Angriff auf die Werte – ein Coachingpraxisbericht – 14 [Ende]

Vorgesetzter: „Aber, warum fühlen Sie sich denn auch so mies?“

Frau Helfi erzählt, wie manche Situation auf sie gewirkt hat, wie sie versucht hat, mit Unklarheit und Ablehnung umzugehen. Der Vorgesetzte zeigt seine Bestürzung – das sei nicht seine Absicht
gewesen, er sei ihr gegenüber wohlgesinnt, habe aber sicher einen Lebensstil, der nicht so viel auf Unterstützung durch andere Menschen Wert legt – vielmehr seien ihm insbesondere Autonomie und
Loyalität wichtig. Beides sei ihm in seiner aktuellen Situation von seinen ‚Aufsehern’ nicht entgegengebracht worden und dass Frau Helfi manches als Ablehnung aufgefasst habe, wäre nun, wo er ihr zugehört habe, gut nachvollziehbar.

Dass Frau Helfi ihn so wahrgenommen hat, tue ihm leid – er habe nicht bemerkt, wie hart und dennoch empfindlich er geworden sei. Für ihn sei es gut zu wissen, sie an seiner Seite zu haben, es wäre ihm zudem angenehm, wenn sie ihm auf der fachlichen Seite den Rücken wie bisher frei hielte – „um meine Psyche muss ich mich aber selber kümmern“.
Für Frau Helfi war dieses Gespräch außerordentlich intensiv, lösend und klärend. Und das alles durch einen Strauß bunter Strohblumen …

Frau Helfi reflektiert:

„Ich bin so froh, dass ich im Coaching mit meinen Werten in Berührung gekommen bin. Ich dachte immer, meine Art wäre allgemein gesehen immer gut, aber ich kann heute sehen, dass ich an sich
ein enges Leben geführt habe. Die Idee mit den Stühlen fand ich sehr hilfreich und auch, dass Sie mir keine Ratschläge gegeben haben – davon hatte ich in der letzten Zeit schon genug. Ich bin
froh, dass das mit meinem Chef nun geklärt ist. Ich hätte gedacht, dass wir dazu viel mehr Zeit gebraucht hätten, aber manchmal liegt das Gute doch so nah. Ich schätze, dass es noch andere Menschen gibt, denen das Zusammensein mit mir zu dicht ist und es mir nur nicht so offensichtlich wurde wie bei meinem Vorgesetzten.
Was mir ganz klar ist: Ohne die Arbeit an den Werten hätte ich gar nicht den Sinn erkannt, warum ich ein Verhalten von mir korrigieren soll. Ich war immer der Ansicht, ein Verhalten zu ändern, wäre ein
Vorgang, um sich anderen anzupassen. Nun weiß ich, ein Verhalten ändere ich, damit es mir besser geht und damit auch anderen. Für diese Erkenntnis sage ich gerne Danke.