Umgang der Kinder mit Tod – 4

Um elf Jahre herum nimmt der Bezug zum Tod stark ab, um dann mit der Pubertät wieder deutlicher zu Tage zu treten. Die Vorstellungen über Tod und den vorangegangenen Sterbeprozess sind konkret mit Wissen unterlegt und je nach sozialem Umfeld und Milieu werden als Ursache für den Tod natürlich oder auch unnatürliche Gründe reflektiert.

Mit der Pubertät erkennen Kinder und Jugendliche die Zusammenhänge des Todes und haben ihn in das Verhältnis zu ihrem eigenen Leben gestellt. Treten in dieser Phase Todesfälle im sozialen System auf, dann kann ein Rückfall in kindliche Interpretationen beobachtet werden.
Die Fragen nach dem Sinn von Leben und Tod nehmen entwicklungsbedingt im Verlauf der Pubertät zu, meist einhergehend mit ihrer Einbindung in andere Kontexte wie Liebe, Sexualität, Hoffnung, Zukunft, Angst und das Verhältnis zu den eigenen Bezugspersonen. Bleibt der Jugendliche in dieser Zeit ohne Raum für das Gespräch über seine Gedanken und Empfindungen, sucht er sich oftmals andere Antwortquellen. Bleiben diese unreflektiert stehen und gewinnen sie Einfluss auf die Identitätsentwicklung des Jugendlichen, können sie letztlich zu Verhaltensmusters führen, deren Fortbestand sich in einem destruktiven Selbst- und Zukunftsbild zeigen.

Auch aus diesen Gründen darf angenommen werden, dass sich das auf die jeweilige Entwicklungsstufe des Kindes bezogene Gespräch und ein über alle Gespräche hinweg konsequent für das Kind und den Jugendlichen wahrnehmbarer, aber nicht ideologisch gefärbter ‚roter Gesprächsfaden‘ als günstig erweist. Das Thema ‚Tod‘ ist folglich nicht mit ‚einem Mal erledigt‘. Dazu jedoch ist die Selbstaufklärung von Eltern und Erziehern, ihr eigenes Bild vom Sterben und vom Tod und die Reflexion ihrer eigenen Ängste und Glaubenssätze erforderlich.