Gewissen – die unkaputtbare Kompassnadel des Lebens

Werte werden oft auch als Kompass des täglichen Lebens genannt. Und wenn der Mensch Werte verwirklichen, dann findet er damit den Sinn im jeweiligen Moment. Nun besteht das Wertesystem eines Menschen in der Regel aus einem Bündel von Werten, viele davon sind dem Menschen wichtig, eine Auswahl auch wesentlich. Wie auch immer, die Frage stellt sich an sich zu jedem Zeitpunkt: Was ist es, was dem Menschen rät, das gerade jetzt Sinnvollste zu tun?

Frankl nannte das Gewissen das Sinn-Organ, und in unserem Bild können wir es als die Nadel im Kompass verstehen, die den Menschen bestenfalls genau auf das ausrichtet, was jetzt die Antwort ist, die ein Mensch auf eine Frage seines Lebens geben sollte. Fühlt sich die Nadel von zu vielen Werten angezogen, weil der Mensch sein Wertesystem nicht kennt, dann kann das Gewissen ihm auch die falsche Richtung weisen. Gewissensbildung ist damit nicht ohne das Wissen um den eigenen ‚Selbstwert‘ zu haben. Ist der Mensch jedoch im Einklang mit sich, handelt er wertebezogen und kann auch in lebensbrisanten Situationen gewissenhafte Entscheidungen fällen.

Wird die Richtung der Kompassnadel durch Handlungen auch anderen Menschen bewusst, dann überlebt dieses Wissen um diesen Menschen auch dessen Tod. Das je individuell Gewissenhafte wird damit zu einem unsterblichen Gut. Es kann nicht verfallen, ist unzerstörbar und entfaltet auch nach dem Leben des Menschen seine Wirkung. Wer jedoch sein Gewissen los ist, verfehlt diese Möglichkeit.

Wenn Menschen auf ihr Gewissen hören, dann stellen sie zuweilen die Frage, was denn da zu ihnen spricht. Wie können sie sicher sein, dass es ihre und nicht eine Stimme ist, der zu folgen eher ein Hinweis dafür wäre, das Leben eines anderen zu führen?

Die Antwort darauf ist recht einfach:
Die Stimme des eigenen Gewissens droht nicht, sie ängstigt nicht, ist nie gegen das Leben, ist frei von Lust- oder Machtstreben, der Lebensfreude zugewandt und spricht das aus, was aktuell für alle und alles das Beste ist.

In Gesprächen mit Klienten und Patienten hören wir dann zuweilen, dass das, was das eigene Gewissen anregt so auch zum Beispiel Vater oder Mutter gesagt hätten. Das ist zweifelsohne möglich und spiegelt wider, dass das Gewissen eines Menschen unsterblich ist. Dennoch wäre es nicht richtig, trotz einer Übereinstimmung im sinne eines ‚ja, das hätte XY auch gesagt‘ im Gewissen etwas Anerzogenes zu sehen. Dies würde das Original, das jeder Mensch darstellt, ad sinn-absurdum führen.

Wenn Sie also bald wieder die Stimme Ihres Gewissens, dann hören Sie einmal auf seine Worte.