Sinnlos stirbt am schnellsten

Sinnmangel führt oft und zeitnah zu gesundheitlichen Problemen. Seine Auswirkungen im Beruf sind hinreichend erforscht. Wer seine beruflichen Rollen ohne Engagement lebt, weil ihm die Tätigkeiten sinnentleert erscheinen [meist verursacht durch unzureichende Sinnkommunikation oder durch den Mythos, eine Zielvereinbarung könnte eine ‚Sinnvereinbarung‘ ersetzen oder durch dauerhafte Demotivation], bei dem ist mit psychischen oder psychophysischen, ungesunden Reaktionen zu rechnen.

In einer Langzeitstudie der University of Texas wurde sogar ein Zusammenhang zwischen sinnloser Arbeit und einer erhöhten Sterbewahrscheinlichkeit erforscht. Eine Gruppe von über 8000 Berufstätigen mit einer Betriebszugehörigkeit von mindestens drei Jahren wurde dabei untersucht. Fazit: Menschen, die ihre Arbeit als wenig fordernd und arm an Gestaltungsspielräumen empfanden, hatten eine um rund 30 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, in den folgenden fünf bis zehn Jahren zu sterben. Die Studie zeigte auch: Sinnempfinden ist unabhängig vom ausgeübten Beruf. Will sagen: Nicht nur die ‚üblichen Verdächtigen‘ wie Seelsorger, Ärzte, Feuerwehrleute, Künstler usw. können unter Sinnleere leiden oder Sinnhaftigkeit verspüren – solche Phänomene gibt es in jedem Beruf.
Sinn in der Arbeit ist eine subjektive und situative Angelegenheit – er ist nicht zu verallgemeinern, weil Sinnfindung auf der Verwirklichung ‚höchstpersönlicher‘ Werte basiert. Und Werte können ‚verletzt‘ werden, schnell und für Dritte auch selten zu bemerken. Werden sie es zu oft und zu stark, kann die Folge die ‚Re-Signation‘ sein: Die Zurücknahme der identitätsstiftenden ‚Signatur‘ unter eine berufliche Funktion.

Gibt es dafür eine Lösung? Walter Böckmann, ein ‚Schüler‘ Viktor Frankls meint dazu:
Wer Leistung fordert, der muss Sinn bieten.