Wenn der Mensch die Krise kriegt – 3

Die Aufmerksamkeit, die auf dem eigenen ‚Miss‘-Erleben liegt, zeigt sich ohne entsprechende Intervention als recht beharrlich. Meist ist die Negativspirale ja auch verbunden mit dem, was wir ’sekundärer Krankheitsgewinn‘ nennen. Dem Menschen geht es schlecht, aber er erhält Trost von seiner Familie oder ihm werden Arbeiten, die er sonst erledigt hat, ‚zur Schonung‘ abgenommen oder er erhält besondere Aufmerksamkeit durch Menschen in seinem Bekannten- und Freundeskreis oder von Ärzten oder Therapeuten u.a.m.

Aus logotherapeutischer Sicht ist der erste wichtige Schritt: ‚Selbstdistanzierung‘, also durch die Fokussierung auf das eigentliche Thema [z.B. welchen Wert hat Arbeit] die bisherigen Muster der Selbstinfragestellung, Selbstanklage, Schuldgefühle oder Minderwertigkeitsempfindungen zu brechen. Dazu dient zuerst die ‚Erwärmung‘ der Person zum Beispiel durch das Gespräch auf Momente oder Lebensbereiche, in denen diese Muster nicht vorherrschen, auf früher überwundene Schwierigkeiten, schlummernde Kompetenzen, auf seine Werte. Erst die über diesen Weg mögliche Selbst- distanzierung bringt der Person dann nach und nach wieder den nötigen Abstand, um nach der eingetretenen Krisensituation den Prozess neuer Sinnfindung für ein ‚gelingendes Leben‘ konstruktiv gestalten zu können.