Angriff auf die Werte – ein Coachingpraxisbericht – 7

„Wie Sie sehen, zeigen Sie in Ihrem Kommunikationsprofil zudem auch starke Anteile im Kommunikationsbedürfnis des Logikers (dem, der sich zu Situationen seine Gedanken macht und diese äußert) und des Beharrers (dem, der sich zu Situationen eine Meinung bildet und diese äußert). Der stärker ausgeprägte Logiker mag einen Beitrag in der Weise leisten, dass Sie versuchen, sich die Situation rational zu erklären, um sich damit zu entlasten.
Es scheint, als versuchten Sie zum einen, die Gefühle, die Sie haben und die Ihnen in den vergangenen Wochen in dieser Intensität erstmals entstanden und nicht gut taten, mit Logik zu erklären. Irgendwie muss man doch dahinterkommen, warum das alles so ist. Nun hat sich die Situation so entwickelt, dass Sie immer noch die Sie belastenden Gefühle haben und Sie sich zudem die Ursache für sie nicht erklären können.“

Frau Helfi ergänzt zustimmend: „Ja, und nicht nur ich kann mir das nicht erklären, auch mein Mann und meine Freunde nicht. Auch die haben sich schon den Kopf zerbrochen und mir auch empfohlen,
ich solle doch das Gespräch mit meinem Vorgesetzten suchen und um eine Klärung bitten. Und ich habe ihn ja auch mehrfach gefragt, was denn los sei. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn anders als früher erlebe und dass ich ihm gerne helfen würde. Aber er sagte nur, es sei alles in Ordnung und wenn ich meine Aufgaben einfach weiterhin so erledigen würde wie bisher, dann sei für ihn alles gut.“

„Sie sagen, Sie haben Ihren Vorgesetzten früher anders erlebt. Wie denn?“

Frau Helfi : „Wir haben früher unsere Morgenbesprechung durchgeführt, er war dann meist in Meetings eingebunden. Wenn er dann wieder ins Büro kam, dann informierte er mich über neue Sachlagen und stimmte mit mir erforderliche Schritte ab. Auch private Themen wie Urlaubsbuchungen oder auch den ein oder anderen Einkauf hat er mir übertragen. Ich fand das immer gut, weil ich gerne meinen Chefs den Rücken freihalte. Ich denke, das ist auch meine Rolle. Bis mir auffiel, dass das anders wurde, verging eine gute Weile – ich habe mit der Führung meiner Mitarbeiterinnen und der Koordination der Geschäftsbereiche keinen Mangel an Arbeit. Aber nun ist es so, dass ich an sich nichts anderes mehr wahrnehme als diese ‚Nicht-Beziehung‘.“

„Wie lange arbeiten Sie denn schon mit Ihrem Vorgesetzten zusammen?“

„Seit zwei Jahren.“

„Aber in Ihrem Unternehmen sind Sie bereits seit vier Jahren. Wie war das denn in den ersten beiden Jahren?“

„Da hatte ich einen anderen Chef. Der war eine Seele von Mensch. Wir haben wunderbar harmoniert, ich war wirklich seine rechte Hand, und ich habe mich unter seiner Führung schnell eingearbeitet und zügig meinen Verantwortungsbereich zu dem gemacht, was er heute ist. Er hat mir voll vertraut. Und es war für mich ein rechter Schock als bekannt wurde, dass er im Urlaub mit seinem Segelschiff verunglückte und starb.“