Angriff auf die Werte – ein Coachingpraxisbericht – 4

Hypothesensammlung der Klientin:

  • Mein Vorgesetzter kommt mit der Veränderung nicht klar.
  • Mein Vorgesetzter hat Schwierigkeiten in seiner Ehe.
  • Mein Vorgesetzter hat einen Konflikt mit mir.
  • Mein Vorgesetzter ist im Aufsichtsrat in Ungnade gefallen.
  • Mein Vorgesetzter will das Unternehmen verlassen.
  • Mein Vorgesetzter steht in starkem Stress.
  • Mein Vorgesetzter vertraut mir nicht.
  • Mein Vorgesetzter ist mit meiner Leistung nicht zufrieden.
  • Mein Vorgesetzter wurde seiner Aufgaben entbunden.

Frau Helfi schaut auf ihre Liste und meint: „Meine Güte, wenn davon einige Ideen zutreffen, dann ist es möglich, dass mein Chef ja selbst ganz schön leidet. Aber trotzdem muss er sich doch dann nicht so verhalten und mich verletzen, oder?“

„Bevor wir diesen Gedankengang und Ihre Gefühle dazu vertiefen, möchte ich Sie zu einer Erweiterung Ihres Besitzes an möglichen Ursachen für die Situation einladen – einverstanden?“
Frau Helfi stimmt zu und erhält eine Übersicht über Hypothesen über sie selbst, die ich auf der Basis der Vorab-Mail herausdestilliert habe.

  • Ich erhalte nicht die Anerkennung, die ich brauche.
  • Ich fühle mich ausgenutzt.
  • Ich bin Auslöser für das Verhalten meines Chefs.
  • Ich stehe in einem Konfliktfeld unterschiedlicher Wertvorstellungen.
  • Ich finde, wenn ‚er‘ sich anders verhalten würde, dann ginge es ‚mir‘ besser.
  • Ich nehme einen massiven Kompetenzverlust wahr.
  • Ich werde nicht meinem Status gemäß geführt.
  • Ich habe irgendetwas von Bedeutung nicht wahrgenommen, und seither gibt es Probleme.
  • Ich belaste meine Ehe mit dieser Situation.
  • Ich habe Angst davor, dass sich durch die Veränderungen bei meinem Chef auch in meinem Arbeitsbereich Veränderungen ergeben werden.
  • Ich bin damit überfordert, eine in meiner beruflichen Laufbahn noch nicht erlebte Erfahrung zu machen.

Verblüfft meint Frau Helfi nach ihrem Blick auf diese ‚Ich‘-Liste: „Wollen Sie mir einreden, ich sei das Problem? Das ist doch aberwitzig. Ich habe mir nichts vorzuwerfen, habe doch nur mein Bestes
gegeben und seine Belange im Fokus gehabt.“ Frau Helfi weint und schaut, als suche sie schon seit Langem nach einer menschlichen Umarmung, einem freundlichen Wort, einer Geste der Dankbarkeit.