Wenn der Mensch die Krise kriegt – 5

Was aber ist Sinn aus sinntheoretischer Sicht? Wie verstehen wir in der Logotherapie ‚Sinn‘?

These 1: Sinn ist die Aufgabe, die das Leben für mich persönlich
und gerade jetzt bereitstellt. Sinn ist also eine Aufgabe ‚für mich‘.
Zum Lösen dieser, meiner Aufgabe, muss sich mein ‚Selbst‘ bewegen.
Möglicherweise ist das, was mir bisher ‚selbst-verständlich‘
war, nicht geeignet, um die Aufgabe zu lösen, dann braucht es
‚Selbstbewegung‘.

These 2: „Die Suche nach einem Sinn an sich, der über alles
menschliche Sinnverständnis hinausgeht, wäre also entweder
offenkundiger Unsinn oder Sinnglaube. Beides hat im Rahmen einer
Wissenschaft keinen Platz. Wissenschaftlich thematisierbar ist
allein der „Sinn für mich“, also ein einmaliger, individueller
und situativer Sinn.“ [Frankl]

These 3: Vollzogene Sinnerfüllung ist unvergänglich. Nur die
Möglichkeiten zur Sinnerfüllung sind vergänglich. „Sobald sie
einmal verwirklicht worden sind, sind sie es ein- für allemal; denn
eine Möglichkeit, die wir in eine Wirklichkeit verwandelt haben,
haben wir sozusagen ins Vergangen-sein hineingerettet, wo nichts
unwiederbringlich verloren, sondern alles unverlierbar geborgen ist,
wo es aufbewahrt ist, wo es vor der Vergänglichkeit bewahrt ist. ….
Wir sehen immer nur die Stoppelfelder der Vergänglichkeit – und
übersehen die vollen Scheunen, in die wir die Ernte unseres Lebens
eingebracht haben – die Taten, die wir getan, die Werke, die wir
gewirkt, die Lieben, die wir geliebt haben, und die Leiden, die wir
mit Mut und Würde durchgestanden.“ [Frankl]