Wenn der Mensch die Krise kriegt – 2

‚Die Psyche‘ sucht nach einem Ausweg – und was hier wie eine fremde Instanz klingt, ist letztlich die individuelle Melange aus Emotionen und Gedanken, ein im Gehirn entzündetes neuronales Feuerwerk, das die Situation als gefährlich, verletzend, demütigend usw. erleben lässt. Aus dem Verlust einer Arbeitsstelle wird so über diverse Deutungsebenen hinweg der Verlust des Selbstwertes aufgrund verloren gegangener Anerkennungsmöglichkeiten. Diese hatte die Person bislang vielleicht lange genug in ausreichendem Maße erhalten, der psychische Trampelpfad ‚Job – Leistung – Anerkennung – Befriedigung‘ war lange gegangen worden und Alternativen wurden nicht bedacht. Nun fällt plötzlich eine Säule der Identität in sich zusammen und die Neuronen funken.

Erlebt der Mensch nun bei allen Versuchen keine Stabilisierung seiner Lage, baut sich ein neuer Trampelpfad auf ‚Job weg – Versager – Selbstinfragestellung – Fluchtverhalten‘. Lange genug gegangen, übernimmt dieser Trampelpfad die Funktion, das Denken und Fühlen der Person zu kanaliseren. Die Aufmerksamkeit der Person wird auf das Misslingen, die Schwäche, den Verlust, vielleicht auch die Wut oder Angst gelenkt. Der Körper reagiert entsprechend – Frankl hat dies mit dem Begriff ‚psycho-physischer Parallelismus‚ beschrieben. Die Liste der psychosomatischen Phänomene ist lang und wird von betroffenen Menschen meist sehr passend formuliert: ‚mir stockt der Atem‘, ‚ich fühle mich wie gelähmt‘, ‚ich bin morgens schon sehr gereizt‘ …