Die Einflüsse der Risiko-Gesellschaft – 1

Wirft man einen Blick auf die einen Menschen potenziell zunehmend [ver]störenden Einflüsse aus der verschiedensten Bereichen der Gesellschaft, so meint der Soziologe Ulrich Beck, dass man Menschen heute eine ‚experimentelle Biografie’ zusprechen müsse, in der der Umgang mit Angst und Unsicherheit  zu einer Schlüsselqualifikation zählt.

In 15 Thesen stellt Beck in seiner auf seinem Werk ‚Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne‘ aufbauenden Theorie für das je ‚eigene Leben‘ Bedingungen und Bestimmungen dar, von denen er behauptet, dass der Grund dafür, dass Menschen alltäglich mit Eifer, Lust und Angst, Routine und Gewitztheit um ihr eigenes Leben bangen und ringen in ihrem ‚eigenen Willen‘, ihrer ‚Anspruchsinflation‘ und in ihrer ‚abnehmenden Bereitschaft, auszuführen, sich einzuordnen und zu verzichten‘ zu finden sei.

Beck fragt in seiner Theorie, ob diese Phänomene den Beginn eines evolutionären Wandels, eines neuen Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft markieren. Auf der Basis seiner Thesen resümiert er, dass ein Konflikt in der Moderne und zudem in den Zentren industrieller Modernisierung um die Rationalitätsgrundlagen und das Selbstverständnis der Industriezivilisation im Gange sei, der dazu führt, dass Strukturen auf allen Gesellschaftsebenen – von der Politik bis zur Familie – nicht mehr reproduziert, sondern neu ausgehandelt, entschieden, gerechtfertigt, erfunden werden müssen.

Beck nennt diesen Prozess, der sich zwischen Individualisierung und Globalisierung, Enttraditionalisierung, Aktivität und Zuweisung fremdbestimmter Anforderungen vollzieht und in dem ungewollte und meist auch ungesehene Selbstinfragestellung und Selbstveränderung zu beobachten sei, ‚reflexive Modernisierung‘.