • Es wird nur über das gesprochen, was erlebt wird. Das geistige Schauen ist im Kern radikale Subjektivität.
  • Coach/Therapeut öffnet sich mit all seinen Wahrnehmungen für sein Gegenüber und erfährt über die Reaktionen des Klienten/Patienten dessen inneres Bild der Möglichkeiten, eine eingetretene Krisensituation neu zu sehen, sich anders als bisher mit ihren Wirkungen zu befassen, bislang Ausgeblendetes einzublenden usw.
  • Jede darauf aufbauende phänomenologische Wahrnehmung ist für den Therapeuten/Coach eine Wahrnehmung seiner selbst.
  • Das ‚Wesen‘ des Krisenerlebens und des Krisenverhaltens zu erkennen, bedeutet, sich bewusst zu halten, dass man selbst als wahrnehmender Therapeut/Coach keine Erkenntnis über ‚das Ganze‘ aufbaut. Auch der Patient/Klient, der im Dialog die Inhalte des ‚Geistigen Schauens‘ erfährt, nimmt anstelle seiner vorherigen Krisenausschnittsperspektive nun nicht das ‚Ganze‘ wahr. Das jedoch miteinander als ‚Wesen‘ erkannte wird nun zur -neuen – Realität.
  • Nach einer phänomenologisch geprägten Arbeit sind beide Gesprächspartner verändert, denn beide haben die Erfahrung eines Sinnbezugs gemacht.

Krise – wenn mehr scheint als ist – 1

Auch wenn Menschen manche Situationen als Krise bezeichnen, die sich aus ‚professioneller Sicht‘ ‚lediglich‘ als Problem darstellen, darf nicht verkannt werden, dass in der Praxis eine ‚Krise ist, wenn sie sich der Mensch als solche konstruiert‘. Dass ein Mensch ein Ereignis derart konstruiert, wirft letztlich ein Licht auf seine eigene, noch nicht ausreichend entwickelte Kompetenz, einen angemessenen Umgang mit der Situation zu entscheiden.

In der Begleitung krisenbelasteter Menschen nehmen wir in unserer KrisenPraxis daher eine sogenannte phänomenologische Arbeitshaltung ein. Im Kern der Phänomenologie steht die Wahrnehmung, das Erkennenkönnen der Sache selbst, der Dinge in ihrer Gegebenheit und ihren Zusammenhängen. Phänomenologisches Arbeiten will zu dem vordringen, was die Gegebenheiten in ihrem Grunde sind und welche Bedeutung sie haben.

Phänomenologisches Arbeiten will Erkenntnisse gewinnen und – nimmt ein Klient oder Patient auch diese Haltung ein – vermitteln, was und wie weit er erkennen kann. Das Ziel ist, Schein und Sein deutlich abzugrenzen und beidem einen Raum zu geben, zum Beispiel von der Oberfläche ‚mein Partner ist gestorben und ich bin verzweifelt‘ hin zu einer tiefgängigeren Wahrnehmung ‚der Tod hat mein Streben nach Innigkeit und Vertraulichkeit verletzt‘. Phänomenologie sucht somit nach dem Eigentlichen und unterscheidet zwischen der ‚Erscheinung‘ und dem ‚Wesen‘, zum Beispiel einer als solche interpretierten Krise. Sie nimmt das als gegeben, was sich zeigt und ergänzt dieses mit Erfahrung.

Phänomenologische Wahrnehmung braucht Übung und die Geduld dafür, wirklich zu verstehen, was tatsächlich ist und was sich als ‚Wesen‘ zeigt.

Kritische Lebensereignisse

Als übliche Auslöser für Krisen gelten ‚kritische, erwartete oder unerwartete Lebensereignisse’, die als Zäsur, Einschnitte oder Übergang im Leben wahrgenommen werden und Anpassungsleistungen erfordern, die über das des Menschen bekannte Maß weit hinausreichen. Lebens- oder existenz-bedrohliche Ereignisse, Gewaltverbrechen, drohende oder eingetretene Verluste von Angehörigen, psychosoziale Bedrohungen, Bedrohungen des Selbstwertgefühls u.a. sind die wesentlichen Ursachen und treffen bei ihrem Erscheinen auf ein unzureichendes Bewältigungspotenzial. Der betroffene Mensch zeigt psychische Labilität, Beeinflussbarkeit, körperliche Reaktionen oder auch psychopathologischen Symptome wie Angst, wahnhafte Projektionen, Rückzug, Schlaflosigkeit, Aggressivität o.a.
Ein Krisenereignis stellt den Selbstwert des Betroffenen in Frage oder dessen zentralen Überzeugungen oder Ziele oder aktiviert bereits früher im Leben erlebte, nicht bewältigte Ereignisse.

Enneagramm – Charakterstilkunde – 13

NEUN: VERMITTLER – FRIEDLIEBENDER – HARMONIKER
[Balance-Orientierung]

_ ‘Ich bin friedvoll’
_ schätzt Harmonie, Gewohnheiten und Bequemlichkeit
_ neigt zur Zerstreuung und zum Nichtstun
_ Stellung zu beziehen, Konflikte zu eskalieren oder wichtige Entscheidungen zu treffen, fällt ihr schwer
_ wunder Punkt der Neun: Faulheit
_ Gaben: Tatkraft, Versöhnung und Ausgleich
_ bringt nichts so leicht aus der Ruhe
_ geht verständnisvoll und geduldig auf andere ein
_ will von niemandem etwas Böses  oder sollte es sein sie will niemanden was böses?
_ gerne im Einklang mit anderen Menschen und mit der Natur
_ kommt oft in Situationen, die sie aus dem Rhythmus bringen
_ fühlt sich dann unter Druck gesetzt, vieles sei zu tun oder Menschen wollten etwas von ihr
_ bemüht sich sehr, all den Anforderungen nachzukommen
_ vergisst eigene Interessen und Belange
_ erlebt dann Widerwillen und fühlt sich überfordert und von anderen nicht ernst genommen
_ aufgestauter Druck kann durch heftigen Ärger zum Ausdruck kommen
_ sehnt sich danach, eigene Gefühle leben zu können
_ gelingt das dem Neuner, dann werden wichtige eigene Entscheidungen getroffen und die eigene Abgrenzung fällt leichter
_ Stressor Stil 6: Stressor kann zum Gefühl, nichts zustande zu bringen, beitragen
_ Unterstützer Stil 3: Unterstützer kann zu mehr Selbst-Publicity ermuntern

Enneagramm – Charakterstilkunde – 12

ACHT: KÄMPFER – HERAUSFORDERER – MÄCHTIGER
[Macht-Orientierung]

_ ‘ich bin stark’
_ energiegeladen, direkt, konfrontativ, kontrollierend
_ verschafft sich Respekt durch entschlossenes Auftreten
_ demonstrierte Stärke verbirgt Verletzlichkeit
_ das eigene Gespür für Grenzüberschreitungen gegenüber anderen ist zuweilen geschwächt
_ wunder Punkt der Acht: Schamlosigkeit
_ Gaben: Behutsamkeit, Belastbarkeit und die gesunde Ausübung von Macht
_ selbstbewusst und sicher im Leben stehend
_ gegen Missstände und Ungerechtigkeiten sich nachdrücklich einsetzend
_ spürt, wer Unterstützung braucht oder wer feindlich gesonnen ist
_ gerät leicht in Konfrontationen mit anderen
_ wenn sie sich im Recht fühlt, dann bleibt sie unnachgiebig und kämpft weiter
_ unfaire und unsaubere Vorgehensweisen lehnt sie entschieden ab
_ vermeidet es, sich von ihrer schwachen und verletzlichen Seite zu zeigen
_ sehnt sich danach, sich zu öffnen und sensible Gefühle wahrnehmen und zulassen zu können
_ gelingt das dem Achter, dann sind herzliche und unbeschwerte Gefühle möglich
_ Kraft und Stärke werden dann für gemeinsame Anliegen eingesetzt und …
_ … die kindliche Seite kann dann hervorkommen und sich ausleben
_ Stressor Stil 5: Stressor kann zur ‘Schneckenhausmentalität’ verleiten
_ Unterstützer Stil 2: Unterstützer kann zu mehr Annahme eigener Schwächen ermuntern

 

Enneagramm – Charakterstilkunde – 11

SIEBEN: HEDONIST – ENTHUSIAST – OPTIMIST
[Zukunfts-Orientierung]

_ ‘ich bin glücklich’
_ zukunftsorientiert, begeisterungsfähig und schnell
_ der schmerzlichen Seite der Wirklichkeit weicht sie aus
_ für Positives bringt sie eine hohe Reizempfänglichkeit mit
_ Lust nach Abwechslung
_ wunder Punkt der Sieben: Unmäßigkeit
_ Gaben: Heiterkeit und ganzheitliches, innovatives Denken gepaart mit Realitätssinn
_ kann schöne Dinge in vollen Zügen genießen
_ meist gut gelaunt, zeigt nach außen nicht, was sich im Inneren abspielt
_ von Schwierigkeiten und Problemen nicht unterzukriegen
_ oft auf der Suche nach Genuss und Befriedigung
_ laufen die Dinge nicht wie geplant, dann kann sie sehr jähzornig werden
_ sucht intensiv nach Verantwortlichen für aufgetretene Schwierigkeiten
_ Problemen stellt sie sich, wenn es gar nicht mehr anders geht
_ Suche nach angenehmen Erlebnissen wird als Weglaufen vor sich selbst erkannt
_ hat Angst davor, anzuhalten und sich Problemen zu stellen
_ sehnt sich danach, sich auf sich selbst und andere einlassen zu können
_ gelingt das dem Siebener, dann nimmt sie das Leben wie es gerade ist und erfährt Sinnhaftigkeit
_ Stressor Stil 1: Stressor kann zum Sturheit und zum Starrsinn verleiten
_ Unterstützer Stil 5: Unterstützer kann zur Annahme des Gegenwärtigen ermuntern

Enneagramm – Charakterstilkunde – 10

SECHS: SKEPTIKER – LOYALER – ZWEIFLER
[Außen-Orientierung]

_ ‘ich bin verlässlich’
_ loyal, zuverlässig, pflichtbewusst, treu, warmherzig, vorsichtig
_ neigt zum Sorgenvollen
_ entwickelt oft Szenarien darüber, was alles schief gehen kann
_ vor Bedrohungen schützt sie sich, indem sie Halt bei einer Autorität oder in sicheren Gruppen sucht
_ Bei anderen erlebte Unentschiedenheit und Selbstzweifel wecken in ihr Solidarität
_ begabte Problemlöser
_ wunder Punkt der Sechs: Angst
_ Gaben: Mut, Vertrauen und Entschiedenheit
_ prüft genau, wem sie vertrauen kann
_ Sechsen sind auf der Suche nach jemanden oder etwas, an den oder das sie glauben können.
_ kommt immer wieder in Situationen, in denen sie nicht weiß, was sie tun soll
_ wenn das Selbstvertrauen gering ist, dann rechnet sie mit Bedrohungen
_ kann sehr misstrauisch werden
_ inneres Unbehagen zeigt sich in hektischer, auch aggressiver oder rebellischer Aktivität
_ sehnt sich nach innerer Ruhe und Klarheit
_ wenn innere Ruhe gegeben ist, dann kann der Sechser sich auf sich selbst verlassen
_ sie vertraut dann den eigenen Impulsen und hat den Mut, sie auszuführen
_ Stressor Stil 3: Stressor kann zur Betriebsamkeit und zum ‘sich von sich ablenken’ verleiten
_ Unterstützer Stil 9: Unterstützer kann zu mehr Gelassenheit ermuntern

Enneagramm – Charakterstilkunde – 9

FÜNF: BEOBACHTER – FORSCHER – SINNIERER
[Innen-Orientierung]

_ ‘ich weiß es’
_ legt Wert auf Privatsphäre
_ schottet sich gern gegen Verpflichtungen und Anforderungen von außen ab
_ will in Ruhe nachdenken
_ sammelt systematisch und analytisch neues Wissen
_ spaltet sich gefühlsmäßig von Situationen und Menschen ab
_ wunder Punkt der Fünf: Geiz
_ Gaben: Klarheit, Objektivität, Krisenfestigkeit und Gastfreundschaft
_ denkt klar und genau, zuweilen für andere bedrohlich sezierend
_ bekommt alles mit, was passiert
_ hält sich zurück und gibt wenig preis
_ zeigt kaum Gefühle
_ ist am liebsten für sich alleine, in Sicherheit der eigenen privaten Umgebung
_ kann Umgebung als bedrohlich und feindselig erleben
_ schätzt es nicht, wenn andere auf sie zukommen und etwas von ihr wollen, fordern oder bedrängen
_ verschließt sich vor Kontakten, fühlt sich dann oft emotional leer und von der Welt abgeschnitten
_ sehnt sich danach, in Kontakt zu sein
_ wenn sich der Fünfer lebendig fühlt, dann kann sie sich öffnen und zeigen, was in ihr vorgeht
_ Stressor Stil 7: Stressor kann zur Flucht in Extravaganzen und Phantasien verleiten
_ Unterstützer Stil 8: Unterstützer kann zu mehr Beziehungsmut ermuntern

Enneagramm – Charakterstilkunde – 8

VIER: ROMANTIKER – INDIVIDUALIST – KÜNSTLER
[Gefühls-Orientierung]

_ ‘ich bin anders als andere’
_ entwickelt ein starkes Gespür für alles Schöne und Außergewöhnliche
_ leidet daran, dass vieles für sie unerreichbar bleibt
_ zeigt Empfindlichkeit und Melancholie
_ wunder Punkt der Vier: Neid
_ Gaben:  Ausgeglichenheit und Kreativität
_ keine Angst vor großen existenziellen Themen
_ schätzt Metaphern und Symbolik
_ kann Avantgarde, Ästhetik, Kreativität und Anmut zeigen
_ erlebt die Höhen und Tiefen des Lebens mit viel Gefühl
_ wichtig, die eigene Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen
_ kommt oft in Situationen, in der sie spürt, was ihr alles fehlt
_ sehnt sich nach Glück und Zufriedenheit
_ fühlt sich zuweilen verloren und von allen verkannt und unverstanden
_ sehr feinfühlig
_ kann sich schlecht gegen negative Stimmungen abgrenzen
_ wünscht sich oft, sich im gegenwärtigen Augenblick wohl fühlen zu können
_ gelingt es dem Vierer, den Augenblick zu erleben, wie er ist, dann bekommen Beziehungen mehr
Realität und der Selbstschutz vor Verletzungen wird besser
_ Stressor Stil 2: Stressor kann zum Empfinden beitragen, alles tun zu müssen, um geliebt zu werden
_ Unterstützer Stil 1: Unterstützer kann zu mehr Ordnung und Struktur ermuntern