Angriff auf die Werte – ein Coachingpraxisbericht – 12

Mit den weiteren Reflexionen der Klientin über das Thema ‚Ablenkung als Makel‘ werden Wertmaßstäbe hörbar wie ‚Konzentration auf etwas Wesentliches im Jetzt‘, ‚Effizienz und Genauigkeit‘, ‚Sorgfalt im Detail‘, ‚Zielgerichtetheit‘, ‚Aufmerksamkeit, Hilfe und Treue‘.

„Ich frage mich, wie es wäre, wenn Sie neben Ihren Werten, die Ihnen in Ihrem Leben bereits so oft eine gute Basis waren, noch einige hinzufügen könnten, die Ihnen eine größere Handlungs- und
Entscheidungsbandbreite böten. Ob das wohl günstig wäre?“

Frau Helfi meint, das wäre wert angeschaut zu werden und macht so im nächsten Schritt Bekanntschaft mit dem ‚Wertequadrat‘, das auf die Arbeit von Prof. Dr. F. Schulz von Thun zurückgeht [Sie finden unter dem Stichwort Wertequadrat in dieser KrisenPraxis weitere Quellen].
An dieser Stelle wird beispielhaft der Wert ‚Treue‘ der Klientin bearbeitet (im Coaching wurden alle Werte auf diese Art und Weise betrachtet).

„Wie ist das, wenn Sie immer und überall und jederzeit einem Menschen oder einem Thema gegenüber ‚Treue‘ zeigen. Wie kann das bei Ihrem Gegenüber wirken?“

Frau Helfi : „Das kann den Eindruck erwecken, ich sei abhängig. Im Extremfall ist es so viel wie eine Selbstaufgabe.“

„Wenn Sie also den Wert der Treue zwar beibehalten wollen, jedoch nicht Gefahr laufen mögen, als von jemandem oder etwas ‚abhängig‘ angesehen zu werden – welche zusätzliche Verhaltensweise
würde verhindern helfen, dass dieser Eindruck entsteht?“

Frau Helfi : „Wenn ich eigenen Interessen genug Raum geben würde, wenn ich stärker ‚nein‘ sagen könnte, wenn ich mich ohne schlechtes Gewissen zurückziehen könnte. An sich wäre es ganz gut, könnte ich das etwas mehr leben, aber ich weiß nicht, wie ich das bei meinem Vorgesetzten und der aktuellen Situation umsetzen soll.“

Die Coachingsequenz endet mit der Erkenntnis, dass Distanzaufbau ein Prozessschritt sei, der der Klientin in ihrer belasteten Situation guttäte, die konkrete Umsetzungsmöglichkeit jedoch noch diffus
sei. Es wird vereinbart, dann wieder zusammenzukommen, wenn sich ein Gespräch über erste Gelegenheiten in dieser Entwicklungsrichtung anbietet.

Nach drei Wochen bittet Frau Helfi um einen Termin und kommt sichtlich entspannt ins Gespräch. Sie sagt, etwas Erstaunliches sei geschehen und sie wüsste bis jetzt nicht, was sie da ‚geritten’ habe …