Werteverlust – und das Erleben von Angst

Die erste Reaktion auf einen schweren Verlust ist Angst. Etwas war so stark, dass es einen Verlust hat bereiten können, etwas war stärker als das ‚Ich‘. Diese Bedrohung erzeugt Angst und damit einen Abwehrmechanismus [siehe hierzu auch andere Beiträge in der KrisenPraxis].

Menschen, die von einem existenziellen Verlust erfahren oder ihn direkt erleben, können entweder so damit umgehen, dass sie für Dritte beobachtbar eine Art ‚Totstellreflex“ zeigen und die Situation nur mit sich selbst verarbeiten – dies aufgrund der Stärke der mit dem Verlust einhergehenden Erschütterung jedoch nicht bewältigen können und in die ‚Hilflosigkeit‘ rutschen.

Oder aber sie werden mit ‚Aggressivität‘ erlebt, die Situation ist durch Verlust der Impulskontrolle gekennzeichnet und der Mensch zeigt offen Wut, Zorn, Rachegelüste oder tiefen Groll.
Wieder anderem Menschen wechseln zwischen diesen Polen hin und her.

Welche dieser Reaktionsformen auch erlebt wird, sie sind normal in einer unnormalen Situation. Einzig die Dauer der Reaktionsweise gilt es im Auge zu behalten. Manifestiert sich jedoch ein Abwehrmechanismus, sind psychische oder auch psychosomatische Störungen die Folge. Sie zeigen sich u.a. in Zerstörungswut, Autoaggression, Allmachtsphantasien oder auch in Apathie oder kompletter Lethargie.

Es braucht also zur rechten Zeit eine Justierung der Reaktionsweisen – es sei denn, man hat diese im Rahmen individueller Krisenprävention analysiert und dadurch rechtzeitig eine Art ‚Verhaltens-Gegengift‘ entwickelt, das in der Lage ist dafür zu sorgen, dass der Mensch in der Lage ist, sich von sich selbst nicht alles gefallen lassen zu müssen [Frankl] – hier insbesondere von seinen psychischen Reaktionen auf ein Verlusterleben.