Angriff auf die Werte – ein Coachingpraxisbericht – 11

„Ich bitte Sie nun, einen ersten Perspektivenwechsel vorzunehmen. Ich stelle meinen Stuhl nun noch einmal an die Stelle, auf dem er zuerst stand. Bitte nehmen Sie hier einmal Platz.“

Frau Helfi setzt sich auf den ‚Vorgesetzten-Stuhl‘.

„Bitte spüren Sie in sich hinein und nehmen einmal genau wahr, was in Ihrem Umfeld ist. Und wenn Sie alles wahrgenommen haben, dann nehmen Sie bitte den Stuhl und gehen mit ihm einen
guten Meter zurück. Was ist nun anders?“

Frau Helfi lässt sich Zeit. Es ist ihr anzusehen, wie schwer es ihr fällt, den Stuhl zurückzunehmen. Aus der ‚Entfernung‘ sagt sie, an dieser Stelle würde sie mehr wahrnehmen können, sie wäre nicht so fixiert.

„Müssen Sie lauter sprechen, damit ich Sie verstehen kann?“

„Nein.“

„Ist etwas anderes aus Ihrer Sicht dort drüben erforderlich, das Sie tun müssen, was Sie in der Nähe nicht tun müssten, um die Offenheit zu fühlen, die Sie brauchen?“

Frau Helfi : „Ich müsste mich von hier aus stärker konzentrieren, um mich nicht ablenken zu lassen.“

„Wenn Sie an die verschiedenen Formen der Ablenkung denken, die Sie kennen, gibt es dann eine bestimmte Form, die Sie besonders ablehnen?“

Frau Helfi wird nun sichtbar nervös, ihr Hals errötet und sie hat Mühe, den Blickkontakt zu halten. In sich gesunken, erklärt sie, dass sie sich schon seit Jahren Vorwürfe mache, am Todestag ihrer
Mutter nicht bei ihr gewesen zu sein. Regelmäßig wäre sie bei ihr gewesen, sie habe ihr an vielen Tagen beigestanden, aber eben an jenem Tag sei sie nicht da gewesen. Im Büro hätte es ein dringendes Treffen gegeben, und anders als von ihr geplant, hätte sie beschlossen, diesem Treffen beizuwohnen. „Es hing viel von diesem Termin ab, aber was ist das alles schon, wenn man dann, wenn man nah bei einem Menschen sein sollte, sich um etwas anderes kümmert? – Ich habe mich ablenken lassen, und das war nicht gut.“