Angriff auf die Werte – ein Coachingpraxisbericht – 8

„Und dann wurde Ihr Arbeitsbereich personell neu besetzt.“

„Genau, mein jetziger Vorgesetzter hatte früher einen anderen Vorstandsbereich geleitet und wechselte dann nach Benennung durch den Aufsichtsrat in die Sprecherrolle. Seine frühere Funktion wurde durch einen erfahrenen Bereichsdirektor besetzt. Das Ganze verlief recht reibungslos und für meinen Vorgesetzten war die Benennung sicher auch eine Anerkennung für seine bisherigen Leistungen.“

„Für Sie aber war es eine neue Situation. Wie haben Sie sich denn darauf eingestellt?“

Frau Helfi beschreibt die Anfangszeit, in der sie ihren Vorgesetzten über die laufenden Prozesse und Projekte informierte, eine Vielzahl mit der Veränderung erforderlichen Umstellungen korrekt abwickelte und „ich kümmerte mich um sein Wohl, so wie ich es immer tat“.

„Wenn Sie sagen, Sie kümmern sich um sein Wohl, wie Sie es immer taten, dann meinen Sie damit auch den Vorgesetzten vor Ihrem aktuellen!? Würden Sie sagen, das Kümmern, fürsorglich zu
sein, Hilfsbereitschaft zu zeigen zu den Wertmaßstäben zählen, die Sie grundsätzlich schätzen?“

„Unbedingt, ja. Nach meiner Ausbildung, also als ich so um die Mitte 20 Jahre war, begann ich in einem Großunternehmen als Sekretärin und Fremdsprachenkorrespondentin bei einem Abteilungsleiter. Dieser war über die Jahre so erfolgreich, dass er zuerst mehr Projektverantwortung
bekam, dann Bereichsleiter wurde und in seinen letzten Jahren bis zum Ruhestand Vorstand war. Ich habe fast 20 Jahre mit ihm gearbeitet, und ich kann mich nicht entsinnen, dass es je Probleme
seinerseits mit meiner Unterstützung gab. Im Gegenteil, oft sagte er: ‚Frau Helfi , was wäre ich nur ohne Sie.‘ Oder: ‚Sie achten schon auf mich.‘ Dieser Mann war für mich schon ein Vorbild, und ihm zu helfen, dass er seine Sachen gut machen konnte, war für mich selbstverständlich.

Mit seiner Frau verstand ich mich auch prima, einmal meinte sie, dass Sie mir danken möchte, weil sie wohl schon sieht, dass durch meine Arbeit ihr Mann recht ausgeglichen nach Hause käme und auch Zeiten größerer Anspannung nicht zu einem Problem in ihrer Partnerschaft führen würden.
Als dieser Vorgesetzte dann in den Ruhestand verabschiedet wurde, dachte ich daran, mit der Arbeit aufzuhören. Wie sollte ich wohl jemanden finden, der ähnliche Qualitäten besaß. Er hat das wohl
gemerkt und fragte mich dann auch, wie ich mir denn meine Zukunft vorstellen würde und ob er wohl einen Bekannten in einem anderen Unternehmen ansprechen solle, der gerade eine Fachkraft wie mich suchen würde und so ähnlich ‚gestrickt‘ sei wie er selbst.

Dazu habe ich gerne ja gesagt, denn mit Anfang 40 fühlte ich mich auch noch durchaus fit für eine weitere Herausforderung. Als der Kontakt dann hergestellt war und ich merkte, dass die Wellenlänge in der Tat eine gute war und ich zudem auch noch eine aktive Führungsrolle angeboten bekam, war ich sehr froh und glücklich.“