Angriff auf die Werte – ein Coachingpraxisbericht – 1

Frau Helfi geht es schlecht – eine dumpfe, schwache Stimme am Telefon erklärt, dass seit Wochen das Arbeitsverhältnis zum Vorgesetzten aus unerfindlichen Gründen derart verschlechtert sei, dass
es nahe läge anzunehmen, man wolle sie von ihrem Arbeitsplatz bewusst verdrängen.
Frau Helfi ist 46 Jahre alt, verheiratet, sie ist seit vier Jahren in ihrem Unternehmen beschäftigt, ihr Status lautet: Abteilungsleiterin Vorstandssupport. Sie ist als Führungskraft außertariflich eingruppiert.

Die Klientin leitet seit vier Jahren die Stabsstelle Vorstandsbüro und -assistenz. Sie führt zehn Damen, allesamt ausgebildete Fremdsprachenkorrespondentinnen, Managementassistentinnen und
Chefsekretärinnen. Sie selbst berichtet ausschließlich an ein Vorstandsmitglied, der seinerseits zusätzliche Geschäftsführungs- und Aufsichtsratsmandate innehat. Die ihr unterstellten Mitarbeiterinnen arbeiten vornehmlich entweder für mehrere Vorstände oder in speziellen Projektaufträgen.

Frau Helfi sieht sich mit einer Situation konfrontiert, in der sie keinerlei Orientierung und Sinn mehr
erkennt. Und sie sagt beim ersten Telefonat: „Hätte ich nicht Verantwortung für eine Mitarbeiterinnen, die ich alle sehr schätze und wäre mir das Unternehmen und seine Ausstrahlung egal, dann wäre ich wohl schon längst dem Rat vieler Freunde und Bekannten gefolgt und hätte eine Trennung vollzogen. Aber vielleicht sollte ich Ihnen etwas mehr über meine Situation schreiben, damit Sie für unser erstes Treffen bereits einen tieferen Eindruck erhalten.“