Angriff auf die Werte – ein Coachingpraxisbericht – 10

Frau Helfi spontan: „Offenheit. Ich hätte mit meinem Vorgesetzten ein solches Verhältnis wie ich es seit jeher kenne und wie es bislang allen gut tat.“

„Ich schlage dazu ein kleines Experiment vor. Ich nehme einmal den Platz Ihres Vorgesetzten ein und setze mich dazu einmal auf diesen Stuhl dort. Sie sollen wissen, dass ich das als Ihr Vorgesetzter gerne tue, damit Sie ‚Offenheit‘ fühlen können. Bitte nehmen Sie nun einen anderen Stuhl und stellen ihn dorthin, wo Sie meinen, dass an dieser Stelle für Sie die Offenheit, die Sie brauchen, für Sie fühlbar wird.“

Frau Helfi nimmt sich einen Stuhl und stellt ihn so auf, dass sie in einem Winkel von etwa 120 Grad zum ‚Vorgesetzten-Stuhl‘ steht. Zwischen den Knien sind knapp 20 cm Platz. Wir können einander
ansehen. Frau Helfi bestätigt, dass der Platz ihr guttut.

„Nun einmal angenommen, Ihr Vorgesetzter säße wirklich auf diesem Stuhl und er möchte einen für ihn guten Beitrag leisten, dass Sie als seine Mitarbeiterin ‚Offenheit‘ fühlen können. Was würde er
tun?“

Frau Helfi zögert keinen Moment: „Er würde zuerst einen Meter zurückrutschen.“

Hätten Sie – wenn er dies täte – einen Zweifel daran, dass er es mit der ‚Offenheit‘ zu Ihnen nicht ernst meinte?“

Frau Helfi : „Das würde ich so nicht sagen, aber dafür, dass ich Offenheit fühlen kann, brauche ich Nähe.”

„Und was bietet er?“

„Eher Distanz.“

Ich nehme meinen Stuhl um gut einen Meter zurück: „Und dennoch können Sie nicht vollends ausschließen, dass er Sie Offenheit fühlen lassen will?“

„Das ist richtig. Kann das denn sein, das ein Mensch auf Distanz geht und sich dennoch öffnet?“