Angriff auf die Werte – ein Coachingpraxisbericht – 6

„Vielleicht ist es an dieser Stelle eine gute Idee, dass wir uns einmal die Auswertung des Fragebogens anschauen, den ich Ihnen im Vorfeld unseres heutigen Treffens zugeschickt hatte. Wie
ich Ihnen am Telefon sagte, beleuchtet das Process Communication Model® (PCM)  die Kommunikationsbedürfnisse eines Menschen. Werden diese Bedürfnisse dauerhaft nicht erfüllt, eskaliert die Situation in Form eines belastenden Stresses, dem Dystress. Im Dystress wiederum
zeigt der Mensch kommunikatives Verhalten, das er üblicherweise nicht zeigt und auch nicht zeigen will. Dadurch, dass er sich derart verhält, besteht das Risiko, dass er seinerseits sein Umfeld derart in Belastungsstress versetzt, dass sich hieraus ein Teufelskreis ergibt, den es als Muster zu unterbrechen gilt.

In unserem Gespräch hatte ich den Eindruck, dass Ihnen die Situation sehr zu Herzen geht, ich hörte Worte wie ‚helfen‘, ‚mögen‘, ‚Spannung‘, ‚Nähe‘, ‚sorgen‘, ‚jemanden schätzen‘; ‚Rücken stärken‘, ‚schmerzhaft‘, ‚demütigend‘, ‚haltlos‘, ‚unglücklich‘, ‚bitter‘, ‚ratlos‘, ‚verstört‘ usw., und auch Ihre Mail zeigt viele ‚fühlende‘ Worte. Mein erster Impuls war daher zu schauen, ob die Art und Weise Ihrer Sprachwahl Ihrem Kommunikationsbedürfnis entspricht. Wenn wir das Ergebnis anschauen, dann sehen Sie, dass Sie nach PCM im Modus der ‚Empathikerin‘ kommunizieren. Der Empathiker wünscht sich die Anerkennung als geschätzte Person, zu der eine enge und persönliche Beziehung gepflegt wird. Für Empathiker ist es wichtig, dass sie mit Menschen zusammen sind, die sie mögen und denen etwas an ihnen liegt.

Bild Helfi
Das Fatale ist, dass in massiven Stresssituationen der Empathiker zuerst versucht, es allen im Umfeld recht zu machen, also noch mehr Empathie einbringt. Das führt dazu, dass Empathiker in ihren Entscheidungen zu unbestimmt werden und nicht sagen, was sie brauchen. Sie erleben sich möglicherweise als Opfer, kommen zunehmend in Selbstzweifel, werden ängstlich und fühlen sich schuldig an der Entwicklung.“

Frau Helfi nickt – diese Beschreibung zeigt ihr, dass wir ‚im richtigen Film’ miteinander arbeiten.