Umgang der Kinder mit Tod – 1

Aus gut gemeintem Schutz des Kindes vor Lebensthemen, von denen Eltern oder Erziehende meinen, dass diese ‚zuviel‘ für das Kind seien, scheuen sie sich, über den Tod zu sprechen – insbesondere dann, wenn er bei einer nahe stehenden Person eingetreten ist. Jedoch ist eine pauschale Zurückhaltung bei diesem Thema nicht anzuraten, denn Kinder haben je nach Alter durch bereits ein für sie reales Verständnis von Leben und Tod.

Kindliche Bilder und Vorstellungen von Tod sind als dynamischer Prozess zu verstehen, und auch bei Kindern im Vorschulalter sind Gedanken an den Tod durchaus gängig und für die Entwicklung wichtig. Die ersten Impulse des Kindes kommen durch ‚Sterbeprozesse‘ in der Natur, bei Pflanzen und Tieren, und in der Folge durch Verlust- und Trennungserfahrungen. Das Kind erlebt, dass eine Person nicht verfügbar ist, dass ein Gegenstand nicht mehr da ist, dass bestimmte Formen der Nahrungsaufnahme [Brust, Flasche] nicht mehr gegeben wird. Auch der Umgang, insbesondere seiner Eltern mit dem nicht mehr Lebendigen, prägt das Kind.

Das Interesse an der Auseinandersetzung mit Lebendigem und Unbelebten schwankt. Von Jean Piaget und seinen Forschung der Entwicklungspsychologie wissen wir, dass Kinder ab etwa dem dritten Lebensjahr beginnen, als ‚lebendig‘ zu verstehen, was aus seiner Sicht nützlich und aktiv ist. Dabei beobachtet es natürlich die Menschen um es herum und deren Verwendung der Dinge oder den Umgang mit anderen.  Ab sechs Jahre gilt vornehmlich das als ‚lebendig‘, was in Bewegung ist. Sich bewegende Blätter am Baum müssen aus diesem Verständnis ‚belebt‘ sein, bewegen sie sich nicht, können Kinder ein Blatt als ‚unbelebt‘ ansehen. Mit acht Jahren wandelt sich diese Interpretation insofern als das Kind den Unterschied zwischen eigener und von außen zugefügter Bewegung machen kann. Eigenbewegung eines Objektes ist nun Zeichen der Lebendigkeit. Ab 11 Jahre wird Lebendigkeit dann nur noch Lebewesen zugeschrieben.