Was ist der Ausgleich eines Werteverlustes?

Ein Verlust von Werten, einhergehend mit Angst und Abwehrreaktionen, wird ausgeglichen durch ein starkes ‚Selbstwertgefühl‘. Um dieses zu entwickeln, muss man wissen, welche ‚Werte‘ man ’selbst‘ in seinem Leben entwickelt hat. Das ist Arbeit, aber höchstpersönliche und damit erfreuend.

Es wird deutlich: Der Angriff auf einen Wert einer Person ist kein Angriff gegen das ganze ‚Selbst‘. Jeder Mensch ist immer mehr als die Werte, die er hat. Will sagen: Ein Mensch kann neue Werte entwickeln, wenn die Verwirklichung anderer nicht mehr oder eingeschränkt möglich ist. Mit diesem neuen Set an Werten vermag der Mensch neuen Sinn zu finden. Ein genauer Blick in die Biografie eines Menschen zeigt oft auf, dass der Mensch einen solchen Prozess schön öfter in seinem Leben vollzogen hat, vielleicht unbewusst und nicht in Krisensituationen, aber immerhin.

Das besondere am Selbstwertgefühl ist, dass es sich um ein Gefühl eines sehr tiefen Verständnisses handelt, das jeder Mensch über sich entwickeln kann, wenn er will und – so er dazu Unterstützung benötigt – wenn er dafür sich auch die richtige Begleitung von außen heranzieht.

Es ist schon etwas Besonderes, so wie viele Phänomene, die mit dem Begriff ‚Selbst-‚ beginnen. Selbstachtung, Selbstsicherheit, Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein, Selbsterkenntnis … immer meinen diese Begriffe anderes, als das, was auf der ‚Ich-‚Ebene des Menschen abläuft.

Sich zum Beispiel seiner Fähigkeiten und Stärken, seiner Sorgen und Schwächen selbst bewusst zu werden, setzt voraus, vorbehaltlos in sein Leben zu schauen und zu erarbeiten, was die eigene Person zum Unikat macht. Selbsterkenntnis ist dann der Prozess, mit dem aus diesen Reflexionen Schlüsse gezogen werden. Selbstsicherheit erwächst, wenn diese Schlussfolgerungen sich in der täglichen Lebenspraxis als stimmig erweisen. Wird der Person dann deutlich, dass sie selbst es ist, die in Freiheit und Verantwortung entscheidet und handelt, entsteht mit jedem weiteren selbstsicheren Schritt das Gefühl des Selbstwertes. Ist dieses Gefühl rüttelfest, wird ein Mensch auch auf seine Zukunft hin sich selbst vertrauen. Ein Mensch mit Selbstvertrauen spürt, dass das eigene Leben ihm vertraut. Dass es ihm Aufgaben zumutet – zum Beispiel Krisen – die deshalb nicht zerstören, weil dem Verlust auf der einen Seite ein unzerstörbarer Selbstwert gegenüber steht.